Neubürgerempfang: Viele verschiedene Deutsche 

Im letzten Jahr wurden im Landkreis München über 800 Menschen eingebürgert

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Taufkirchens Bürgermeister Ullrich Sander (l.), Landrat Christoph Göbel (2.v.l.) und Bundestagsabgeordneter Florian Hahn (2.v.r.) zusammen mit den Neueingebürgerten Ochmaa Göbel und Prof. Dr. Samarjit ­Chakraborty.

Bereits zum achten Mal richtete der Landkreis München einen Empfang für seine neuen Bürger aus. Von den über 800 Menschen, die seit Mai letzten Jahres den deutschen Pass bekommen haben, folgten 190 der Einladung in das Taufkirchener Kultur- und Kongresszentrum.

Ochmaa Göbel, die Gattin von Landrat Christoph Göbel, hielt die Festrede. Sie stammt aus der Mongolei und hat sich auch einbürgern lassen.

Nach der Begrüßung durch den Hausherrn, Taufkirchens Bürgermeister Ullrich Sander, folgte als prominente Festrednerin in diesem Jahr Ochmaa Göbel, die Ehefrau von Landrat Christoph Göbel. Sie stammt aus der Mongolei. Auch sie hat sich einbürgern lassen. „Ich bin Mongolin und werde es auch bleiben! Aber ich bin jetzt auch deutsch und werde zunehmend Bayerin!“, sagte sie in ihrer Festrede und betonte: „Jeder von uns ist anders. Unsere Gesellschaft ist vielfältig!“ Sie habe sich einbürgern lassen, weil sie sich selbst politisch aktiv einbringen möchte. Sie appellierte an die Gäste, Deutschland auf demokratischem Kurs zu halten und beglückwünschte alle Anwesenden.

13 Stunden dauerte der Flug aus Singapur, der den zweiten Festredner, Professor Samarjit Chakraborty und seine Ehefrau sowie insgesamt sieben Koffer im Februar 2009 nach München brachte. Die Technische Universität München hatte ihn für eine Professur nach Deutschland geholt, aktuell arbeitet er am Lehrstuhl für Realzeit-Computersysteme. „Bevor ich das erste Mal nach Deutschland kam, verband ich damit vor allem Fußball und die ausgezeichnete Ingenieurskunst“, schmunzelte Chakraborty. „Interkulturelle Erfahrungen sind für alle hier im Raum relevant!“, betonte er weiter. Aktuell setzt er sich verstärkt für indisch-deutsche Projekte an der Universität ein, in denen für ihn das deutsche Organisationstalent mit der indischen Improvisationskunst effektiv vereint werden.

Paul Hosken aus Windsor in England lebt seit 40 Jahren hier. Er gehört zu den etwa 150 Engländern, die fast 20 Prozent der Neubürger ausmachen.

Ein Großteil der Neueingebürgerten, fast 20 Prozent, stammt wie Paul Hosken aus Großbritannien. Er kommt aus Windsor, aber lebt bereits seit 40 Jahren in Deutschland. Warum er jetzt gerade einen deutschen Pass beantragt hat? „Vor dem Brexit war das nicht nötig“, sagt er. Er durfte zwar nach EU-Recht beide Nationalitäten behalten, aber ob das so bleibt, weiß er nicht. In Großbritannien durfte er schon lange nicht mehr wählen: Wer länger als sieben Jahre im Ausland lebt, hat sein Wahlrecht verloren, erzählt er. Abgesehen davon, ist er voll bayrisch integriert. Über das Schlagzeugspielen kam er zur „Historischen Gruppe Schmied von Kochel“, wo er seit 2005 im Oktoberfestumzug mitmarschiert.

Die Familie  von Seynep hat sich jetzt einbürgern lassen. Mutter Sevgi bekommt Heimweh nach Taufkirchen, wenn sie im Urlaub ist.

Die aus Italien stammende Kindergärtnerin Alberta de Prete aus Ottobrunn lebt seit 18 Jahren in Deutschland. Sie hat drei Kinder im Alter von 17, 13 und 10 Jahren, die alle in Deutschland geboren sind und sich auch haben einbürgern lassen. Sie will vor allem auch in Deutschland wählen und die Politik mitbestimmen können. Ihr Mann hat sich nicht einbürgern lassen. Er macht jetzt Witze, er sei mit einer Deutschen zusammen! Aber inzwischen wissen wohl alle Bescheid, dass es sich immer noch um die selbe Frau handelt, lacht dePrete.

Seit 1989 lebt die Familie Kaya (Name von der Redaktion geändert) mit türkischen Wurzeln in Taufkirchen. Mutter Sevgi ist in Deutschland geboren und arbeitet in der Nachbarschaftshilfe in Taufkirchen. Ihr Mann Ömer ist als Autosattler im Polizeipräsidium angestellt. Er lebt seit 27 Jahren hier. Zwei ihrer Kinder sind schon groß, der eine studiert. Die beiden jüngeren Mädels gehen in die 2. und die 5. Klasse. „Wir gehören hier her“, sagt Sevgi. „Wenn wir in die Türkei in den Urlaub fahren, bekomme ich nach zwei Wochen Sehnsucht nach Deutschland“. Sie schätzen an Taufkirchen vor allem die Schulen, die Einkaufsmöglichkeiten, das viele Grün und die Spielplätze sowie die gute S-Bahn-Anbindung.

Der offizielle Teil der Veranstaltung schloss mit dem gemeinsamen, noch etwas zögerlichem Singen der Bayern-Hymne. Die darauf folgende Deutschlandhymne hingegen erklang dann durchaus überzeugend. 

Claudia Engmann

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