„Wir können nicht die ganze Welt retten, aber die des Pferdes, dem wir helfen“

Oberhachinger Verein „Voice of the Soul“ setzt sich für arme, kranke Pferde in Ägypten ein

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Die Oberhachingerin Helga Fröschl-Augart (Mitte) engagiert sich mit dem Verein „Voice of the Soul“ für arme, kranke und verletzte Pferde in Ägypten. Sie und ihr Team päppeln die Tiere in so weit auf, dass sie zu ihren Besitzern zurück kehren oder weiter vermittelt werden können.

Gequälten und kranken Pferden in Ägypten zu helfen und ihnen eine Stimme zu geben — das hat sich der Oberhachinger Verein „Voice of the Soul“ zur Aufgabe gemacht. Wie die Arbeit der Ehrenamtlichen vor Ort aussieht und wie jeder helfen kann, berichtet die Gründerin Helga Fröschl-Augart.

In besonders desolatem Zustand kam die kleine Fuchsstute Conny beim Verein an. Dort bekam sie ausreichend Futter und medizinische Betreuung. Heute geht es ihr wieder gut, sie wird in den Stallungen des Vereins in Kairo bleiben.

Man konnte jede einzelne Rippe sehen, so abgemagert war Conny. Ihr Widerrist stand hervor, genauso ihre Wirbelsäule und Beckenknochen. Die Sattellage der kleinen Fuchsstute war wund, offen und entzündet, an ihrem Bauch klaffte ein faustgroßes Loch. Fliegen krabbelten um die große Wunde herum. Kurzum, die Stute war in einem sehr, sehr desolaten Zustand. „Ich glaube, Conny war einer unserer schlimmsten Fälle“, erinnert sich Helga Fröschl-Augart. Die Oberhachingerin ist Gründerin des Vereins „Voice of the Soul“ und hat es sich zur Aufgabe gemacht, verletzten, kranken und halb verhungerten Pferden in Ägypten zu helfen. Conny konnten die Helfer vor Ort aufpäppeln und heilen. „Trotz ihres Schicksals hat sie die Liebe und das Vertrauen in die Menschen um sie herum nicht verloren. Ein tolles Pferd“, sagt Fröschl-Augart. „Dennoch werde ich nie vergessen, wie schlimm ihr Zustand war, als sie zu uns kam.“

Mit „zu uns kam“ meint die Oberhachingerin einen Stall in Kairo. Dort hat der Verein zehn Boxen angemietet sowie einen Tierarzt engagiert, der sich um die verletzten Pferde kümmert.

Mit Alina fing alles an. Die Schimmelstute erfreut sich dank Fröschl-Augart und ihrem Team heute bester Gesundheit.

Angefangen hatte alles mit einem Urlaub. Eigentlich wollte Fröschl-Augart im Mai vor vier Jahren nach Chile, aber da war gerade Winter und so hat es sie kurzerhand nach Ägypten verschlagen. Eine Fahrt auf dem Nil und Besuch der Pyramiden standen auf dem Programm. In Edfu nahm das Schicksal seinen Lauf. Fröschl-Augart traf auf Alina. „Die Araberstute sollte uns mit der Kutsche zum Tempel bringen“, erinnert sie sich. „Sie war völlig verhungert und abgemagert.“ Das Schicksal der Stute ging der Oberhachingerin nicht mehr aus dem Kopf. „Schließlich habe ich sie gekauft, sie wurde unser erstes Pferd in Ägypten.“ Den Verein gibt es inzwischen seit eineinhalb Jahren. Zu den zehn Boxen in Kairo, haben Fröschl-Augart und ihr Team nun auch eine Halle in Matrouh angemietet, in die sie weitere Boxen gebaut haben. „Mein Mann ist Ägypter, lebt dort und kümmert sich um die Anlaufstelle in Matrouh“, erklärt Fröschl-Augart. „Wir haben super ehrenamtliche Teams vor Ort, ohne die das Ganze nicht möglich wäre!“ Ziel des Vereins ist es, die Pferde aufzupäppeln, medizinisch zu versorgen und dann entweder an ihre Besitzer zurück zu geben oder einen besseren Platz für sie vor Ort zu finden. „Nur in seltenen Fällen bleiben die Pferde dauerhaft bei uns“, erklärt Fröschl-Augart. Der Fuchswallach Eddi ist so ein Fall. „Er kam abgemagert, mit offenen Wunden und einer gebrochenen Schulter zu uns.“ Zwar habe er sich erholt, könne aber mit der Schulter nicht mehr als Arbeitstier eingesetzt werden. „Und das ist für die meisten Ägypter essentiell, das Arbeitstier Pferd ist ihr Lebensunterhalt.“ Grundsätzlich gebe es, so Fröschl-Augart, drei Arten von Pferdebesitzern dort. Einerseits diejenigen, die so arm sind, dass sie weder ihre Kinder noch Pferde richtig ernähren können. „Da helfen wir mit Futterspenden und kostenlosen medizinischen Behandlungen.“ Des Weiteren sei da die Gruppe, die es einfach nicht besser wisse. „In Ägypten haben viele Pferdehalter bisher keinerlei Schulung oder Unterweisung in artgerechter Pferdehaltung erhalten und besitzen wenig Wissen über ihre Bedürfnisse.“ In diesem Fall leistet der Verein Aufklärungsarbeit. Die dritte — leider auch vorhandene Gruppe — sind einfach „schlechte Menschen“, so Fröschl-Augart. „Die behandeln die Pferde bewusst schlecht, ein Tier zählt in ihren Augen nichts.“ In diesem Fall bleibt den Helfern nur, das Pferd so gut sie können medizinisch zu versorgen und aufzupäppeln. „Gott sei Dank ist das eher die Seltenheit!“ Die meisten Menschen seien sehr dankbar.

Bis zu 100 Pferde täglich versorgen die Mitglieder des Vereins. „Vor allem in Seuchenzeiten, rennen die Besitzer uns die Türen ein“, berichtet Fröschl-Augart. Um weiterhin möglichst vielen Tieren helfen zu können und sich die Medikamente leisten zu können, ist der Verein auf Spenden angewiesen (siehe Kasten). „Unser größter Traum wäre natürlich, einen Sponsor zu finden“, sagt Fröschl-Augart. Bis dahin freut sich der Verein über jede finanzielle Unterstützung, damit noch möglichst vielen armen, kranken Pferden geholfen werden kann. „Wir wissen, wir können nicht die Welt retten, aber retten wir ein Pferd, so retten wir seine Welt!“

Tanja Buchka

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