Top-Turner mit viel Liebe für die Heimat

Lukas Dauser vom TSV Unterhaching ist Teamkapitän bei der Heim-WM

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Lukas Dauser vom TSV Unterhaching will bei der Heim-WM die Truppe zusammenhalten.

Vom 4. bis 13. Oktober wird in Stuttgart die Weltmeisterschaft im Turnen ausgetragen. Mit dabei im deutschen Kader sind Lukas Dauser und Marcel Nguyen vom TSV Unterhaching. Der aus Glonn stammende Dauser erzählt, wie er nach seiner Verletzung im Juni wieder fit geworden ist und worauf es bei Wettkämpfen ankommt.

Herr Dauser, Sie leben schon seit sieben Jahren in Berlin und trainieren dort. Trotzdem treten Sie weiterhin für den TSV Unterhaching an. Wie kommt das? 

Als Athlet können wir überall trainieren. Ich bin jetzt hier in Berlin am Bundesstützpunkt. Aber ich bin sehr heimatverbunden und starte deshalb gerne für Unterhaching bei Einzelwettkämpfen. Ich bin schon immer beim TSV gewesen, es war mein erster und soll auch mein letzter Verein bleiben.

Sie gehören zu den Top-Turnern des Landes. Werden Sie denn auf der Straße erkannt, wenn Sie auf Heimatbesuch sind? 

Auf der Straße nicht, aber wenn ich rund um die Turnhalle in Unterhaching unterwegs bin, erkennen mich schon viele. Ich bin so oft es geht zu Hause und trainiere dann natürlich in Unterhaching. Und die Kollegen in der Halle kenne ich auch alle sehr gut, da herrscht ein sehr freundschaftliches Verhältnis.

Mitte Juni haben Sie sich den Mittelhandknochen gebrochen. Was ging Ihnen als erstes durch den Kopf, als sie sich verletzt haben?

Im ersten Moment dachte ich, es wäre eventuell nur etwas an der Kapsel. Aber der Physiotherapeut hat dann schnell erkannt, dass es am Knochen ist. Das war ein großer Schock für mich und nur schwer zu verdauen. Ich bin danach sofort in die Klinik und wurde operiert. Zum Glück verlief der Eingriff gut. Die Ärztin meinte, es gibt eine Chance, dass ich es bis zur Heim-WM schaffe. Deshalb hab ich alles gegeben, um rechtzeitig wieder fit zu werden.

Sind Sie nun wieder bei 100 Prozent? 

Ganz 100 Prozent würde ich noch nicht sagen. Aber es sind noch gut zwei Wochen bis zum Turnierbeginn. Bis dahin werde ich noch die fehlenden Prozent aufholen.

Schwingt denn bei den Übungen nicht immer auch Angst vor Verletzungen mit? 

Angst habe ich keine. Man muss sich eben immer bewusst sein, dass es ein Leistungssport ist und es zu Verletzungen kommen kann. Dadurch, dass wir die Übungen so oft machen und eine Routine in den Abläufen haben, erscheinen sie auch nicht so riskant wie vielleicht einem Laien.

Die Übungen an Reck und Barren sehen teilweise ziemlich schmerzhaft aus. Merken Sie davon etwas währenddessen? 

Nein, als Athlet ist man dann so im Tunnel und fokussiert sich voll und ganz auf die Ausführung der Übung.

Ist denn bei Wettkämpfe die mentale Stärke wichtiger als das Körperliche?

Natürlich muss man körperlich schon auf dem höchsten Level sein. Aber der Kopf ist extrem wichtig. Wir haben nur einen Versuch, da muss alles zu 100 Prozent stimmen. Deshalb gehört Mentaltraining auch zur Vorbereitung dazu.

Was kann man sich darunter vorstellen? 

Ich habe Mentaltraining bei Bruno Hambüchen, dem Onkel von Fabian Hambüchen. Wir telefonieren ungefähr alle zwei Wochen oder vor Wettkämpfen. Er hilft mir durch sein Coaching, klar Gedanken zu fassen oder mich vor Wettkämpfen zu beruhigen.

Welche Rolle spielt denn Nervosität vor Turnieren?

Wie gehen Sie damit um? Nervosität gehört natürlich dazu. Ich finde es ist wichtig sich davon nicht erschlagen sondern beflügeln zu lassen.

Sie wurden für die Heim-WM als Teamkapitän aufgestellt. Welche Aufgaben bringt das mit sich? 

Ich bin die Schnittstelle zwischen dem Betreuerteam und den Athleten. Es passt gut, weil ich vom Alter genau in der Mitte zwischen den älteren und jüngeren Sportlern bin. Mein Ziel ist es, die Truppe zusammenzuhalten. Und wichtig ist mir auch, dass der Spaß bei der Sache nicht vergessen wird.

Würden Sie sich wünschen, dass dem Turnsport und den Athleten in der Öffentlichkeit mehr Aufmerksamkeit zukommt? 

Ich fühle mich eigentlich wohl so wie es ist und brauche nicht mehr Prominenz um meine Person. Aber wir hoffen, dass wir durch die WM im eigenen Land der Bevölkerung den Sport näher bringen und sie dafür begeistern zu können.

Interview: Iris Janda

Gastgeber sind bereit

Die Turn-Weltmeisterschaft findet vom 4. bis zum 13. Oktober unter dem Motto „Neue Zeichen setzen“ in Stuttgart statt. Im Kader der Männer stehen Andreas Toba (TK Hannover), Karim Rida (SC Berlin), Marcel Nguyen (TSV Unterhaching), Lukas Dauser (TSV Unterhaching), Nick Klessing (SV Halle) sowie Philipp Herder (SC Berlin) als Reserve-Turner. 

Bei den Frauen treten an: Elisabeth Seitz (MTV Stuttgart), Emelie Petz (TSG Backnang), Kim Bui (MTV Stuttgart), Sarah Voss (DSHS Köln), Sophie Scheder (Chemnitz-Altendorf) und Pauline Schäfer (Tus Chemnitz-Altendorf) als Ersatzturnerin.

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