Aufstellen zentraler Plakatwände bei Kommunalwahlen in Unterhaching abgelehnt

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BRK Deisenhofen zeigt in kostenlosem Kurs Anwendung von Defibrillatoren

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Wasserstoff soll Nahverkehr emissionsfrei machen

Landratsamt prüft Pilotprojekt für den Münchner Landkreis

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Im Rahmen eines Pilotprojekts könnten bald Busse im Landkreis mit Wasserstoff betankt werden.

Das Thema Elektromobilität ist derzeit in aller Munde – und das nicht nur wegen des großen Aufsehens, für das die Legalisierung von E-Scootern in Deutschland sorgte. Dass die emissionsfreien Alternativen immer mehr Aufmerksamkeit erhalten, ist ein Zeichen für einen Wandel in der Gesellschaft. Und der ist auch dringend nötig, könnte die Mobilitätswende doch schon viel weiter fortgeschritten sein.

Ein Elektrofahrzeug wird mit einem Akku betrieben – das scheint für viele selbstverständlich zu sein. Dass ein Elektroauto auch über eine Brennstoffzelle mit Wasserstoff fahren kann und dabei ebenso emissionsfrei angetrieben wird, ist dagegen nur wenigen Verbrauchern bewusst. Das Thema Wasserstoff wird in den Medien und der Öffentlichkeit geradezu stiefmütterlich behandelt. Dabei bietet es einige Vorteile gegenüber einem herkömmlichen Akkubetrieb. Gerade bei größeren Fahrzeugen ist die Technik sogar überlegen.

Das sah die CSU-Fraktion im Kreistag München genauso. Deshalb reichte sie im November 2018 einen Antrag beim Landratsamt ein, der Anfang April im Mobilitätsausschuss behandelt wurde. Sie forderte darin den Einsatz von mit Wasserstoff betriebenen Elek­trobussen im MVV-Regionalverkehr. Das Landratsamt stimmte zu, die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie als alternatives Antriebssystem im Münchner Landkreis zu berücksichtigen. Auf Bitte von Kreisrat Stefan Schelle (CSU, Foto oben), Bürgermeister von Oberhaching, wurde ein Pilotversuch initiiert, der derzeit dem Landratsamt zur Prüfung vorliegt. „Es geht darum, dass wir in einem der größten Verkehrsverbünde des Landes es auf die Reihe kriegen, mit der Technologie, die durch verschiedene Firmen eh schon im Landkreis sitzt, ein Pilotprojekt auf den Weg bringen“, betont Schelle im Gespräch mit HALLO. Wichtig sei wegen der laufenden Ausschreibungen für den Regionalbusverkehr, dass die Prüfung nun schnell gehe: „Es gibt derzeit Ausschreibungen. Das heißt immer, dass dann die nächsten acht Jahre Entscheidungen gefallen sind. Und ich möchte nicht, dass die nächsten acht Jahre die Busse in Oberhaching mit Diesel fahren“, stellt der Bürgermeister klar. Bei Bussen ist für Schelle wegen des hohen Gewichts der Akkus der Wasserstoff- dem Akkubetrieb klar überlegen: „Ein Bus muss relativ viel Kilometer fahren und ist relativ groß. Deshalb werden mehr Energie und damit größere Akkus benötigt. Dadurch steigert sich das Gewicht, was wiederum zu einem größeren Energieverbrauch führt.“

Das bestätigt auch Markus Bachmeier (Foto rechts), Leiter der Abteilung „Hydrogen Solutions“ bei Linde in Pullach und selbst Oberhachinger. Er und sein Team sind für die Forschung, Entwicklung und Kommerzialisierung von Wasserstoff-Tankstellen sowie deren Aufbau zuständig. „Bei gleicher Reichweite hat man mit Wasserstoff ein leichteres Fahrzeug. Bei Akkubetrieb müssen pro Reichweite immer mehr Batterien verbaut werden“, verdeutlicht Bachmeier. Dass batteriebetriebene Busse im Linienbetrieb nicht lange durchhalten, zeigt sich derzeit in Berlin. Dort sind momentan drei E-Busse mit Akkus unterwegs, die bereits nach halbtägigem Einsatz für mehrere Stunden zurück an die Ladestation müssen. Deren Reichweite von rund 125 Kilometern ist mit den 600 bis 700 Kilometern herkömmlicher Dieselbusse kaum vergleichbar.

