Glanzvoller Spagat zwischen den Jahrhunderten

Taufkirchen: 20er-Jahre-Show „Glanz auf dem Vulkan“ im Kulturzentrum 

+
Das internationale Ensemble präsentiert bei der Show in Taufkirchen einen mondänen Mix aus Musik, Tanz, Gesang und Akrobatik.

­Zwischen Ekstase und Melancholie feierten die Menschen in den 1920ern den berüchtigten Tanz auf dem Vulkan. Zu Ehren dieser Dekade präsentiert die Showkünstlerin Evi Niessner am Samstag, 11. Januar, im Kulturzentrum Taufkirchen die Show „Glanz auf dem Vulkan“. Das internationale Ensemble zeigt einen Mix aus Musik, Tanz, Akrobatik und Humor.

Taufkirchen – Die leeren Sektflaschen sind weggebracht, das Raclette wieder im Keller verstaut und der neue Kalender bereits eingeweiht. In diesem Jahr gab es an Silvester sogar doppelt Grund zu feiern. Denn es wurde nicht nur ein neues Jahr, sondern auch neues Jahrzehnt eingeläutet. 

Mit 2020 feiert eine Dekade ihr Jubiläum, die im letzten Jahrhundert besonders umtriebig war. Die 1920er-Jahren waren geprägt von einer explosiven politischen Gemengelage zwischen den beiden Weltkriegen, dem kurzzeitigen wirtschaftlichem Aufschwung mit den „Goldenen Zwanzigern“ als Blütezeit des kulturellen Lebens und den emanzipatorischen Bestrebungen der Frau.

In Berlin waren diese Spannungen besonders stark zu spüren. Not und Hunger bestimmten den Alltag. Gleichzeitig herrschte eine hedonistische Haltung unter den Menschen. Sie wollten den Moment feiern, ohne Gedanken an das Morgen.

Gerade deshalb galt Berlin als spannendste Metropole der Welt; die Sündenstadt, zwischen Exzess und Anarchismus, Kunst und Idealismus. Die Menschen feierten das Leben mit Absinth und Opiumrausch in Nachtclubs, Cabarets, Revuepalästen und Bars. Frauen kleideten sich freizügig, schnitten die Haare zum Bubikopf und tanzten die Nächte durch.

Evi Niessner tritt als Madame Glanz auf.

Der sogenannte Tanz auf dem Vulkan, der Exzess trotz prekärer Lage, spiegelte den Zwiespalt der Menschen wieder. Ein Exzess, der mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten jäh beendet wurde. „Diese Zwiespältigkeit, die Spannung, das exzessive Feiern kam aus einer Verzweiflung, dass man gar nicht wusste, was am nächsten Tag mit einem geschieht“, weiß Evi Niessner. 

Die Sängerin und Künstlerin brennt für die 20er-Jahre, bereits seit den 80ern beschäftigt sie sich leidenschaftlich damit. „Schon immer habe ich mir vorgenommen, wenn die neuen 20er-Jahre kommen, mache ich eine große Show“, erzählt Niessner stolz.

 Nun ist es so weit, mit der Show „Glanz auf dem Vulkan“ ist Niessner seit dem 20. Dezember mit ihrem elfköpfigen, internationalen Ensemble auf Tour durch Deutschland. Am Samstag, 11. Januar, präsentiert Niessner im Kulturzentrum in Taufkirchen ihr persönliches Herzstück, die exzentrische Show, eine Mischung aus Musik, Tanz, Gesang, Artistik, Humor und Frivolitäten aller Art.

