Beim Nachwuchs soll nicht gespart werden

Grünen-Antrag auf Sperrung des Zuschusses für Kunstrasenplatz in Oberhaching abgelehnt

Fußball auf Kunstrasenplatz.
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Der FC Deisenhofen erhält 2021 einen Investitionszuschuss in Höhe von 820.000 Euro für den neuen Kunstrasen.

Der FC Deisenhofen erhält wie geplant im kommenden Jahr einen Investitionskostenzuschuss in Höhe von 820.000 Euro für den neuen Kunstrasenplatz. Damit erteilte das Gremium mehrheitlich einem Antrag der Grünen auf Sperrung der Haushaltsstelle eine Absage.

Oberhaching - Die Gemeinde Oberhaching wird – wie bereits in diesem März beschlossen – im kommenden Jahr dem FC Deisenhofen 820.000 Euro Investitionszuschuss für einen neuen Kunstrasenplatz bereitstellen.Anlass für die erneute Diskussion um die Bezuschussung des Projekts war ein Eilantrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Diese forderte, die bereits im Haushalt 2020 bereitgestellten Mittel bis auf Weiteres zu sperren. Als Anlass nannten sie die unsichere Finanzlage im kommenden Jahr aufgrund der Corona-Pandemie.

„Alle müssen den Gürtel enger schnallen“, begründete Grünen-Rätin Valentina Eckel den Antrag ihrer Fraktion. Die Entwicklung der Gemeindeeinkünfte und auch der bevorstehenden Kosten sei nicht vorhersehbar. Nach Auffassung der Fraktion handele es sich bei dem Kunstrasenplatz um eine Maßnahme, die „in Zeiten besserer finanzieller Planbarkeit“ umgesetzt werden sollte. „Wir sind nicht gegen den Kunstrasenplatz“, war es Claus Katzer (Grüne) wichtig zu betonen. Es gehe ihnen darum, wie bereits im April das Projekt zu verschieben und die weiteren Entwicklungen zunächst abzuwarten.

Zur Erinnerung: Der Investitionszuschuss wurde Anfang März nach einem Beschluss vom Dezember 2019 in den Haushalt für 2020 eingestellt. Doch wegen den sich abzeichnenden Auswirkungen der Corona-Pandemie entschied der Gemeinderat aufgrund eines Antrags von SPD und des FC Deisenhofens Ende März, die Auszahlung des Zuschuss auf 2021 zu verschieben und zunächst die Entwicklung der Finanzlage bis Jahresende abzuwarten.

„Im Frühjahr wäre ich ganz bei euch gewesen“, erklärte Bürgermeister Stefan Schelle (CSU) an die Grünen-Fraktion gerichtet. Doch nun, da das Jahr fast zu Ende ist, zeige sich, dass die Gemeinde für 2020 trotz der Pandemie mit keinen größeren finanziellen Einbußen zu rechnen habe. Kämmerer Paul Fröhlich legte dem Gremium in der Sitzung entsprechende Zahlen vor. Bei der Gewerbesteuer gebe es zwar weniger Einnahmen in Höhe von zirka einer Millionen Euro. Dies sei aber im verkraftbaren Rahmen, wie Schelle ergänzte. Andere Einnahme würden dafür höher ausfallen, etwa die Grunderwerbssteuer, die 440.000 Euro mehr als erwartet ausmachen wird. Außerdem habe die Gemeinde auch weniger Ausgaben, beispielsweise was Unterhaltskosten von Gebäuden betreffe. „Wir übertreffen die Mindestzuführung bei Weitem und erwirtschaften die Tilgungsleistungen“, fasste der Kämmerer die Finanzlage der Gemeinde zusammen. „Ich denke, man hat jetzt einen vernünftigen Punkt gefunden, wie Wirtschaft und Schulen am Laufen bleiben können und kann daher jetzt schon gut abschätzen, wie die Finanzlage aussehen wird“, meinte der Rathauschef.

Grünen-Rätin Eckel konnte sich diesem optimistischen Blick in die Zukunft nicht anschließen:

„Wir wissen nicht, was uns 2021 erwartet, solange wir im Tal weiter runter gehen und die ganzen Infektionszahlen steigen. Es ist ein falsches Signal, dafür jetzt Geld auszugeben wenn wir auch Bürger haben, die nicht wissen, wie sie nächsten Monat die Miete zahlen.“ Dirk Schneider von den Freien Bürgern stimmte ihr zu. Er stimme nicht gegen den Zuschuss wegen des Geldes oder um an der Jugend zu sparen. „Von der Außenwirkung ist das jetzt nicht das richtige an die Bürgerschaft“, erklärte er. Schließlich gebe es viele Unternehmen und Familien, die durch die Pandemie in finanzielle Schieflage gekommen sind. Manche Branchen hätten derzeit überhaupt keine Einnahmen, stimmte Anja Reder (Grüne) ein. „Im Moment müssen wir sachter mit dem Geld umgehen, das uns noch bleibt“, so Reder weiter.

Michael Thaller (CSU) sah gerade in dieser Hinsicht den Bau des Kunstrasenplatzes als Vorteil. „An so einem Platz sind drei, vier Firmen beteiligt, die dadurch wieder etwas verdienen können. Wenn wir auch nicht mehr investieren, geht es allen schlecht“, verdeutlichte er. Außerdem gehe es ihm um die politische Zuverlässigkeit. „Wir haben das für 2021 zugesagt, und dann wollen wir es jetzt wieder unter den Tisch fallen lassen?“, fragte er ins Gremium.

Martin Schmid, CSU-Gemeinderat und Vorstand des FC Dei­senhofen, wollte sich eigentlich in der Diskussion zurückhalten, äußerte sich dann aber doch. „Ich habe das Gefühl da fehlt die Einsicht, was von den Vereinen, egal ob der FC oder beim TSV, für die Gemeinde getan wird“, erklärte er. Die Räte sollten durchrechnen, wie viele Stunden ehrenamtliche Arbeit dort geleistet werden. „Dort wird eine soziale Aufgabe übernommen, durch die die Gemeinde so viel Geld spart. Das sollten uns unsere Kinder doch wert sein!“ Aus seiner Sicht sei es vielmehr ein schlechtes Zeichen nach außen, wenn die Gemeinde sich so große Sorgen um die Finanzen mache. „Ich will euch da bei der Ehre packen“, appellierte er.

Bürgermeister Schelle wollte zum Ende der Diskussion erneut die finanziellen Sorgen nehmen: „Diese Panikmache mit dem Haushalt ist in der Sache nicht richtig“, verdeutlichte er. Schließlich sei das Geld schon im Haushalt für 2020 mit drin gewesen. Zuletzt richtete Kämmerer Fröhlich das Wort ans Gremium. Als Kämmerer ginge ihm bei so viel Sparwillen das Herz auf. Dennoch wollte er noch eins mitgeben: „Bitte sparen Sie nicht bei Ehrenamtlichen und Diensten für die Gemeinschaft.“

Diesem Appell folgte das Gremium. Mit knapper Mehrheit von 13 zu 10 wurde der Antrag der Grünen abgelehnt.

Iris Janda

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