Anwohnerprotest gegen neue Postleitzahl

Aus „85521“ soll „82024“ werden

+
Taufkirchens Bürgermeister Ullrich Sander legt großen Wert darauf, dass Unternehmen auf Taufkirchner Grund – wie die EADS – künftig auch mit der Taufkirchner Postleitzahl firmieren.

Massiver Prostest formiert sich bei den Anwohnern Am Birkengarten, die zwar auf Taufkirchner Grund leben, aber seit Jahrzehnten eine Ottobrunner Postleitzahl haben. Dies soll zum 1. Januar 2016 anders werden. Die Anwohner befürchten nun erhebliche Folgen; Bürgermeister Ullrich Sander widerspricht.

„Das ist doch alles Quatsch“, schimpft HALLO-Leser Mark Marstaller am Telefon. Bislang haben die Anwohner Am Birkengarten die Ottobrunner Postleitzahl 85521, ab dem 1. Januar 2016 sollen sie die Postleitzahl von Taufkirchen 82024 bekommen. Geschuldet ist dies der Lage des Gebietes, das direkt am südlichen Ortseingang von Ottobrunn liegt, aber sich auf Taufkirchner Gemarkung befindet.

Erhebliche Nachteile für die Anwohner

„Diese Änderung hätte für uns erhebliche Nachteile“, so Marstaller. Jeder betroffene Bürger müsse sich nicht nur einen neuen Personalausweis ausstellen lassen, auch müssten Anschreiben, Briefköpfe und behördliche Einträge geändert werden. „Ich bin nicht bereit, die Kosten zu tragen“, ergänzt der erboste Anwohner, der bereits eine Protestliste aufgesetzt hat. Er ist sich sicher, dass alle Anwohner unterschreiben, wenn sie erst die Auswirkungen dieser Änderung für sich begreifen. Vor allem würden laut Marstaller auch junge Familien mit Kindern mit einem erheblichen Mehraufwand zu rechnen haben.

Kindergarten und Kita-Plätze würden nach der postalischen Zugehörigkeit vergeben. Grundschulkinder müssten damit rechnen, nicht mehr wie bislang üblich im nahen Ottobrunn zur Schule gehen zu können, sondern vielmehr im gut sieben Kilometer entfernten Taufkirchen. Über die Gründe dieser Umstellung mutmaßt er, dass sich die Gemeinde Taufkirchen mit Großarbeitgebern wie Airbus und EADS schmücken wolle. Diese befinden sich auf Taufkirchner Grund, müssten aber ebenso wie die betroffenen Anwohner ihre alte Ottobrunner Postleitzahl auf die neue Taufkirchner umstellen.

Deutlicher Widerspruch vom Bürgermeister

Energischer Widerspruch kommt von Taufkirchens Bürgermeister Ullrich Sander: „Ein neuer Personalausweis ist nicht nötig; lediglich ein neues Bapperl mit Siegel.“ Die Kinder könnten weiter dort zur Schule gehen, wo sie auch jetzt hingingen. Daran ändere die Postleitzahl nichts. Dass man seine Adresse ändern müsse, sei kein großer Aufwand. Für den Protest hat der Bürgermeister nur wenig Verständnis, da diese Vorgänge schon seit 2013 liefen und von seiner Vorgängerin Angelika Steidle angestoßen worden seien.

Sein Idealvorschlag wäre für das Gebiet die Postleitzahl von Ottobrunn mit dem Zusatz Taufkirchen gewesen. Die Post habe ein halbes Jahr gebraucht, um dies zu prüfen und dann abzulehnen. Sander legt Wert darauf, dass weltweit renommierte Firmen, die auf Taufkirchner Grund liegen, auch eine entsprechende Adresse hätten. Entsprechend hätte sich nur als Beispiel auch EADS-Chef Tom Enders beim Spatenstich für den künftigen gemeinsamen „Erlebnispark“ mit Jochen Schweizer – ebenfalls auf Taufkirchner Grund – geäußert. Auch die Bundeswehruni unterhalte eine eigene Fakultät auf dem dortigen Technik- und Innovationspark. Das Probleme gehe letztlich auf die alte Schmiede von MBB zurück, die tatsächlich in Ottobrunn gelegen habe.

In einer Presseerklärung der Gemeinde heißt es zudem: Die Anpassung der postalischen Adresse sei ein Meilenstein in der Zuordnung des Standorts. Aber auch für die betroffenen Anlieger bestehe ein Mehrwert: Missverständnisse würden vermieden, die Routenfindung in den gängigen Navigationssytemen werde vereinheitlicht.

Die Gemeinde Taufkirchen bittet daher, ab 1. Januar 2016 die neue Adressbezeichnung zu verwenden, das heißt die bisherige Straßenbezeichnung und – sofern bereits zugeteilt – die Hausnummer nun mit der Postleitzahl und Ortsbezeichnung 82024 Taufkirchen.Die Deutsche Post erinnert zudem die von der Änderung betroffenen Bürger, ihre Korrespondenzpartner rechtzeitig die neue Postanschrift mitzuteilen sowie eigene Adressunterlagen anzupassen. Dies gelte auch für Postfachkunden in Ottobrunn hinsichtlich der neuen Hausanschrift Taufkirchen (die Postanschrift für Briefsendungen bleibt unverändert).

Die Deutsche Post AG werde sicherstellen, dass für eine Übergangszeit von drei Monaten eine zuverlässige Postzustellung für Sendungen mit alter Anschrift gewährleistet sei. Sollte es wider Erwarten Probleme geben, steht der Kundenservice der Deutschen Post unter der Telefon 02284-4333112 den Privatkunden und unter 08180-6555555 den Geschäftskunden zur Verfügung. Die vereinzelt geäußerte Befürchtung, nicht zugestelltes Postgut müsse in der Filiale in Taufkirchen abgeholt werden, könne durch die Entscheidung für eine „Wunschfiliale“ (www.dhl.de/paket/paket/pakete-empfangen/postfiliale-direkt.html) ausgeräumt werden.

Für Rückfragen hierzu oder auch konkrete Hilfestellungen seien die Kollegen der Post wie auch das Taufkirchner Rathaus gerne behilflich.

Bodo-Klaus Eidmann

Auch interessant:

Meistgelesen

Taufkirchen: Renovierung des Bahnhofsgebäudes
Taufkirchen: Renovierung des Bahnhofsgebäudes

Kommentare