Bürgermeister Schelle ist fassungslos

Oberhaching: Ein Grabraub beschämt den Ort

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Vom Grab eines Sechsjährigen aus Oberhaching wurden Erinnerungsstücke gestohlen (Symbolfoto).

Nach dem Tod eines sechsjährigen Schülers aus Oberhaching trauert die ganze Gemeinde. Doch nur vier Tage nach der Beerdigung fehlten am Grab einige Gegenstände, die eigentlich nur für die Familie von großem Wert waren.

Es ist der Albtraum jeder Mutter und jedes Vaters: Das eigene Kind stirbt. Im Urlaub. Wie kann solch ein Schicksalsschlag verkraftet werden? Wohin mit der Trauer und mit dem Zorn? Normalerweise ist neben der engsten Familie in solch einem Fall auch die Nachbarschaft gefordert. Die Gemeinde. Umso fassungsloser macht das, was stattdessen in Oberhaching passiert ist.

„Es wurden einige Erinnerungsstücke vom Grab gestohlen. Und ich habe gehört, dass es auch schon Mutmaßungen gibt, wer hinter dieser Tat stecken soll. Dazu sage ich nur eines: Die Totenruhe ist in allen Kulturen heilig“, sagte Bürgermeister Stefan Schelle (CSU) bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Und fügte dann resignierend hinzu: „Außer bei uns!“

Eine Tatsache, die auch die trauernde Mutter umtreibt. „Es handelt sich um eine Spielzeugdrohne, die nicht einmal flugfähig war. Und um einen Anhänger aus geschliffenem Glas, den seine Oma um das Kreuz gehängt hat. Der hat nicht mehr als fünf Euro gekostet, aber für uns ist er eben sehr wertvoll“, sagt sie gegenüber HALLO.

Den Namen ihres Kindes und den genauen Hergang des tödlichen Unfalls möchte sie verständlicherweise nicht in der Öffentlichkeit diskutieren. Aber diesen Diebstahl will sie nicht so einfach hinnehmen. Sie hat bei der Polizei Anzeige erstattet. „Erst wollte ich ganz Oberhaching zupflastern mit der Frage, wer so etwas macht! Aber ich möchte eigentlich nur, dass die Sachen wieder auftauchen. Ich fände es schön, wenn sie in den kommenden Tagen einfach wieder an ihrem Ort wären. Sie helfen uns bei der Trauer“, sagt sie. Wäre das Fall, würde sie die Anzeige sogar wieder zurückziehen.

Es ist wahrscheinlich, dass der Dieb die Gegenstände sogar in irgendeinen Busch geworfen hat, nachdem er merkte, dass damit kein Geld zu machen ist. Aber vielleicht findet sich ja doch noch ein Finder, der dieser traurigen Geschichte ein wenig Hoffnung auf das Gute im Menschen spendet.

Marco Heinrich

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