Konzept „Wohnen für Hilfe“ im Landkreis

Eine Wohnung gesucht, ein Zuhause gefunden

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Richardson Razafijoelina und Dee Pattee bilden dank „Wohnen für Hilfe“ eine Wohngemeinschaft.

Im Rahmen des Konzepts „Wohnen für Hilfe“ wohnen junge Menschen oder Studenten mit hilfsbedürftigen Menschen in einer WG zusammen und übernehmen kleinere Dienste im Haushalt. Im Gegenzug zahlen sie weniger Miete. HALLO sprach mit einem Wohnpaar aus Unterhaching: dem 23-jährigen Richardson Razafijoelina und der 90-jährigen Dee Pattee.

Auf dem Tisch liegen Untersetzer verschiedener Länder, darunter einer, der die Vereinigten Staaten von Amerika zeigt. Daneben steht ein Teller mit selbstgebackenen Ingwer-Keksen. Eine amerikanische Spezialität, versichert die Bäckerin Dorothea Pattee. Die 90-jährige Amerikanerin backt gerne – doch lieber lässt sie sich bekochen. Diesen Job übernimmt ihr 23-jähriger Mitbewohner Richardson Razafijoelina aus Madagaskar. Beide leben seit fünf Wochen zusammen im Haus von Dee, wie die Seniorin von allen genannt wird, in Unterhaching.

Beide haben das Projekt „Wohnen für Hilfe“ in Anspruch genommen. Seit 20 Jahren vermitteln Mitarbeiter des Trägers Seniorentreff Neuhausen, junge Menschen mit wenig Geld an ältere Menschen, die Wohnraum haben. Für das günstigere Wohnen müssen die jungen Menschen kleinere Arbeiten im Haus erledigen. In der Regel sollte pro Quadratmeter Wohnraum eine Stunde pro Monat geholfen werden. Nicht so bei Richardson Razafijoelina und Dee Pattee.

Er bewohne ein 16 Quadratmeter großes Zimmer und helfe, wo er kann, berichtet der 23-Jährige. Am liebsten koche er. „Doch ich helfe auch im Garten! Wenn Arbeiten anfallen, mache ich diese. Ich denke aber nicht darüber nach, wie lange ich arbeite oder wie oft. Ich mache das, weil ich mich hier zuhause fühle. Und zuhause kümmert man sich um solche Sachen“, sagt Razafijoelina. Dee Pattee hatte schon mehrere Mitbewohner, seit ihr Mann vor sechs Jahren gestorben sei, erzählt sie. Zuerst seien es Bekannte aus Amerika gewesen, die in Deutschland studiert oder unterrichtet hätten. Doch nach einiger Zeit seien alle wieder in ihre Heimat gegangen. Schließlich habe ihre Tochter das Konzept „Wohnen für Hilfe“ entdeckt. Träger dieses Kooperationsprojekts ist in Stadt und Landkreis München der Seniorentreff Neuhausen. Der Unterhachingerin schlugen die „Wohnen-für-Hilfe“-Verantwortlichen drei Kandidaten vor. Die ersten zwei passten nicht so recht. „Als drittes kam Richardson und es passte auf Anhieb“, erklärt die ältere Dame.

Richardson Razafijoelina, der in der Jugendsozialarbeit tätig ist, hatte sich nach seiner Ankunft in Deutschland bei der Wohnungssuche schwer getan. „Zuerst war ich in einer Wohngemeinschaft. Dann erzählte mir eine Freundin von ‚Wohnen für Hilfe‘. Ich rief direkt an und nun kann ich bei Dee wohnen!“ Seine Arbeitskollegen fänden es toll, dass er sich um Dee Pattee kümmere. Wobei: Laut Razafijoelina können sich seine Freunde nicht vorstellen, mit einer alten Frau zusammen zu leben und im Haushalt zu helfen.

Für Pattee war von Anfang an wichtig, dass „man einen Pluspunkt“ hat. Den sieht sie in den Sprachkenntnissen des Madagassen: Razafijoelina spricht nämlich neben Deutsch auch Französisch. Da Pattee seit frühester Kindheit selbst Französisch spricht, kann sie sich so mit ihrem Mitbewohner mehrsprachig unterhalten. Und auch Razafijoelina profitiert von der US-Amerikanerin: „Dank Dee kann ich wunderbar mein Englisch verbessern!“ Dabei hilft ihm auch ein gemeinsames Ritual, dass er mit Dee Pattee seit wenigen Wochen pflegt.

 Die beiden schauen die Serie „Golden Girls“ – auf Englisch mit Untertiteln. So ist sichergestellt, dass auch wirklich beide die Geschichten um die lustige Rentnerinnen-WG aus Florida verstehen... im

Konzept: Wohnen für Hilfe

Das Konzept Wohnen für Hilfe gibt es bereits seit 20 Jahren. Es bringt junge Wohnungssuchende mit älteren Menschen, die Wohnraum zur Verfügung haben, zusammen. Der Wohnungssuchende leistet dann pro bewohnten Quadratmeter eine Stunde Arbeit im Haus. Dafür zahlt er weniger Miete. Wer Interesse an dem Wohnkonzept hat, findet weitere Informationen im Internet unter www. wohnen-fuer-hilfe.info/muenchen.php. Auskunft geben auch Brigitte Tauer und Ursula Schneider-Savage unter Telefon 13 92 84 19 20.

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