Genau da können Wasserstoffbusse punkten: Nach 10 bis 15 Minuten betanken könnten diese zirka 300 bis 400 Kilometer fahren, erklärt Bachmeier. „Das ist ein ganz großer Vorteil gegenüber Batteriebussen. Eigentlich hat man damit die gleiche Flexibilität wie bei Dieselbussen.“ Außerdem sei die Brennstoffzelle gerade im Winter von Vorteil, weil dadurch das Fahrzeug auch noch beheizt werden könne und nicht so viel Reichweite wie mit Akkubetrieb verloren gehe. Weil in Wasserstoff viel Energie steckt, ist das Element ein guter Treibstoff. Doch viel Energie kann auch Gefahren bergen. Schließlich können sich wohl die meisten noch an die anschauliche Knallgasprobe im Chemieunterricht erinnern. „Die Energie, die drinnen steckt, muss man bändigen“, macht auch Fachmann Bachmeier deutlich. Der Vorteil sei, dass Wasserstoff im Industriebereich schon lange verwendet wird und dort hohe Sicherheitsstandards herrschen, die auch bei den Tankstellen Anwendung finden. Ebenso würden Fahrzeuge mit dem Antriebssystem die selben Crashtests wie herkömmliche Modelle durchlaufen.

Um aber nicht nur lokal, also beim eigentlichen Fahren, emissionsfrei unterwegs zu sein, muss allerdings auch die Herstellung von Wasserstoff grün sein. Doch wie wird das Gas überhaupt gewonnen? „Es gibt verschiedene Möglichkeiten“, erklärt Bachmeier. Es könne aus Wasserdampf und Erdgas beziehungsweise Biogas gewonnen werden. Außerdem entstehe der Stoff als Nebenprodukt in chemischen Prozessen wie zum Beispiel der Chlor-Alkali-Elektrolyse. „Diese Methode wird derzeit zum Beispiel für Busse in Köln genutzt“, so Bachmeier. Auch werde die Wasserelektrolyse immer häufiger verwendet. Im Idealfall wird dazu mit erneuerbarem Strom Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Ganz deutlich betont Bachmeier: „Das Ziel ist, mit möglichst viel erneuerbaren Energien Wasserstoff zu erzeugen. Dennoch ist es wichtig zu wissen, dass der CO2-Ausstoß mit Wasserstoff, auch wenn der Stoff mithilfe von Erdgas hergestellt wird, etwa 30 Prozent geringer ist als bei Benziner und Diesel.“ Den Vorteil von Wasserstoffbussen haben andere Kommunen schon früher erkannt. So gibt es derzeit Projekte im Rhein-Main-Gebiet, in Bozen und im Ruhrgebiet.

Die Technologie für die In­frastruktur ist vorhanden, das Gas kann hergestellt werden und immer mehr Anbieter produzieren die Busse. Wann wird also im Münchner Landkreis losgelegt? „Ich kann mir vorstellen, dass es sofort losgeht – weiß aber, dass das nicht funktionieren wird“, erklärt Bürgermeister Schelle. „Es gibt viele kleine Bausteine, die muss man sammeln und in ein Puzzle zusammenfügen. Rein technisch kann das schnell funktionieren. Aber es geht eben auch um Vergaberechte, Finanzierungen und Sicherheitsaspekte“, so der CSU-Politiker weiter. Zumindest erste Tests könnte es, wenn es nach Schelle geht, schon bald geben: „Es gibt die Hoffnung, dass wir dieses Jahr zumindest mit einem Bus mal loslegen und ihn testen können.“ Der MVV erklärt in seiner Stellungnahme an das Landratsamt die fehlende Infrastruktur als dringlichstes Problem. Das sieht Stefan Schelle anders: „Bei Tankstellen bin ich sehr zuversichtlich, dass man das schnell lösen kann. Es gibt zum Beispiel mobile Lösungen.“ Auch Linde bietet solche mobilen Tankstellen an. „Die sind für Tests sinnvoll“, bestätigt Bachmeier. „Sobald es aber in den Regelbetrieb geht, wären feste Tankstellen die bessere Lösung.“

Dass so ein Pilotprojekt auch scheitern kann, zeigte sich Anfang des Jahres bei der Hamburger Hochbahn. Diese sortierte ihre vier Wasserstoffbusse, die im Testbetrieb fuhren, wieder aus. Kreisrat Schelle sieht darin aber kein Hindernis, es im Münchner Landkreis zu probieren: „Wenn man nichts macht, macht man keine Fehler. Das ist richtig, aber nicht mein Ansatz von Politik. Wir sollten die Erkenntnisse, die bereits da sind, nutzen und mit Herstellern schauen, was möglich ist und wie man es besser machen kann.“

Iris Janda

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