„Es braucht überall mehr Frauen“

Nina Hartmann von den Grünen ist Oberhachings dritte Bürgermeisterin

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Nina Hartmann von den Grünen ist Oberhachings dritte Bürgermeisterin

Nina Hartmann arbeitet als Integrationsberaterin bei der Caritas ist Mutter dreier Kinder und Dritte Bürgermeisterin Oberhachings. Zwischen Homeoffice und Homeschooling hat sie über ihren Schritt in die Kommunalpolitik gesprochen.

Oberhaching – Nina Hartmann (Grüne) im HALLO-Gespräch.

Frau Hartmann, warum haben Sie sich dazu entschlossen, in die Kommunalpolitik zu gehen? 

Ich arbeite seit knapp fünf Jahren als Integrationsberaterin für die Caritas in Oberhaching und habe dadurch ein großes Netzwerk zu Schulen, Ärzten und der Gemeinde aufgebaut. Dadurch habe ich immer wieder verfolgt, wie kommunalpolitisch Entscheidungen getroffen werden. Das fand ich sehr spannend. Politisch interessiert bin ich schon viele Jahre, gerade gesellschaftspolitische Themen liegen mir am Herzen. Früher war ich ehrenamtlich für Amnesty International und die AWO tätig. Im Laufe der letzten 20 Jahre hat sich dorthingehend mein Interesse entwickelt und hier vor Ort in den letzten Jahren intensiviert.

Gerade in Oberhaching haben die Grünen deutlich an Stimmen gewonnen. Woran könnte das liegen? 

Das war sicher ein Zusammenspiel von vielen Faktoren. Einmal liegt es natürlich an den Klimathemen, die momentan gesellschaftlich wichtig sind und die Grünen schon lange auf dem Schirm haben. Das ist klarer Wählerauftrag, das habe ich auch im Wahlkampf gemerkt. Andererseits haben wir relativ viele jungen Kandidaten, was bei den Wählern gut ankam. Außerdem haben wir einen sehr aktiven Wahlkampf geführt, auch über Social Media. Wir haben viel Energie und Motivation, dafür haben wir viel positives Feedback bekommen. Da ist viel Power bei den sechs Gemeinderäten.

Vor allem viel Frauenpower. Immerhin sind vier von sechs Räten weiblich. Warum braucht es mehr Frauen in der Kommunalpolitik? 

Erstmal braucht es überall mehr Frauen (lacht). Oder genauso viel Frauen wie Männer. In der Kommunalpolitik ist das natürlich umso wichtiger. Denn Frauen verbringen häufig mehr Zeit „vor Ort“ beziehungsweise sind in ihrer Alltags-Organisation mehr auf die Strukturen vor Ort angewiesen – da sollten ihre Stimmen auch gleichberechtigt repräsentiert werden. Dass auf unserer Liste so viele Frauen waren, liegt an den Grünen. Sie sind schon immer auch eine Partei mit gelebter Gleichberechtigung. Es ist von Anfang an klar, dass man hier genauso gefördert wird wie ein Mann.

Warum gibt es Ihrer Meinung nach noch immer weniger Frauen als Männer in der Politik? 

Das Thema Gleichberechtigung ist auch in der Politik noch nicht ganz angekommen. Außerdem ist es so, dass Frauen so viel in ihrem Leben zu erledigen, so viele Rollen zu spielen haben. Von Job über Kinder bis zu Betreuung von Älteren, da muss man einfach Prioritäten setzen. Es ist auf jeden Fall ein Kraftakt, das kann man klar sagen. Aber wenn man überall so willkommen ist und mit offenen Armen empfangen wird wie hier im Oberhachinger Ortsverband, wäre der Weg in die Politik für viele Frauen einfacher.

Wie wird sich nun Ihr Alltag verändern? Lassen sich die neuen Aufgaben überhaupt neben Job und Familie einbauen? 

Ich freue mich total auf die Arbeit. Wenn man super motiviert ist und das als Chance sieht, etwas zu bewegen und zu gestalten, dann sorgt man dafür, dass es machbar ist. Wie genau mein Alltag sich dadurch verändern wird, weiß ich noch nicht. Da sprechen wir uns einfach in einem halben Jahr wieder (lacht). Man muss auch manchmal einfach Dinge wagen und sehen, wie sich alles fügt.

Welche Themen liegen Ihnen für Oberhaching besonders am Herzen? 

Natürlich sind mir die Kernthemen der Grünen wie Klima- und Naturschutz und umweltfreundliche Mobilität wichtig. Außerdem möchten wir mehr Jugendkultur vor Ort und Politik noch transparenter gestalten. Und der soziale Aspekt bei kommunalen Projekten liegt mir sehr am Herzen.

Was meinen Sie damit konkret? 

Obwohl wir mit der Arbeit im „neuen Gemeinderat“ gerade erst begonnen haben, führen wir schon konstruktive Gespräche zur Einführung eines Jugendrats. Ich will mich dafür einsetzen, dass etwa bei der Gestaltung des Bahnhofsgebäudes oder des Schulcampus an alle Bürger Oberhachings gedacht wird. Die Projekte sollen für alle einen Mehrwert haben, auch für Senioren, Geflüchtete oder finanziell schwächere Familien. Außerdem ist es unser Ziel, dass in zwei Jahren viel mehr Dächer im Ort mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet sind, vor allem alle geeigneten Kommunalbauten entsprechend aufgerüstet werden.

Nach der Kommunalwahl ist vor der Kommunalwahl … Wäre für Sie in sechs Jahre auch der Bürgermeister-Posten eine Option? 

Optionen gibt es viele in meinem Leben (lacht). Es ist aber noch lange hin bis dort und glücklicherweise wird bei den Grünen so etwas gemeinschaftlich beschlossen. Ich hab das Amt der dritten Bürgermeisterin angenommen, weil es eine Ehre ist. Wir sind das auch unseren Wählern schuldig, dass sich die Stimmen in einem solchen Posten widerspiegeln. Sechs Jahre in der Gemeinde zu arbeiten und noch mehr Menschen kennenzulernen, noch mehr Inhalte zu vermitteln, das wird spannend.


Also ist eine Kandidatur nicht ganz ausgeschlossen? 

Ausgeschlossen ist gar nichts. 

Interview: Iris Janda

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