„Der Luftraum ist ja auch begrenzt“

Sie kommen: aber nicht nach Putzbrunn?

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In Dubai gab es schon Testflüge für den sogenannten Volocopter. Ein Flugtaxi, das zur Beförderungen von Personen dienen soll.

Mit einem automatisierten Lufttaxi von A nach B kutschiert werden, statt mit der U-Bahn. Das könnte Realität werden. Darauf sollte Putzbrunn sich vorbereiten, fand Gemeinderat Willibald Hackl und stellte in der vergangenen Bauausschusssitzung einen Antrag auf Standortprüfung für Luftaxis. Bürgermeister Edwin Klostermeier war gar nicht begeistert.

Gerade überarbeitet der Bauausschuss den Flächennutzungsplan der Gemeinde Putzbrunn. Dieser soll eine Laufzeit von zehn bis 20 Jahren haben. Zehn Jahre. Das ist vielleicht genug, um schon ernsthaft über Flugtaxis reden zu können. Gemeinderat Willibald Hackl (FDP) jedenfalls möchte darauf vorbereitet sein. „Sonst kommen sie vielleicht nach Grasbrunn oder Hohenbrunn und wir schauen wieder mit dem Ofenrohr ins Gebirge“, lautet seine Begründung für seinen Antrag, zwei Standorte für Start- und Landezonen im Flächennutzungsplan auszuweisen. 

Auf die Idee kam Hackl durch Gespräche mit Projektleitern in Ottobrunn, die bereits mit Hochdruck an der Technik für Flugtaxis arbeiten. Doch ist die Erschließung des Luftraums wirklich die Antwort auf den drohenden Verkehrskollaps auf den Straßen? 

Nicht, wenn es nach Bürgermeister Edwin Klostermeier (SPD) geht. „Angesichts der sowieso schon großen Verkehrsprobleme müssen nicht auch noch ständig Flugtaxis über uns schwirren“, findet er. „Das werden wir sowieso nicht verhindern können“, glaubt hingegen Hackl, der sich sicher ist, dass die Flugtaxis sowieso kommen. „Wir können ja keinen lufttaxifreien Raum im Landkreis beschließen. Wenn die Dinger sowieso schon über uns herumschwirren, können wir auch einen praktischen Nutzen daraus ziehen.“ Zuerst werden die Lufttaxis seiner Meinung nach für Polizei und Notärzte eingeführt. „Bevor der Sanka im Stau steht, ist so ein Lufttaxi schon lange im Krankenhaus“, glaubt er.

Diesen praktischen Nutzen sieht der Bürgermeister noch nicht. „Nicht alles, was technisch möglich ist, muss auch umgesetzt werden“, sagt er. Schon aus rechtlichen Gründen, sei es schwierig den Antrag von Willibald Hackl in den Flächennutzungsplan aufzunehmen. Seiner Meinung nach können keine Landeflächen ausgegeben werden, solange es weder Definitionen noch rechtliche Grundlagen für Lufttaxis gibt. „Am Ende wird uns der Flächennutzungsplan nicht genehmigt, weil er nicht den Rechtsansprüchen genügt“, gibt er zu bedenken. 

Flugtaxis seien noch viel zu weit von der Realität entfernt, um bereits konkrete Maßnahmen dafür zu treffen. Gleichwohl ist auch Klostermeier l bewusst, dass die Technik bezüglich der Lufttaxis schon sehr weit fortgeschritten ist. Dennoch müsse man das auch kritisch sehen. „Der Luftraum ist ja auch begrenzt.“ Dass so ein Lufttaxi entlang der Autobahn fliegen soll, wie es derzeit angedacht ist, kann Klostermeier sich jedenfalls nicht vorstellen. „Unfälle, die da passieren, hätten ja verheerende Auswirkungen. Gerade in und um München haben wir ein sehr dicht besiedeltes Gebiet. Ich wüsste nicht, wo man Flugschneißen einrichten sollte, ohne zusätzliche Lärmbelästigung und Umweltbelastung für die Bürger zu erzeugen.“ Auch der Fakt, dass der Normalbürger sich ein Flugtaxi erstmal nicht leisten könnte, ist ein Grund für die ablehnende Haltung des Rathausschefs. „Warum sollen alle darunter leiden, wenn nur wenige Bürger davon profitieren?“

Der Kostenfaktor wird vor allem am Anfang ein Problem sein, gibt auch Hackl zu. Zunächst werden sich wohl hauptsächlich Menschen mit einem größeren Geldbeutel so ein Flugtaxi leisten können. Dies hält den Visionär allerdings nicht davon ab, den Gedanken weiter zu verfolgen. „Bei den Autos war es damals ja schließlich das Gleiche und heute fährt fast jeder Normalbürger damit herum.“

Es gibt viele technische Erfindungen, die von den Bürgern nicht gutgeheißen werden, hält der Rathausschef dagegen. Dabei mache man sich im Vorfeld zu wenig Gedanken, was für Auswirkungen diese auf die Region haben werden. „Solange das nicht klar ist, bin ich auch nicht dafür“, sagt er entschieden. Dies sah die Mehrheit des Bauausschussses genauso und lehnte den Antrag von Willibald Hackl ab. „Nur weil man heute etwas ablehnt, heißt es nicht, dass das in Zukunft auch noch so sein wird“, sagt der Gemeinderat unbeeindruckt von der Entscheidung. Die Diskussion sei jedenfalls angestoßen und das sei ein wichtiger Schritt, glaubt er. Und damit hat er gar nicht unrecht. In einer Woche wird der Antrag auch nochmal im Gemeinderat diskutiert.

Lydia Wünsch

Kommentar

Von Visionären und Pragmatikern: 

In Putzbrunn ist noch viel Luft nach oben — auch ohne Flugtaxi

Eine spannende Diskussion in Putzbrunn zum Thema Flugtaxis. Willibald Hackl (der Visionär) und Edwin Klostermeier (der Pragmatiker) werden sich da gerade nicht einig. Auch, weil beide mit ihren Argumenten recht haben. Wenn neue Technologien nicht aufzuhalten sind, warum sich dagegen sperren? Wahr ist aber auch, dass nicht jede neue Technologien mehr Probleme beseitigt als schafft. In Putzbrunn ist die wichtigste Frage, ob schon alle Verkehrsmöglichkeiten ausgeschöpft wurden. Auf dem Boden. Um im Bild zu bleiben: Da ist noch viel Luft nach oben. Eine höhere Busfrequenz gerade nachts und beleuchtete Fahrradwege wären wichtige Anreize, damit mehr Bürger ab und an auf das Auto verzichten. Zur Erinnerung: Putzbrunn weigerte sich, das Mietradsystem einzuführen, weil der Gemeinderat die MVV-Anbindung und die Autoversorgung als ausreichend ansah. Eine Einschätzung, die Umweltschützer in die Luft gehen lässt. Aber bestimmt nicht mit Flugtaxis. 

lw

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