Von der Staatsoper zur Innenhofmusik

Oberhachinger will mit guter Musik für gute Laune sorgen

In Bernhard Emmerlings Brust schlagen zwei Herzen: Die Liebe zur Klassischen-, aber auch zur Rockmusik.
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In Bernhard Emmerlings Brust schlagen zwei Herzen: Die Liebe zur Klassischen-, aber auch zur Rockmusik.

Oberhaching – Jeden Sonntag um 18 Uhr ertönt nicht nur das Kirchenleuten in Oberhaching, sondern auch ein Chor, bestehend aus einer Nachbarschaftsgemeinschaft. Initiator ist Bernhard Emmerling, der auf eine spannende Geschichte zurückblickt.

Bernhard Emmerling ist ein pensionierter Berufsmusiker. Über 30 Jahre war er Mitglied des Bayerischen Staatsorchesters. Doch galt seine Liebe nicht ausschließlich der klassischen Musik. Vielmehr war es die Rockmusik, die ihn beflügelte und es noch immer tut. Daran will er auch seine Nachbarschaftsgemeinschaft teilhaben lassen und tritt jeden Sonntag um 18 Uhr in den Innenhof, um zum gemeinsamen Singen und Musizieren einzuladen. Dafür hat er die Texte zweier Lieder umgeschrieben und die Ausdrucke in der Nachbarschaft verteilt, so dass jeder, der möchte, mitsingen kann.

Eine Gemeinschaft, die Corona trotzt 

„Wir leben hier in einer Oberhachinger Siedlung, die einen sehr großen Innenhof mit Brunnen beinhaltet. So kann jeder mitsingen und muss dafür einfach nur aus dem Haus treten. So wie auf einem Balkon, nur ebenerdig“, erzählt Bernhard Emmerling. Mittlerweile habe diese wöchentliche Zusammenkunft großen Anklang gefunden und das auch bei Leuten, die nicht in der Nachbarschaft leben. 

„Der Innenhof ist ja groß genug und natürlich halten wir alle mindestens anderthalb bis zwei Meter Abstand.“ Unter Bernhard Emmerlings Leitung und dem Zuspiel von zwei weiteren Nachbarn (einer, der bei den Münchner Symphonikern Cello spielt, und eine Frau, die hobbymäßig Gitarre spielt) wird gemeinsam musiziert. „Mittlerweile haben wir auch Songs, die wir auch einfach so darbieten, ohne dass die Leute mitmachen müssen. Einfach nur zum Zuhören.“ Der Schluss sei aber immer der gleiche: Ein umgedichteter Corona-Song und der Nabucco-Gefangenenchor.

Alle singen mit – sogar die Älteren 

Bei diesen beiden Liedern würden immer alle mitsingen. „Sogar die älteren Leute kommen mittlerweile raus und singen mit.“ Daneben tauchen aber auch Songs von Max Raabe auf. Die Bandbreite gehe bis hin zu Pink Floyd. Emmerlings Liebe zur Musik findet seinen Ursprung in seiner Kindheit. Schon mit fünf Jahren hat er begonnen, Klavier zu spielen. 

„Ich hatte eine tolle Klavierlehrerin, die hat mir sogar kostenlosen Unterricht gegeben.“ Als Emmerling etwas älter wurde, hat seine Klavierlehrerin ihn mit in Theateraufführungen und diverse Opern genommen. „Als ich acht oder zehn Jahre alt war, wusste ich, dass das einmal der Beruf sein wird, den ich ausüben möchte.“ 

In seiner Jugend dann war er – wie viele andere Jungen damals auch – hell begeistert von den Beatles, den Rolling Stones und wie er ergänzt: „Natürlich später auch von Jimi Hendrix“. Emmerling studierte Musik und „weil ich ja eben diese Musiktheoretische Ausbildung hatte, konnte ich dann den anderen immer ein paar Griffe auf den unterschiedlichen Instrumenten beibringen, damit wir so in einer Band spielen konnten.“ Er fügt amüsiert hinzu: „Jeder wollte in einer Band spielen. Aber die meisten konnten ja nix“, erzählt er lachend.

