Zeit, Aufbau und Verfall im Fluss des Lebens

Das Gymnasium Oberhaching geht mit einer Ausstellung der besonderen Art an den Start

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Die Abiturienten des Oberhachinger Gymnasiums stellen alleine eine Kunstausstellung auf die Beine.

Oberhaching – Acht Monate lang ließen sich die Schüler des Oberhachinger Gymnasiums von dem kreativen Fluss mitreißen Unter dem Motto „Panta rhei – Alles fließt“ startet ihre Ausstellung nun demnächst im Rathaus. Kunst ist die wohl stärkste Art, seinen Wesenskern für andere sichtbar zu machen. Das Ergebnis dieser Ausdrucksform stellt das Kunst-Additum des Gymnasiums Oberhaching im Rathaus zur Schau. Seit Mai vergangenen Jahres beschäftigen sich die Abiturienten mit dem Thema „Panta rhei – Alles fließt“. Margit Wunderle, Kunstlehrerin und Leiterin des Additums, schlug das Thema vor, bezog ihre Schüler aber mit ein. 

Angenommen wurde es direkt mit Begeisterung, weil „man damit in jegliche Richtung gehen und sich selbst verwirklichen kann“, sagt Schülerin Anna Breitfelder. Auch Paul Zwirner meint: „Kunst bedeutet Selbstverwirklichung und die Möglichkeit den kreativen Prozess durchzumachen.“ Da dieser Prozess oft sehr langwierig ist, säte Wunderle die Themenauswahl früh. Über die Sommerferien sollte die Idee reifen, „aber das haben sie natürlich nicht so hinbekommen – man braucht immer den Druck“, sagt Wunderle mit einem Lächeln. Vor allem aber schlug Margit Wunderle das Thema vor, weil sie sah, in was für einem Umbruch sich die Schüler bewegten. 

Im Grunde habe jeder in diesem weitschichtigen Thema sein eigenes Arbeitsfeld aufgespannt. „Das ist eine ganz große Leistung, neben dem Klausurendruck“, sagte Wunderle stolz. Panta rhei. Ein Satz des griechischen Philosophen Heraklit von Ephesos, der beschreibt, dass sich alles im steten Wandel befindet. Für die Schüler stehe diese Formel einerseits für das Alte, die Umbrüche, „aber auch für unsere Zeit, in der wir uns gerade befinden“, erklärt Wunderle. Das fanden auch die Abiturienten, die sich dem Themenfeld mit Begeisterung annahmen.

„Wenn man sich ein bisschen länger darauf einlässt, kommt man darauf, welche Begrifflichkeiten mit Panta rhei noch in Verbindung stehen: die Zeit, der Aufbau und der Verfall...“, erklärt Paul Zwirner, der gemeinsam mit Tom Blamberger ein Team bildet. Die beiden Jungs bauten eine gigantische Welle aus Draht und Müll, die aufgreifen soll, was Wasser ist: Ein Lebenselixier. Und die Frage, wie mit Ressourcen umgegangen wird. Drei Tage lang haben sie in ihrer Freizeit in der Garage von Toms Großmutter an dem Gerüst gebaut. Dann haben sie die Skulptur auf Rollbrettern durch den Ort geschoben. 

Die Arbeit und die Muße, die die Schüler in ihre Ideen steckten, entwickelten sich zu Projekten, die Projekte zu Werken. Bei diesen Werken geht es um die Entwicklung des Menschen, die Einflüsse und Eindrücke, die ihn formen. Aber auch darum, dass Zufälle sich weiterentwickeln. Dargestellt wird das durch Experimente mit Formen. Anna Breitfelder etwa stellt die Sicht auf sich selbst dar. Fotografisch gelöst knüpft sie an das alte Vanitas-Stillleben an. Das ist ein Bildtypus der Stillleben-Malerei, insbesondere im Barock. Darin wird die Darstellung lebloser Gegenstände durch Sinnbilder der Vergänglichkeit ergänzt. 

Die Euphorie über die kommende Ausstellung war den Schülern ins Gesicht geschrieben. „Wir freuen uns auf die Vernissage im Rathaus, denn wir haben ein persönliches Thema und stellen uns damit dar. Es ist spannend, wie die Leute darauf reagieren.“ So groß die Freude aber ist, nimmt auch die Aufregung so langsam den Raum ein. „Gerade weil es ein sehr persönliches Thema ist“, erzählen die Schüler. Dass das Additum seine Werke im Rathaus ausstellt, hat Tradition. Margit Wunderle verrät, dass dies aber der erste Kurs sei, der sich traut, alleine diese Ausstellung zu tragen.

 „In den Vorjahren waren es immer zwei bis drei Kurse: ein Additum, ein P-Seminar und ein W-Seminar, die diese Ausstellung mit ihren Werken gefüllt haben.“ Mehr als ein halbes Jahr standen Lehrer und Schüler vor der Herausforderung, das Projekt zu wuppen. Alle kamen sie dabei an ihre Grenzen. „Das Schwierigste war, sie immer zu motivieren, da sie keine Noten dafür bekommen. Im Vordergrund stand vielmehr die Erfahrung“, sagt Wunderle Auf diese Erfahrung werden die Jugendlichen später blicken und sich erinnern, dass es sich lohnt, durchzuhalten.

Melanie Schröpfer

Die Vernissage findet am Dienstag, 4. Februar, um 19 Uhr im Rathaus Oberhaching statt. Ausgestellt werden die Werke bis Freitag, 28. Februar, zu den Öffnungszeiten: Montag, Dienstag, Mittwoch von 8 bis 17 Uhr, Donnerstag von 8 bis 18.30 Uhr und Freitag von 8 bis 13 Uhr. Der Eintritt ist frei. Die Schüler freuen sich aber über Spenden.


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