Damit Zuhause Heimat wird

Oberhachinger Verein bietet Chance für Mieter und Vermieter 

Vorstand „FAIRMIETEN Oberhaching“.
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Die Vorstandschaft des Vereins „FAIRMIETEN Oberhaching“, von links nach rechts: Sizar Haj Edress, Susanne Kirchner, Nina Hartmann und Benno Gröniger.

„Ohne Heimat sein heißt leiden“ - Nina Hartmann gründete im November diesen Jahres mit sechs weiteren Engagierten, darunter auch Bürgermeister Stefan Schelle, den Verein „FAIRMIETEN Oberhaching e.V.“ Eine Lösung für Mieter, die es nicht leicht im Leben haben eine Bleibe zu finden, und für Vermieter eine Gelegenheit, ohne Risiko etwas Gutes zu tun.

Oberhaching - „Ohne Heimat sein heißt leiden“, ein Zitat von einem der bedeutendsten russischen Schriftsteller, Fjodor Dostojewski. Doch ist es in und um eine Stadt wie München herum schwer, überhaupt eine Heimat zu finden – einen Ort, an dem man bleiben kann; eine Bleibe im vollen Wortsinne. Der Gürtel um den Wohnungsmarkt herum ist so eng geschnallt, dass er einem beinahe den Atem raubt.

Sieben Engagierte, darunter auch Bürgermeister Stefan Schelle, riefen deshalb im November ein Zwischenmiet-Konzept ins Leben und gründeten den Verein „FAIRMIETEN Oberhaching“. Eine Hilfe, die dringend nötig ist. Denn: Ein einschlägiges Internetportal gibt Einblick in die derzeitige Angebotslage in Oberhaching: Insgesamt fünf Wohnungsinserate. Eine Handvoll Wohnungen, die zur Vermietung stehen; aber dutzende Menschen, die sich nach einem Zuhause sehnen.

In München liegt die Leerstandsquote laut Statistik aus dem Jahr 2018 bei etwa 0,2 Prozent. Und auch im Landkreis, beziehungsweise konkret in Oberhaching, könnte es einige Wohnungen geben, die nicht vermietet werden. Nina Hartmann, dritte Bürgermeisterin der Gemeinde Oberhaching sowie Gründungs- und Vorstandsmitglied von „FAIRMIETEN“ sagt: „Wir wollen auch den schlafenden Wohnungsmarkt ansprechen, Eigentümer, die sich bisher nicht an das Vermieten herangetraut haben.“

„FAIRMIETEN Oberhaching“, soll eine Win-Win-Situation für Vermieter und hilfsbedürftige Mieter sein. Und ein Zeichen für Integration. Hartmann, die seit fünf Jahren in der Integrationsberatung arbeitet, weiß: „Wohnen ist DAS Thema im Moment.“ Das Konzept des Vereins sieht folgendes vor: Der Verein mietet Wohnungen von Eigentümern an und vermietet diese dann an Hilfsbedürftige. Damit stellt der Verein also einen Vermittler zwischen Mieter und Vermieter dar. So ist der sichere Mieteingang gewährleistet, denn Miete und Kaution werden von dem Verein an den Vermieter bezahlt.

Der Verein tritt für diejenigen ein, die es auf dem Wohnungsmarkt besonders schwer haben, sich gegen Großverdiener durchzusetzen: Alleinerziehende, Geringverdiener oder Geflüchtete. „In Oberhaching ist es eigentlich so, dass die meisten Geflüchteten arbeiten. Das heißt, sie können ihre Wohnung selbst bezahlen. Es ist aber auch so, dass, wenn man kein Anwalt oder Arzt ist, man dann doch schlechtere Karten hat“, so Hartmann. Manche Vermieter gehen gerne auf Nummer sicher und entscheiden sich eher gegen Menschen, die beispielsweise Leistungen vom Jobcenter beziehen, oder ein geringeres Einkommen haben. Und dafür hat Hartmann auch Verständnis. Die Grüne Gemeinderätin erklärt, dass drei der vier Vorstandsmitglieder selbst in der Position der Vermieter stecken.