Emmerling selbst konzentrierte sich auf die Gitarre, doch musste er seine Liebe zur Rockmusik damals an der Musikhochschule leugnen. „Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Das war so konservativ früher. In einer Musikhochschule konnte man nicht sagen, dass man Rockmusik mag. Das war verpönt.“ Wie sehr, zeigt sich in einer Anekdote: Emmerling, hatte früher einen bunt bemalten VW-Bus, den er extra drei Straßen weiter parkte, um nicht gesehen zu werden. 

„Meine Eltern, ich meine, damals hätte man nie damit rechnen können, dass man mit Rockmusik jemals Geld verdienen könnte, waren entsetzt. Nach dem Motto ‚Du musst natürlich jetzt Klassik studieren.‘ Und das hat irgendwie erstaunlicherweise doch besser geklappt als ich gedacht habe.“ Allen voran hat das geklappt, weil Emmerling sich auch in der Klassik sehr wohlfühlte, sein Herz auch für diese Musikrichtung schlug. „Es ist natürlich ein sehr schöner Beruf, wenn man in einem Orchester spielen kann. Aber auch sehr aufwändig und anstrengend. Man muss immer üben, üben, üben.“

Er beherrscht das seltene Instrument „Heckelphon“

Deshalb, weil er in der Musik seine Leidenschaft fand, studierte Emmerling Oboe an der Musikhochschule Köln. „Nebenbei habe ich aber immer Gitarre gespielt. Aber irgendwann war das dann vorbei.“ Emmerling wirkt nachdenklich. „Ja, es hatte keine Zukunft für mich mit der Rockmusik“. Also bemühte er sich nach dem Studium, in ein Orchester zu kommen. Erst spielte er in Düsseldorf, dann in Köln und schließlich in München im Staatsorchester. 

Neben der Oboe spielt Bernhard Emmerling aber auch das Heckelphon. Ein seltenes Instrument, das kaum jemand kennt. Alle seien immer sehr neugierig, wenn es zum Einsatz kommt. Emmerling erklärt: „Das ist quasi eine Bass-Oboe. Die hatte Richard Strauss für seine Opern Salome und Elektra konzipiert“. Weiter sagt er: „Weil ich nun selbst so ein Instrument habe, setze ich es auch zu anderen Zwecken ein. An Weihnachten zum Beispiel spiele ich auf dem Heckelphon – und jemand anderes spielt dazu Akkordeon.“. Er lacht: „Das hat es in der Musikgeschichte wahrscheinlich auch noch nie gegeben.“

Klassik, Rock und ein Innenhof 

Das Heckelphon, die Oboe und die Rockgitarre begleiteten Emmerling sein Leben lang. Und jetzt, vor ungefähr fünf oder sechs Jahren, also drei Jahre vor der Rente, kam ihm dann die Idee: Durch seine Freude am Gitarre spielen und der technischen Möglichkeiten stellte Emmerling sich seine eigene Band zusammen. 

Er singt und spielt Gitarre und seine Jukebox begleitet ihn dabei. „Das ist glaube ich ein bisschen seltsam. Ich liebe Musik. Aber gute Musik muss es sein“. Nun tritt Emmerling auf Hochzeiten und Festen als one-man-band auf. „Die Liebe zur Rock-Musik hat sich also vor ein paar Jahren wieder gemeldet – oder ich sag jetzt mal, das, was ich damals ‚verpasst‘ habe“, sagt Emmerling. 

„Aber ich wollte eben auch schon immer in einem Orchester spielen. Und das habe ich dann auch durchgezogen. Was anderes als die Musik hat mich auch nicht interessiert. Dass das dann so gut funktioniert hat, war natürlich unglaublich. Und das war ein Riesenglück.“ Nun ist Emmerling in Rente. „Die Staatsoper ist jetzt nicht mehr mein Ding, aber dafür die Rockmusik. 

Das ist natürlich für einen Musiker, der hauptberuflich Klassik spielte, ungewöhnlich, aber die Rockmusik macht einfach Riesenspaß.“ In Emmerlings Brust schlagen spürbar zwei Herzen. Von der Klassik zum Rock. Und zusammen kommt alles in den Innenhofkonzerten. „Also es gibt eine Menge zu tun“, sagt er lachend. „Wenn Corona vorbei ist, wollen wir ein offizielleres Konzert geben. Dabei wollen wir nochmal alle Lieder spielen, die wir bis dahin jeden Sonntag gespielt haben.“

Melanie Schröpfer

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