Taufkirchen plant die Barrierefreiheit

Es gibt noch einiges zu tun

Rathaus Taufkirchen
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Jeder Mensch soll an allen Bereichen seines Lebensumfelds selbstständig, unabhängig und weitgehend ohne fremde Hilfe teilnehmen können. Das sind die Anforderungen der Barrierefreiheit für die Gemeindebürger Taufkirchens.

Die Gemeinde Taufkirchen möchte zunächst an einigen Stellen im Ortsteil Am Wald dafür sorgen, dass diese die Barrierefreiheit gewährleisten. Keine einfache Aufgabe.

Taufkirchen - Wenn der Boden mal nicht ganz so gerade ist, die Pflastersteine ungleichmäßig hoch, die Rillen zu groß oder der Gehsteig etwas zu schmal ist, stören sich die Meisten nicht daran. Es kann ja ausgewichen werden. Was aber, wenn eben genau das nicht geht; wenn nicht ausgewichen werden kann, weil ein Betroffener nur eingeschränkt oder gar nicht sehen kann. Dann wird Alltägliches zu einem großen Problem.

Deshalb beauftragte die Gemeinde Taufkirchen das Stadtplanerbüro „Raab + Kurz“, um konkrete Stellen im Ortsteil Am Wald barrierefrei zu gestalten. Diplom Ingenieur Otto Kurz stellte die Planungsergebnisse dem Gemeinderatsgremium vor und sagte eingangs: „Man muss es immer aus der Perspektive der Beeinträchtigten sehen, nicht aus der Sicht eines Menschen aller funktionierender Sinne.“

Er sprach die Mitglieder des Gemeinderats persönlich an: „Sie können jemandem einfach ausweichen, ein anderer, ein Beeinträchtigter, kann das nicht und ist somit gehindert, am normalen öffentlichen Leben teilzunehmen.“

Anhand einer Karte stellte Kurz dar, wo Taufkirchen bereits die Kriterien für eine Barrierefreiheit erfüllt, und wo noch Handlungsbedarf besteht. In der Ergebniskarte waren die Bereiche nach dem Ampelsystem von grün bis rot eingeteilt. Doch waren nicht viele grüne, sondern sehr viele rote Zonen eingezeichnet.

Otto Kurz veranschaulichte, dass sich zunächst den räumlichen Schwerpunkten gewidmet werden sollte. Die würden vor allem im S-Bahn-Berich, im Schulumfeld und in der Querung nach Oberhaching, sowie in der Querung Richtung Taufkirchen Altort liegen. Auch bei dem Versorgungszentrum bestehe ein dringender Handlungsbedarf.

Konfliktpotential, beziehungsweise Hürden entstehen beispielsweise bei Straßenschäden, Schwellen, Stufen, Einbauten und Engstellen. Die Problematik an dem Thema Barrierefreiheit ist, dass man meist erst dann darauf aufmerksam wird, wenn man selbst eingeschränkt ist und daran gehindert ist, am alltäglichen Leben unabhängig teilzunehmen – ob temporär oder dauerhaft.

Eingeschränkt fühlen sich bereits Menschen, die beispielsweise einen Kinderwagen schieben; aber auch diejenigen, die zeitweilig gesundheitlich eingeschränkt sind und auf Krücken angewiesen sind. Dann gibt es aber noch diejenigen, deren Einschränkungen nicht nur temporär sind: Menschen, die motorisch, visuell, auditiv oder kognitiv eingeschränkt sind, stoßen im alltäglichen Leben auf den Straßen der Gemeinde oft an ihre Grenzen.

Kurz legte deshalb dem Rat nahe, dass die Zielsetzung für die Gemeinde daher ein Gesamtkonzept zur Barrierefreiheit für ganz Taufkirchen sein sollte. Fokussiert werde sich nun jedoch zuerst vor allem auf den Bereich rund um die S-Bahn. Auch der Ortsbereich der Eschenpassage und öffentliche Haltestellen sollten priorisiert angegangen werden.

In den Augen des Stadtplanerbüros sei es außerdem erforderlich, Fußgänger und Radfahrer voneinander zu trennen. Bürgersteige sollten grundsätzlich eine Breite von mindestens 1,8 Metern umfassen. Fünfeinhalb Meter Breite seien mindestens vonnöten, sollte eine Trennung von Fußgängern und Radfahrern nicht möglich sein. Otto Kurz bebilderte sein Beispiel: Im Park werde es mit einer Hecke und zwei Radfahrern inklusive Fußgänger schon recht schnell recht eng. Auch sollten Querneigungen für Fußgänger vermieden werden.

„Querneigungen brauche ich doch aber zum Entwässern“, so Taufkirchens Bürgermeister Ulrich Sander (parteilos). Kurz erläuterte, dass dies zwar richtig sei, zweieinhalb Prozent Neigung erforderlich wären, „aber aus Behindertensicht ist das schon zu viel. Eine Lösung wäre, auf zwei Prozent runterzugehen.“

David Grothe (Grüne) merkte an, dass, obwohl die Planungen bisher nur für den Ortsteil Am Wald gelten, der Gemeinderat aber auch für die gesamte Gemeinde dazulernen könne. „Man sollte mehr bei der Freigabe der Straßen für Radlfahrer darauf achten.“

Das Thema Kosten fehlt so gut wie in keiner Gemeinderatssitzung. So wollte Grothe zum Abschluss noch wissen, ob bei der Empfehlung, die Kurz aussprechen wird, auch eine Kostenschätzung inkludiert wäre. „Ja, Kostengrößen werden dahinter geklebt. Aber vieles ist auch in sowieso schon sanierungsbedürftigen Straßen zu beheben“, sagte Kurz.

Melanie Schröpfer

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