Sie wissen also aus eigener Erfahrung um die Sorgen, die bei der Vermietung einer Immobilie aufkommen können. Benno Gröniger, Vorstand und Kassierer des Vereins, hebt hervor: „Der Clou daran ist, dass die Vermieter überhaupt kein Risiko haben. Wir haften für den pünktlichen Mieteingang, zahlen die Kaution, übernehmen alle durch die Mietparteien möglicherweise verursachten Schäden. Und sollte der Vermieter das Mietverhältnis beenden wollen, kann er dies ohne die Kündigungsvorschriften beachten zu müssen.“ Dies ist darin begründet, dass der Verein als privater Träger der Wohlfahrtspflege als Mieter mit dem Eigentümer einen gewerblichen Mietvertrag abschließen kann.

Die Idee der Zwischenvermietung ist bereits seit einigen Jahren in München erprobt, denn der Verein „Münchner Freiwillige – Wir helfen“ bietet eben dieses Zwischenmiet-Konzept erfolgreich an. In den letzten fünf Jahren konnte der Münchner Verein 50 Wohnungen in München an- und vermieten. „FARIMIETEN Oberhaching“ kooperiert mit dem Münchner Verein. „Wir sind überzeugt, dass wir mit unserem Verein einen positiven Beitrag zu einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe leisten können. Wir glauben, dass es in Oberhaching Vermieter gibt, die sich sozial engagieren möchten. Mit uns können sie das risikolos tun“, so Nina Hartmann. Susanne Kirchner, ebenfalls im Vorstand engagiert und Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit in Oberhaching, sagt: „Wir bieten ein ‚Rundum-Sorglos-Paket‘ für Vermieter und solche, die sich bisher nicht an das Vermieten herangewagt haben.“

Zudem bringen alle ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder fundierte und vielfältige Berufserfahrung mit. Sie verfügen über ein großes Netzwerk zu relevanten Stellen und kennen die Bedürfnisse von Vermietern und Mietern in Oberhaching.

Das Konzept stellt also nicht nur einen Vorteil für Hilfesuchende dar, sondern auch für Vermieter, denn unter anderem wird Wert darauf gelegt, dass die Wohnungsinteressenten in ein Patenprojekt eingebunden sind. So stellt der Verein sicher, dass die Mieter über Ruhezeiten, Mülltrennung oder regelmäßiges Lüften informiert sind. Auch stehen der Verein und die Paten als Vermittler jederzeit zur Verfügung.

„Mit den Patenschaften haben wir in den letzten Jahren sehr gute Erfahrungen gemacht. Es hat sich gezeigt: Wenn man eine Person an seiner Seite hat, die einem am Anfang hilft, ist es schon sehr sinnvoll. Wie auch bei jedem, der seine Mama oder seinen Papa im Rücken hat. Oder den Bruder, der hilft, die Küche einzubauen. Das ist einfach total hilfreich. Die meisten Geflüchteten sind ja komplett ohne Familie hier und haben dieses Netzwerk nicht“, erklärt Nina Hartmann.

Sizar Haj Edress, ebenfalls Vorstandsmitglied und 2016 selbst aus Syrien geflohen, sagt: „Unsere Priorität ist im Moment, dass sich Vermieter von unserem Angebot angesprochen fühlen. Jeder kann uns kontaktieren und wir nehmen uns Zeit, den passenden Mieter zu finden.“

Der Verein finanziert sich über Spenden, Mitgliedsbeiträge und eine kleine kostendeckende Umlage auf die Mieten. „Ohne Heimat sein heißt leiden“. Mit dem Verein „FAIRMIETEN“ finden Suchende hoffentlich bald ein Zuhause und damit eine Möglichkeit, in Oberhaching zu bleiben.

Melanie Schröpfer

Weitere Informationen, Beratung und einen Mitgliedsantrag gibt es bei Susanne Kirchner unterFAIRMIETEN.Oberhaching@gmail.com

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