Jede Straftat ist eine zu viel!

Polizist Stefan Schraut zieht bei Unterhachinger Bürgerversammlung Bilanz

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Unterhachings Polizeihauptkommissar Stefan Schraut informierte die Bürger über die Polizeiarbeit im vergangenen Jahr.

Die Bilanz 2016 zeigt: In Unterhaching gab es mehr Einsätze und Straftaten als im Jahr zuvor. Dies hänge aber nicht mit dem Zuwachs an Asylbewerbern zusammen, betonte Polizeichef Stefan Schraut bei der jüngsten Bürgerversammlung im Kubiz.

In Unterhaching gab es im Jahr 2016 40 Prozent mehr Einsätze als im Jahr zuvor: 2414 Mal mussten die Beamten Schraut zufolge ausrücken. Auch die Straftaten seien um 215 auf 973 Delikte angestiegen, beklagte der Unterhachinger Polizeichef bei der Bürgerversammlung im Kubiz. „Jede Straftat ist eine zu viel“, betonte er.

Angestiegen seien sowohl die Diebstähle als auch die Körperverletzungsdelikte. Auch habe es zahlreiche Streitereien innerhalb der Asylbewerbereinrichtungen gegeben. Allerdings sei das verständlich, fand der Polizeichef. Schließlich seien die Menschen in den Traglufthallen wochen- oder gar monatelang auf engstem Raum zusammengepfercht gewesen. „Die Menschen müssen einfach vernünftig in kleinere Gruppen verteilt werden, was im Moment auch zunehmend versucht wird“, so Schraut.

Auch der Anstieg der Wohnungseinbrüche habe nichts mit den Asylbewerbern zu tun: „Es handelt sich vielmehr um organisierte Banden“, erklärte Schraut. Hier setze die Polizei vor allem auf Präventionsarbeit. Das heiße: Beamte gingen von Tür zu Tür, um die Bürger aufzuklären. Wichtig sei es, die Leute über die Banden und ihre Strategien zu informieren sowie Tipps zu geben, wie sich Bürger selbst schützen können.

Der neueste „Trend“ unter den Trickbetrügern sei derzeit der „falsche Polizeibeamte“, so Schraut. Dabei bekämen die Opfer Anrufe, die die Vorwahlen des Ortes sowie die Nummer der Polizei anzeigen würden. In Wirklichkeit kämen diese Anrufe aber überwiegend aus der Türkei. Wenn die Opfer ans Telefon gehen, würden die Betrüger angeben, es handle sich um polizeiliche Ermittlungen. In diesem Zuge, fragen sie dann nach Wertgegenständen im Haus. „Die echte Polizei würde aber niemals nach Wertgegenständen in Ihrem Haus fragen“, warnte Stefan Schraut die Bürger. Gerade dieser neuste Trick sei besonders ärgerlich für die Polizei. „Dadurch wird das Vertrauen, das die Bürger in uns haben, zerstört“, beklagte er. Darum riet Schraut, wenn auch mit einem Augenzwinkern: „Bei getürkten Anrufen, am besten sofort auflegen!“

Doch der Polizeichef hatte auch gute Nachrichten im Gepäck: Der jahrelang von Betrügern betriebene Enkeltrick ist Schraut zufolge „tot“. Zudem sei die Zahl der Verkehrsunfälle gesunken. 440 Unfälle – das sind 39 weniger als im Vorjahr – habe seine Dienststelle gezählt. Zudem habe es im Jahr 2016 keinen Schulwegunfall und keinen Verkehrs- toten zu beklagen gegeben.

Abschließend verwies Schraut noch auf die sieben ehrenamtlichen Helfer der Unterhachinger Polizei. „Die Sicherheitswacht leistet eine wichtige Ergänzung zur regulären Polizeiarbeit“, sagte er. Leider würde dies von den Bürger nicht geschätzt. Häufig würden die Helfer gar als Wichtigtuer abgestempelt. „Das ist nicht richtig“, betonte der Polizeichef. „Sie leisten eine ehrenamtliche Arbeit für ihren Ort!“

Darum riet Schraut auch zu mehr Vertrauen in die Helfer: „Sicherheit ist ein Grundbedürfnis des Menschen“, zitierte er den berühmten Psychologen Abraham Maslow. „Diese Menschen sorgen dafür, dass Ihr Ort sicherer wird. Darum reden Sie ruhig mit einem Helfer, falls Sie einem begegnen“, riet Schraut den Unterhachinger Bürgern. Erkennen können die Bürger die Hilfspolizisten an deren Jacken, auf denen die Aufschrift „Sicherheitswacht“ zu lesen ist. Für die Zukunft wünscht sich Schraut, dass die Unterhachinger bald Vertrauen zu diesen Helfern aufbauen und „dass Sicherheit und Ehrenamt irgendwann in einem Atemzug genannt werden können“.

Lydia Wünsch

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