Aufstellen zentraler Plakatwände bei Kommunalwahlen in Unterhaching abgelehnt

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BRK Deisenhofen zeigt in kostenlosem Kurs Anwendung von Defibrillatoren

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Auch in schweren Zeiten nicht dem hinterher trauern, was einmal war

Neue Behindertenbeirätin in Unterhaching möchte Umdenken anregen

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Uta Schulz und ihr Lebensgefährte im Urlaub am Gardasee. Neben ihrer Arbeit zählt das Reisen und Lesen zu einem wichtigen Bestandteil in Schulzes Leben.

Seit mehreren Jahren schon soll es einen Behindertenbeirat in Unterhaching geben – nun stellte Bürgermeister Wolfgang Panzer Anfang Juni die fünf Mitglieder dem Gemeinderat vor. Die neue Beirätin Uta Schulz erzählt von ihren Forderungen und Wünschen für Unterhaching.

Uta Schulz (52) sitzt vor ihrem Tisch im Garten, die Sonne scheint, sie ist in einem sommerlichen Gelb gekleidet. „Nehmen Sie sich doch einen Klappstuhl. Aber wischen Sie ihn ab, wir benutzen die nicht so oft“, sagt sie. Uta Schulz sitzt im Rollstuhl, ebenso wie ihr Lebensgefährte. Er hat MS (Multiple Sklerose), sie leidet seit ihrem 32. Lebensjahr an Heredo-Ataxie. Das ist eine genetisch bedingte Erkrankung des zentralen Nervensystems, die unter anderem den normalen Bewegungsablauf beeinträchtigt. Die Krankheit ist sehr selten, in Deutschland gibt es nur zirka 6000 bis 8000 Fälle. Uta Schulzes Krankheit verläuft fortschreitend. „In meinem Fall hat sich mit der Zeit eine Einengung des Sichtfeldes entwickelt, neben vielen weiteren Einschränkungen. Außerdem brauche ich einen suprapu­bischen Katheter, um auch die Toilette benutzen zu können, wenn es kein Rollstuhl-WC gibt. Aber die Begleiterscheinungen von Ataxie sind sehr unterschiedlich“, erklärt sie. Obwohl Uta Schulz in ihrem Leben viel Unerfreuliches erlebt hat, oder gerade deswegen, wirkt sie positiv und gefasst.

Bevor sie selbst erkrankte, hatte sie schon mehrere Schicksalsschläge in ihrem Leben zu verkraften. Durch Sauerstoffmangel bei der Geburt ihrer Zwillingssöhne trugen beide schwere körperliche und geistige Schäden davon. Einer der beiden verstarb 2009. Der zweite jedoch habe eine eigene Wohnung in München und feiere im nächsten Jahr seinen dreißigsten Geburtstag, berichtet Schulz nicht ohne Stolz. 2013 dann das nächste unerfreuliche Ereignis: Nach 28 Ehejahren reichte ihr damaliger Mann die Scheidung ein. „Das war nicht gerade toll“, berichtet sie.

Doch Uta Schulz macht einen resoluten Eindruck, so als würde sie nichts unterkriegen. Anstatt sich nach so vielen negativen Erfahrungen zurück zu ziehen, machte sie immer weiter. „Ich versuche stets nicht dem hinterher zu trauern was ich mal konnte, sondern bin immer glücklich wenn ich etwas besser kann als ein anderer“, meint sie. In ihrem Leben gebe es eben nicht nur die negativen Erlebnisse, sondern auch sehr schöne. Mit ihrem neuen Lebensgefährten, den sie kurz nach der Trennung von ihrem Exmann auf Teneriffa kennengelernt hat, geht sie beispielsweise gerne auf Reisen. Das bedeutet zwar jedes Mal aufs Neue einen großen Organisationsaufwand, da ein Hotelzimmer gefunden werden muss, welches für zwei Rollstuhlfahrer geeignet ist und das keinen Teppichboden hat, weil Schulz, bedingt durch ihre Krankheit, an schwerem allergischen Asthma leidet. Doch sie organisiert viel und gerne, gerade wenn dabei ein toller Urlaub herauskommt. Anhand ihres beeindruckenden privaten wie auch ehrenamtlichen Engagements wird mehr als deutlich, dass Uta Schulz eine starke Frau ist. 

Sie ist nicht nur im neuen Behindertenbeirat Unterhachings involviert, sondern auch an anderen Projekten beteiligt. Seit mittlerweile 18 Jahren sitzt sie im Behindertenbeirat München, seit 12 Jahren leitet sie eine Selbsthilfegruppe für Ataxie-Erkrankte und seit zwei Jahren ist sie auch Teil des Behindertenbeirats im Landkreis München. Nebenbei beschäftigt sie sich mit Literatur zu Themen im Bereich Behinderungen. Nun folgt noch das Beiratsamt in Unterhaching. Wächst ihr das nicht manchmal über den Kopf? „Nein“, sagt sie bestimmt. „Ich war schon von Kindesbeinen an ein Typ der Dinge immer so genommen hat, wie sie kamen und das Beste aus ihnen gemacht hat. Zum anderen musste ich, als meine Kinder klein waren, um viele Dinge kämpfen und war auf mich alleine gestellt. Da ist es für mich selbstverständlich mit meinem jetzigen Wissen anderen Menschen in der gleichen Situation so gut es geht weiter zu helfen.“

Geld bekommt sie für ihre Arbeit kaum, alles basiert auf ehrenamtlicher Tätigkeit. Doch dieser Umstand scheint sie nicht zu stören, die Hauptsache ist für sie, dass sich die Einstellung der Menschen grundlegend verändert. „Im Nachhinein etwas zu verändern, damit es behindertengerecht wird, ist schwierig und auch nicht kostengünstig. Warum nicht einfach von Anfang an umdenken?“, fragt sie berechtigterweise. In den Beiräten in denen sie sitzt, arbeitet sie mit ihren Mitstreitern genau daran. Es gibt Arbeitsgruppen zu unterschiedlichen Themenbereichen, wie zum Beispiel barrierefreies Wohnen, Tourismus, aber auch Mobilität. Zu Besprechungen laden sie Fachleute ein. Gleichzeitig gibt der Beirat auch Kurse, beispielsweise für DB-Angestellte. Sie sollen wissen, wie man einer blinden Person behilflich sein kann und wie man einem Rollstuhlfahrer das Einsteigen in einen Waggon erleichtert. Uta Schulz würde sich wünschen, dass Barrierefreiheit nicht nur auf öffentlichem Gelände zu einem Muss erklärt wird, sondern auch auf privatem Grund. Solche Maßnahmen müssten jedoch gesetzlich unterstützt werden. Uta Schulz sieht darin viel Potenzial für Veränderung. Grundsätzlich gäbe es noch viel zu tun, damit Behinderten das Leben erleichtert würde. Es scheint also wichtig und richtig zu sein, dass Unterhaching nun seinen eigenen Beirat bekommt, denn nur so ist es möglich, auf lokaler Ebene so bald wie möglich Veränderungen zu erreichen.

Doch auch wenn die Gründung des Unterhachinger Behindertenbeirats ein Grund zum Feiern ist, kommt man nicht darum herum festzustellen, dass es letztendlich nicht der Existenz solcher Institutionen zu verdanken ist, dass Dinge ins Rollen kommen, sondern engagierten Menschen, wie Uta Schulz.

Barbara Manhart

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