Die Goldenen Zwanziger lösen bei vielen eine Faszination aus. Das liegt auch an der erfolgreichen Fernsehserie „Babylon Berlin“, in der die vielen Seiten der Dekade betrachtet werden. „Ich finde die Serie großartig“, zeigt sich die gelernte Opernsängerin begeistert. „Der Spirit der 20er wird sehr gut transportiert.“

Das Show-Tanz-Ensemble „Die Gl‘amouresque“, bekannt als die Gruppe „Ba­nanagirls“ in der Serie, zeigt in „Glanz auf dem Vulkan“ einen Mix von Charleston bis zu Modern. Nicht nur deshalb unterscheidet sich die Show von anderen 20er-Jahre-Veranstaltungen, die derzeit gehäuft auf den Markt kommen. 

„Bei uns ist es eine echte Künstlershow, die von den Künstlern wirklich mit Herzblut getragen wird. Es ist keine Show vom Reißbrett nach üblichen Musicalstandards“, betont Niessner, die ihren Mädchennamen als Künstlernamen nutzt.

Außerdem erwarte die Zuschauer keine kitschige Verklärung des Jahrzehnts: „Wir wollen das zerrissene Gefühl mit der Allgegenwart des Todes nach dem ersten Weltkrieg und der neu aufgekommenen Frauenpower darstellen. Bei uns wird eine Haltung transportiert.“

Die Zeit von damals habe mit der heutigen einige wichtige Parallelen, weiß Niessner: „Man hat heute ein ähnliches Gefühl, dass die Welt im Umbruch ist. Damals war es durch die Industrialisierung und die Moderne, heutzutage durch die Digitalisierung und die neue Art von Kommunikation durch Social Media, wo man zum Beispiel gar nicht mehr weiß, was noch echt und was fake news ist.“ Genauso sei die politische Lage heutzutage durch die Polarisierung an den politischen Rändern von Unsicherheiten und Umbrüchen geprägt.

Nicht nach üblichen Musicalstandards

„Wir wollen mit unserem Programm freies Denken, Menschlichkeit und Frieden transportieren. The message is love“, erklärt die Künstlerin.

Transportiert wird diese Botschaft in der Show unter anderem durch die Musik. Diese spielt eine ganz besondere Rolle, wie Niessner verdeutlicht: „Von der Musik wird alles getragen. Bei so einer Liveshow, wo sehr viel getanzt wird, verbreitet sich eine unheimliche Energie.“ 

Es werden modernere Popsongs mit Liedern aus den 1920ern und selbst komponierten Stücken gemischt. „Die Herausforderung ist, dass sich durch die Musik die alten und die neuen 20er-Jahre so überlagern, dass es authentisch ist und sich so niemand mehr die Frage stellt: Was gehört jetzt wo hin?“

Für die Entertainerin ist das Aufkommen des Feminismus die wichtigste Errungenschaft des Jahrzehnts. „Die Befreiung der Frau, wie sie in den 20ern stattfand, greifen wir in unserer Show auf“, verdeutlicht Niessner. Dazu gibt es drei verschiedene, stereotype Frauencharaktere der 20er, die sich langsam emanzipieren, die „in der Metamorphose begriffen“ sind.

Trotz der vielen Parallelen, für Niessner könnten sich die neuen 20er in einem Punkt von den alten eine Scheibe abschneiden: „Dieser Freigeist bei der Kunst, da gab es keine Ressentiments, alle Genres wurden durcheinander gemischt. Dadurch wurde es spannend. Heute finde ich dagegen den Unterhaltungsmarkt langweilig, denn es wird sehr in Schubladen gedacht. Das möchten wir durchbrechen.“

Iris Janda

Die Show „Glanz auf dem ­Vulkan“ wird am Samstag, 11. Januar, um 19 Uhr im Kulturzentrum Taufkirchen am Kögl­weg 5 aufgeführt. Karten gibt es ab 30 Euro unter 54818181 oder www.muenchenticket.de.


Weitere Geschichten aus der Region finden Sie in unserer Übersicht.

Auch interessant:

Meistgelesen

Nina Hartmann von den Grünen ist Oberhachings dritte Bürgermeisterin
Nina Hartmann von den Grünen ist Oberhachings dritte Bürgermeisterin

Kommentare