Trost und Mut in einer ungewissen Zeit

Oberhachingerin hat einen Corona-Song geschrieben

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Regina Wehrenfennig will Corona-Infizierten Mut machen.

Oberhaching – Raucher, Patienten mit Vorerkrankungen und ältere Menschen zählen zur Risikogruppe in Bezug auf schwere Verläufe bei einer Infektion mit dem Corona-Virus. Regina Wehrenfennig ist 66 Jahre alt, gehört also zur Risikogruppe und infizierte sich mit dem Virus. Der Verlauf ihrer Krankheit machte ihr Angst, vor allem, weil die Infektion lange unerkannt blieb. Bis es ihr immer schlechter und schlechter ging. 

„Am Montag bin ich noch in die Arbeit gegangen, musste aber sehr intensiv atmen. Absichtlich habe ich nichts angefasst und wurde nach fünf Minuten direkt wieder nach Hause geschickt, worüber ich ehrlich gesagt auch sehr froh war.“ Wehrenfennig wusste, es stimmt etwas nicht mit ihr. Wenige Tage zuvor war sie auf einer Geburtstagsfeier. Hingegangen ist sie, weil das Geburtstagskind sehr traurig über die vielen Absagen war und sie das Virus zum damaligen Zeitpunkt noch nicht so ernst genommen hat: „Ich habe mir gesagt, ‚Mein Gott, ich habe schon so viele Krankheiten durch‘. Ich komme vom Land, da habe ich als Kind viel Dreck gegessen.“ 

Die 66-Jährige dachte, sie sei stabil und abgehärtet. Doch dem war nicht so. Wenig später raste ihr Puls, das Herz schlug enorm und die Atemnot wurde schlimmer. Das erzählte sie ihren Freunden, denen es, wie sie rasch erfuhr, auch schlecht ging. „Freunde aus Thüringen haben sich gleich testen lassen. Dort ging das wesentlich schneller als hier in Bayern. Sie waren positiv. Nicht alle haben sich auf der Geburtstagsfeier angesteckt, aber manche. Deshalb ist meine starke Vermutung, dass ich mich ebenfalls dort infiziert habe.“ 

Wehrenfennig vereinbarte nach Nächten der Angst, in denen sie kaum Luft bekam und starkes Herzrasen hatte, einen Termin beim Hausarzt. Die Lunge und das Herz wurden abgehört. Das Ergebnis: Alles in Ordnung. Da sie keinerlei „typische“ Symp- tome hatte, wurde sie wieder nach Hause geschickt. Über die Tage hinweg rief sie mehrfach den Rettungsdienst, doch auch hier kam nicht der Verdacht auf das Corona-Virus auf.

Erst nach vielen Tagen kam der Corona-Test 

„Es ging mir so schlecht, dass es mühselig war aufzustehen, mir einen Tee oder eine Wärmflasche zu machen. Oder überhaupt auf die Toilette zu gehen.“ Wehrenfennigs Atemprobleme wurden schlimmer. „Irgendwie habe ich die Nacht durchgestanden.“ Die Alleinlebende hatte Angst. Ihre Nachbarin, die sie um Punkt acht Uhr morgens anrief, riet ihr dazu, nochmals den Rettungsdienst zu rufen. Dieses Mal war ein Arzt dabei, der anordnete, dass die 66-Jährige ins Krankenhaus müsse. Bevor sie in die Klinik eingeliefert werden konnte, musste die geschwächte Frau durch den Checkpoint am Eingang des Krankenhauses. 

Dort wurde sie zum ersten Mal auf das Virus getestet. Knapp eine Woche nachdem sie sich ihrer Vermutung nach infiziert hatte. „Abends habe ich dann das Ergebnis bekommen“, erzählt Regina Wehrenfennig. Nachdem sie aus der Klinik entlassen wurde galt es, die Quarantäne einzuhalten. Das fiel ihr nicht schwer: „Ich kann mich immer beschäftigen und habe mich deshalb auch nicht eingesperrt gefühlt, sondern war froh, dass ich meine Ruhe hatte und viel im Bett lag.“ Wehrenfennig nutzte die Zeit, um kreativ zu werden – und dabei entstand auch ihr Corona-Song, den sie allen Betroffenen widmet. Er soll Trost und Mut spenden. 

Der Oberhachingerin ging das Lied-Schreiben leicht von der Hand. „Zuerst war die Melodie da. Mein Lied basiert auf dem Song Marina.“ Wehrenfennig schoss die Melodie in den Kopf, wobei sie merkte, dass ihre kreative Eingebung nicht identisch mit dem bereits existierenden Song ist. „Das ist im Hinblick auf das Urheberrecht wichtig.“ Weiter sagt sie: „Als die Melodie klar war, kamen die Sätze. Ich habe mich gleich hingesetzt und das aufgeschrieben, was mir in den Sinn kam.“ 

Nach zwei Tagen war das Lied fertig. „Das geht bei mir schnell – wenn ich bereit bin.“ Und sie gibt zu: „Ich habe nämlich keine Geduld. Meistens sehe ich irgendwas und kriege dann eine Inspiration. Wenn sich das dann vertieft, dann setze ich es auch um“, so die Liedschreiberin. Das Aufnehmen benötigte schon etwas mehr Zeit. Das lag zum einen an den technischen Herausforderungen, denen Wehrenfennig sich stellen musste. Nun aber hat sie es geschafft: Ihr Video ist fertig! 

Doch sie plant schon wieder weiter: „Ich will in die Influencer-Richtung gehen“, verkündet sie stolz. „Jüngere Leute machen das ja auch und ich möchte es auch ausprobieren. Eine Altersbegrenzung gibt es dafür ja nicht“. Wehrenfennig geht gestärkt aus ihrer Erkrankung heraus und mit einer Menge neuer Ideen und Inspirationen. 

Den Corona-Song in voller Länge gibt es unter https://www.youtube.com/watch?v=JEDFT2O3gtk

Melanie Schröpfer

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