Verkehr wird „städtisch“ in Oberhaching

Oberhaching: Verkehrsanalyse wurde im Gemeinderat präsentiert

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Autofahren als idyllischer Weg von A nach B – diese Zeiten sind in allen Gemeinden im Münchner Raum längst Vergangenheit.

Wer glaubt, dass der Verkehr in Oberhaching schon jetzt problematisch ist, sollte in naher Zukunft Bücher zum Thema „Positives Denken“ lesen. Denn eine Analyse des zu erwartenden Verkehrs in der Gemeinde zeigt, dass sich die Situation in den kommenden Jahren verschärfen wird. Nicht alles davon ist hausgemacht, aber einige Entscheidungen des Oberhachinger Gemeinderates spielen in diese Entwicklung mit hinein.

Einer der großen Faktoren dabei ist der geplante Schulcampus. Eine Realschule und eine FOS sollen bekanntlich direkt am S-Bahnhof Deisenhofen gebaut werden (HALLO berichtete). Dieser Standort ist zwar noch lange nicht endgültig festgelegt, die Planungen befinden sich noch in den Anfangsphasen, aber fest steht jetzt schon, dass zusätzlicher Verkehr zu den Schulen gelockt wird. Denn während die meisten Realschüler mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule kommen werden, fährt ein beachtlicher Teil der FOS-Schüler mit dem eigenen Auto oder wird von den Eltern gebracht.

In der jüngsten Sitzung des Gemeinderates wurde nun eine Verkehrsanalyse präsentiert, die sich mit der Frage auseinandersetzt, ob dieser zusätzliche Verkehr von der bestehenden Infrastruktur absorbiert werden kann oder nicht. Eine Erkenntnis der Studie: Bislang hat Oberhaching den Verkehr zu großen Teilen selbst in der Hand. 

Rund 80 Prozent des Verkehrs ist hausgemacht, der Durchgangsverkehr spielt eine noch untergeordnete Rolle. „Das ist einerseits erschütternd, aber auch ermutigend, wenn man Alternativen aufbaut“, erklärte Bürgermeister Stefan Schelle (CSU).

Mit Alternativen ist vor allem ein besseres Netz an Busverbindungen gemeint. Zu einem engeren Takt der Buslinien 222 und 224 kommen in voraussichtlich drei Jahren zwei neue Ringbuslinien, die von Deisenhofen nach Heimstetten beziehungsweise nach Wolfratshausen fahren sollen. Eine Aussicht, die längst nicht alle Gemeinderäte in Verzückung geraten lässt. 

Einige kritische Stimmen merkten an, dass die beabsichtigten Takte schon „sehr städtisch“ wären. Eine Einschätzung, die Bürgermeister Schelle durchaus teilte. Allerdings gab er zu bedenken, dass Gemeinden wie Haar schon jetzt ein weitaus größeres Verkehrsaufkommen zu bewältigen hätten als Oberhaching in den kommenden Jahren.

Was allerdings Oberhaching trifft wie keine andere Gemeinde, ist die neue Tarifstruktur des MVV. Die Haltestellen Deisen­hofen und Furth sollen künftig im Innenbereich liegen. Eine erhebliche Kostenersparnis für alle Oberhachinger. Aber natürlich auch für alle anderen Nutzer der S-Bahn, die per Park & Ride in Deisenhofen und Furth einsteigen. Gerade in einer Übergangsphase droht ein verstärktes Verkehrs-

aufkommen. denn es muss sich erst einmal herumsprechen, dass an diesen Bahnhöfen gar keine ausreichenden Parkmöglichkeiten bestehen, um Automassen von außerhalb aufnehmen zu können. Hoffnung liegt außerdem auf der Entscheidung des Landkreises, bei Nutzung einer Jahreskarte des ÖPNV allen Bürgern im Landkreis den Unterschied zur M-Zone zu erstatten.

Das Verkehrschaos sagt die Analyse Oberhaching nicht voraus – auch wenn die Schulpläne umgesetzt werden. Vor allem die Kybergstraße und in der Verlängerung die Lanzenhaarer Straße werden aber neuralgische Punkte werden, mit denen sich der Gemeinderat in den kommenden Jahren befassen wird. Mit dem Wissen, dass neue Straßen auch neuen Verkehr anziehen.

mh

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