Streit um Bretterwand beigelegt - zumindest vorerst

Oberhaching: Grundstücksbesitzer verbarrikadiert wochenlang wegen Corona Fußgängerweg

Eine Bretterwand versperrte wochenlang den Fußgängerweg zwischen Karl- und Tilsinstraße.
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Eine Bretterwand versperrte wochenlang den Fußgängerweg zwischen Karl- und Tilsinstraße.

In den letzten Tagen ist überall von Lockerungen und Öffnungen die Rede. Umso merkwürdiger wirkte da die Sperrung eines Fußgängerweges in Oberhaching – angeblich zum Infektionsschutz. Nach mehreren Wochen scheint der Eigentümer nun ein Einsehen gehabt zu haben.

Oberhaching – Die Einschränkungen des alltäglichen Lebens sind derzeit massiv. In Oberhaching gingen einem Grundstückseigentümer die gesetzlichen Vorgaben anscheinend noch nicht weit genug. „Zum Schutz der Anwohner“ blockierte mehrere Wochen eine Bretterwand den Verbindungsweg zwischen der Ecke Karlstraße/Pestalozzistraße und Tilsinstraße. So erklärte es zumindest ein DIN-A4-Zettel an der Tilsinstraße. Der Eigentümer des dortigen Grundstücks hatte die Wand eigenmächtig errichtet und den Hinweis aufgehängt. 

Warum die Anwohner gefährdet sein sollten, wenn Fußgänger den Weg passieren, konnte Jürgen Koppen von der Lokalen Agenda 21 nicht nachvollziehen. Ganz im Gegenteil: Die Bretterwand war mit spitzen, herausragenden Nägeln versehen und machte einen instabilen Eindruck. Wenn Kinder oder Tiere darüber geklettert wären, hätten sie sich schwer verletzen können. 

Ein Hinweiszettel an der Tilsinstraße erklärte, dass zum Schutz der Anwohner der Weg zur Karlstraße geschlossen war.

Deshalb kontaktierte Koppen mehrfach die Gemeinde und bat um Abhilfe. Das Problem: Die Gemeinde hat nur beschränkten Handlungsspielraum, weil ihr nur ein Teil des Weges gehört. Streitigkeiten um die Nutzung des Weges gebe es schon seit vielen Jahren, erklärt Bauamtsleiter Gerhard Jäger. „Es ist dem Eigentümer ein Dorn im Auge, dass der Weg von der Öffentlichkeit genutzt wird“, meint Jäger. 

Da es keine anderweitige Einigung gibt, will die Gemeinde den Fall nun vor Gericht klären lassen. „Die Rechtslage ist nicht eindeutig und kann unterschiedlich ausgelegt werden. Wir wollen eine endgültige Klärung erreichen“, erzählt Jäger. Doch so ein Rechtsstreit kann viele Monate dauern. 

„Ich mache der Gemeinde da keinen Vorwurf, sie tut ja etwas“, erklärt Koppen. Als Sofortlösung forderte er aber zumindest ein Hinweisschild an der Karlstraße, damit die Passanten nicht mehr umsonst den Weg entlang laufen. Auf Nachfrage bei Bauamtsleiter Jäger hieß es vor einer Woche, das Schild sei beauftragt und werde zeitnah aufgestellt. Am vergangenen Mittwoch wurde es an der Karlstraße angebracht. 

Am darauffolgenden Tag kam dann für Koppen die Überraschung: "Wie ich zu meiner Freude festgestellt habe, ist die Holzwand in der Mitte des Fußweges in Richtung vorderes Gleißental beseitigt und der Aushang an der Tisinstraße abgenommen worden." Das erst neu aufgestellte Schild der Gemeinde ist damit hinfällig und wurde bereits von einem Fußgänger umgedreht.

 „Die Maßnahme wird entsprechend den gesetzlichen Vorgaben zeitlich angepasst!“, erklärt der Eigentümer auf dem Hinweiszettel, der mittlerweile wieder abgenommen wurde. Egal ob nun die Bitten der Gemeinde oder die neuesten Lockerungen durch die bayerische Staatsregierung dazu geführt haben, dass der Eigentümer die Wand wieder abgebaut hat: die Fußgänger sind froh, dass der Weg wieder offen ist. "Man kann nur hoffen, dass die bereits öfter vom Eigentümer vorgenommenen Sperrungen des Weges in Zukunft dauerhaft unterbleiben", meint Koppen.

Iris Janda

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