Perfide Tat lässt Familie mit Trauer zurück

Oberhaching: Giftköder vermehrt gefunden

Auf diesem Bild war die Welt von Familie Ehrhardt noch in Ordnung. Doch dann verstarb ihre Hündin Paula innerhalb weniger Stunden, nachdem sie bei einem Waldspaziergang in Deisenhofen einen Giftköder fraß.
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Auf diesem Bild war die Welt von Familie Ehrhardt noch in Ordnung. Doch dann verstarb ihre Hündin Paula innerhalb weniger Stunden, nachdem sie bei einem Waldspaziergang in Deisenhofen einen Giftköder fraß.

In Oberhaching wird vor Giftködern gewarnt. Mehrere Hunde wurden bereits vergiftet. Die kleine Paula überlebte den Giftanschlag nicht. Nun sollen andere Besitzer gewarnt und Vierbeiner vor dem qualvollen Tod gerettet werden.

Oberhaching – Es war Mittwoch, der erste Juli. Für Familie Erhardt aus Deisenhofen und ihr vierpfotiges Familienmitglied Paula begann ein ganz normaler Tag. Dass dieser Tag Paulas letzter sein sollte, traf die Familie schwer. Genau wie die Nachricht, dass die junge Hündin einem Giftköder zum Opfer fiel.

Paulas Frauchen Sabine Ehrhardt war an besagtem Tag gegen 16.30 Uhr mit ihrer zweijährigen Hündin auf dem Weg zum täglichen Waldspaziergang ins hintere Gleißental im Oberhachinger Ortsteil Deisenhofen. „Ich habe Pauli wie immer auf ihrem Waldweg frei flitzen lassen. Sie war immer ein sehr quirliger und vitaler Hund. Eine kleine Sportskanone“, blickt Sabine Erhardt traurig zurück. „Es war ein Spaziergang wie immer, der ungefähr eine Stunde gedauert hat“. Nach dem Spaziergang wieder zu Hause angekommen, musste sich die Hündin zwar ausruhen, doch sei der erste Juli ein schwüler Tag gewesen.

Zunächst dachten sich die Ehrhardts deshalb auch nichts dabei, als Paula direkt nach dem Spaziergang schlapp auf dem Fliesenboden lag. „Aber ungefähr eine halbe Stunde später, begann sie zu torkeln. Als mein Mann sie dann hochnahm, musste sie sich erst erbrechen. Dann begann sie zu röcheln“. Für die Familie war klar: Mit ihrer Pauli stimmte etwas nicht. Um keine Zeit zu verlieren, fuhren sie sofort in die Tierklinik Oberhaching.

Bange Stunden des Wartens

Während der Autofahrt kündigte Sabine Ehrhardt den Notfall in der Klinik telefonisch an. Das Team habe sich auch sofort um Paula gekümmert. Nach der Blutabnahme und dem Röntgen dann der nächste Schock: Es lag der Verdacht auf fremdstoffliche Einwirkung vor. Kurz: Giftköder. Untermauert wurde dies unter anderem, weil Paula noch so jung war, es ihr vor dem Spaziergang noch gut ging und ihr Zustand sich sofort nach der Rückkehr des Spaziergangs rapide verschlechterte.

Wie Ehrhardt erzählt, könne das Gift tatsächlich sehr schnell wirken. Besonders da Paula eine sechs Kilo leichte und 30 Zentimeter kleine Hündin war. Die Tierärzte der Oberhachinger Tierklinik nahmen die Hündin auf, behandelten sie intensiv und baten die Familie zunächst nach Hause. Nachts um elf kam dann der Anruf, der die Familie zunächst ruhig schlafen lassen sollte. Am Telefon hieß es: „Es geht in die richtige Richtung“. Morgens um drei dann der nächste Anruf mit den Worten: „Wie lange sollen wir noch weitermachen? Paula ist dabei zu sterben.“ Sabine Ehrhardt räuspert sich, versucht bei dem Gedanken an die Schocknachricht ihre zu zittern beginnende Stimme wiederzuerlangen. „Das war so ein Schock für uns, weil es erst hieß, es geht in die richtige Richtung.“

Ehrhardt vermutet, die Therapiemaßnahmen hätten die Auswirkungen des Giftes zunächst etwas abfedern können, aber schließlich müsse Paula den Kampf doch verloren haben und sich das Gift in ihrem kleinem Hundekörper doch durchgesetzt haben – was letztlich zum Gehirntod führte. „Es war nichts mehr zu machen. Die Tierärzte haben Paula nur noch am Leben erhalten“. Ehrhardt stockt, nach einer kurzen Pause fährt sie fort: „Als mein Mann in die Klinik kam, hatte sie schon diesen leeren Blick. Pauli hat ihn gar nicht mehr erkannt.“ 

Sabine Ehrhardt muss schlucken. Ein großer Kloß Trauer macht sich in ihrer Kehle breit. „Wir haben doch eigentlich nicht viel Zeit verloren, haben gleich reagiert. Aber es war nichts mehr zu machen“. Sabine Ehrhardt konnte den Tod ihres vierbeinigen Familienmitglieds nicht so einfach hinnehmen und konsultierte erneut den Arzt. Auch wenn die Worte keine Linderung des Schmerzes mit sich brachten, so wollte Ehrhardt Antworten.

