Der zweite Fußballverein in ganz Deutschland, der an die Börse geht

Lohnt sich die neue Aktie aus Unterhaching?

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Die Last-Minute-Entscheidungen der Bundesliga

Die neue Finanzierungsstrategie der SpVgg Unterhaching soll den Verein wieder in die 2. Bundesliga katapultieren — und das nachhaltig und schuldenfrei.

Die Spielvereinigung (SpVgg) Unterhaching geht an die Börse. Damit ist der Verein erst der zweite Fußballverein in ganz Deutschland, der als börsennotiertes Unternehmen die Finanzierung des Vereins sichern will. Fans und Anleger können vielleicht bereits ab Ende des Monats mit Aktien des derzeitigen Drittligisten an der Börse München handeln. Finanzkreisen zufolge soll der Ausgabepreis bei acht Euro liegen. Rund zwölf Millionen Euro sollen so in die Kasse des Vereins gespült werden. Damit erhofft sich der Fußballverein, wieder zu alter Stärke zu gelangen und den Einzug in die 2. Bundesliga zu schaffen. Denn immerhin die Hälfte des zu erwartenden Geldes soll in den Kader investiert werden, die andere Hälfte ist für den Schuldenabbau und für die Renovierung des Stadions vorgesehen.

Für Unterhachings Präsidenten Manfred Schwabl, der selbst 16,6 Prozent der Aktien halten wird, ist der Börsengang die naheliegendste Option, um finanziellen Spielraum zurückzugewinnen. Die Aufnahme neuer Schulden oder Fananleihen, die der Verein später zurückzahlen müsse, kommen für ihn nicht in Frage. „In der Dritten Liga machst du jedes Jahr ein operatives Minus von 2,5 Millionen Euro. Das ist nicht zu vermeiden. Erst recht nicht, wenn du ein Nachwuchsleistungszentrum unterhältst“, erklärte der Präsident. „Mein Credo war von Anfang an, dass wir aus einer gesicherten Position heraus den Angriff auf die Zweite Liga wagen. Das ist jetzt der Fall.“ Um in der Dritten Liga Gelder zu generieren, müsse man kreativ sein: „2021 und 2022 wird das Ziel sein aufzusteigen. Daran lasse ich mich auch messen. Ob es gelingt, kann man nicht sagen. Die Dritte Liga ist leider kein Wunschkonzert.“

Nach Ansicht des Vereins ist der Börsengang sowohl für den Verein als auch für die Anleger lukrativ. „Bei den Investorengesprächen in den vergangenen Wochen haben wir viel positives Feedback bekommen. Der Börsengang ist für Anleger und uns attraktiv. Wir erhalten die finanzielle Planbarkeit für die kommenden Jahre. Wir können unsere Infrastruktur und den Kader gezielt weiterentwickeln und auf nachhaltigen Erfolg in der Zweiten Bundesliga vorbereiten. Ohne Schulden oder Abhängigkeit von einem Mäzen. Anleger beteiligen sich an einem professionell geführten und solide aufgestelltem Club, der auf den Nachwuchs setzt und mit einem Aufstieg eine neue finanzielle Dimension erreichen würde“, sagte Manfred Schwabl.

Der sportliche Abstand zwischen der 3. Liga zur 2. Bundesliga sei eher gering, der wirtschaftliche hingegen immens. So würden allein die TV-Einnahmen im Fall des Aufstiegs von aktuell einer Million Euro auf rund zehn Millionen Euro explodieren. Ebenfalls würden die Einnahmen sich durch Ticketverkäufe und Sponsoring voraussichtlich mehr als verdoppeln.

Bereits im Dezember 2018 gliederte der Verein seine Profiabteilung sowie die Nachwuchsmannschaften von der U16 bis zur U19 aus, um die Wettbewerbsfähigkeit und den finanziellen Spielraum zu erhöhen. Die Mannschaften spielten fortan für „die Spielvereinigung Unterhaching GmbH & Co. KGaA“. Alleinige persönlich haftende Gesellschafterin der Spielvereinigung Unterhaching Fußball GmbH & Co. KGaA ist die Haching Verwaltungs GmbH. Diese stellt den Geschäftsführer und befindet sich zu 100 Prozent im Eigentum des Vereins. So kompliziert ist Fußball heute. Für das Hachinger Modell gibt es durchaus Vorbilder: Borussia Dortmund wagte bereits im Jahr 2000 den Schritt an die Börse. Es wurde ein wilder Ritt. Die BVB-Aktie startete seinerzeit mit einem Einstiegskurs von rund 11 Euro und verlor bis 2009 stetig an Wert bis zu einem Kurstief in Höhe von 82 Cent je Aktie! Doch danach ging es mit dem Kurs wieder bergauf. Derzeit, angefeuert von sportlichem Erfolg und hohen Gewinnen bei Spielertransfers, liegt der Aktienkurs des BVB wieder bei rund 8,60 Euro. Der Aktienhandel im Profifußball kann also durchaus rentabel sein. Alles eine Frage des Timings. Dies zeigt auch der Vergleich mit anderen europäischen Vereinen, die an der Börse notiert sind. Ajax Amsterdam hatte Anfang des Jahres noch einen Kurswert von rund 14 Euro, welcher durch Erfolge in der Champions League bis Anfang Mai zu einem Rekordhoch auf rund 25 Euro explodierte.

Jens Verhey

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