„Weil die Pauli ja auch am Teich war und daraus getrunken hat, habe ich gedacht, sie hätte sich dort vielleicht vergiftet oder könnte Giftpflanzen erwischt haben.“ Der Arzt war sich jedoch sicher: Das war nicht der Grund. „Das konnte er mit Sicherheit ausschließen.“ Rattengift war es zwar nicht, was der kleinen Paula den Tod brachte, doch gebe es so viele andere, tödlich wirkende Substanzen. „Der Arzt hatte den klaren Verdacht auf Gift. Also die fremdstoffliche Aufnahme, wie es der Mediziner sagt.“

Welches Gift Paula tötete, konnte nicht nachgewiesen werden. Als Beispiel wurde der Familie Schneckenkorn genannt, das hoch toxisch ist. „Uns wurde gesagt, wenn sich das Schneckenkorn im Körper aufgelöst hat und im Blutkreislauf ist, ist es schon zu spät. Und das kann durchaus sehr schnell gehen.“

Aushänge sollen vor Ködern warnen

In Oberhaching sollen Aushänge vor Giftködern warnen. Dass dieser Aushang keine Drohung, sondern eine Warnung war, stellte sich erst später heraus.

Was bleibt, ist eine große Lücke, das Paula hinterlässt. Nicht nur bei den Ehrhardts, auch bei den anderen Hundebesitzern im Ort. Zwei Mädchen, die selbst einen kleinen Hund haben, waren so bestürzt, dass sie Aushänge in Oberhaching verteilten, die zunächst für Furore sorgten. „Achtung! Giftköder in Oberhaching. Bitte nehmen Sie die Hunde an die Leine und gucken Sie, dass Ihr Hund nichts frisst! Ziehen Sie Ihrem Hund einen Maulkorb an, wenn Ihr Hund nicht an der Leine läuft. P.s.: Heben Sie die Kacke von Ihrem Hund mit einer Hundetüte auf. Danke, dass Sie unseren Brief gelesen haben“. 

Das Postskriptum, der Aufkleber mit einem Totenkopf und der Schriftzug „Toxic“ ließ bei einigen Bürgen den Verdacht aufkommen, es handle sich um eine Drohung, die von den Streuern der Giftköder höchstpersönlich aufgehangen wurde.

Diesem Verdacht ging zunächst auch die Polizei nach. „Der Satz des Postskriptums könnte darauf hinweisen, dass der Täter zur Selbstjustiz greift“, erklärte Stefan Schraut, Erster Polizeihauptkommissar und Dienststellenleiter der Polizeiinspektion 31 in Unterhaching.

Dass diese Aushänge allerdings auf Grund von Paulas Tod andere Hundehalter warnen und zur Rücksichtnahme aufrufen sollte, stellte sich erst später heraus. Die Mädchen appellierten lediglich, um möglichen Hundehassern den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Wie Schraut erklärte, seien bisher zwei Anzeigen gegen Unbekannt von Hundehaltern aufgenommen worden. Eine davon stammt von Familie Ehrhardt. Die anderen Besitzer, deren Hund Ende Juni vergiftet wurde, erstatteten ebenfalls Anzeige. Glücklicherweise überlebte ihr Hund jedoch den Giftköder.

Bei vielen, die Hunde nicht zu ihren Lieblingstieren zählen, würde es oft bei ihren Drohungen bleiben. Laut des Polizeihauptkommissars sei es eher seltener, dass tatsächlich zur Tat geschritten werde. Weiter verdeutlichte Schraut, dass diejenigen, die die Giftköder tatsächlich auslegen, sich in jedem Fall strafbar machen würden: „Es handelt sich um eine Straftat unter dem Tierschutzgesetz und kann eine Geld- oder Freiheitsstrafe mit sich ziehen.“ 

Damit weitere Todesfälle, wie der von Paula, vermieden werden, sei es in jedem Fall wichtig, dass Betroffene sich bei der Polizei melden und die Tat zur Anzeige bringen. Zeugen mit sachdienliche Hinweisen werden also gebeten, sich bei der Polizeiinspektion 31 unter der Telefonnummer 615620 zu melden.

Melanie Schröpfer

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