Kommt nach dem Brief die Demo?

Kinder setzen sich in Unterhaching für den Lärmschutz ein

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Jakob Volkmer (l.) und Elias Roßmüller sowie die Kinder aus ihrer Nachbarschaft wollen nicht länger unter dem Lärm von der Autobahn leiden.

In einem Brief an den ­Bürgermeister fordern zwei Unterhachinger ­Schüler den Bau einer Lärmschutz­wand – und würden dafür auch auf die Straße gehen.

Aktuell steht durch die Fridays for Future das politische Engagement junger Menschen im Fokus. Und tatsächlich scheinen die Schüler damit etwas bewirken zu können. Auch die elfjährigen Unterhachinger Elia Roßmüller und Jakob Volkmer möchten politisch etwas in ihrer Gemeinde bewegen. Sie haben dem Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) einen Brief geschrieben. Darin fordern sie eine Lärmschutzwand an der A995 und der A8. Ob sie mit ihrem Einsatz etwas an der Situation ändern können?

Die beiden Schüler des Lise-Meitner-Gymnasiums beklagen, dass sie durch den Lärm von der A995 in der Nähe ihres Wohngebietes oft Schlafpro­bleme haben. Dadurch könnten sie sich in der Schule nicht mehr konzentrieren. Neben den beiden Initiatoren haben viele weitere Kinder aus der Nachbarschaft den Brief unterschrieben.

Der Lärm durch die naheliegende Autobahn ist schon lange ein Problem in Unterhaching. Wortführend beim Thema Lärmschutzwand ist Catia Hilgart, die dem Bürgermeister vorwirft, dem Gemeinderat mit 10 Millionen Euro eine überzogene Rechnung für den Bau vorgelegt zu haben. Ein von ihr beauftragtes Kostenangebot sieht nur 2,4 Millionen Euro für eine begrünte Lärmschutzwand vor (HALLO berichtete). Hilgart unterstellt dem Bürgermeister, die Sorgen der Bürger nicht ernst zu nehmen. Auch Elias und Jakob äußern sich enttäuscht: Bei einem Rathausbesuch in der vierten Klasse hätten sie vom Ortsvorsteher eine unzufriedenstellende Antwort zum Thema Lärmschutz bekommen. „Er hat gesagt, der Gemeinderat ist dagegen“. Das bestätigt Panzer auch im Gespräch mit HALLO: „Für mich zählt die Meinung des Gemeinderats – und das ist auch das, was ich jedem, der mich da­rauf anspricht, sage.“ Doch die Schüler geben nicht auf und wollen durch ihren Brief mehr Aufmerksamkeit erzeugen. Sie wünschen sich, dass der Bürgermeister die Anwohner mit ihrem Problem respektiert und erkennt, wie schlimm die Situation für die Kinder ist.

Angesprochen auf den Brief der Gymnasiasten zeigt sich Panzer vom Engagement der Kinder begeistert: „Das geht alle Altersklassen an: Wenn sich jemand für seine Umwelt sinnvoll interessiert, ist das eine tolle Sache“. Allerdings kann er den Wunsch der Kinder nicht erfüllen: Alle drei großen Fraktionen im Gemeinderat (SPD, Grüne, CSU) haben im Herbst 2018 die Aufstellung eines Bebauungsplans abgelehnt. Und ohne diesen könne er nicht weitermachen. Die Kosten-Nutzen-Abwägung des Baus eines Walls habe zu dieser Entscheidung geführt. Und die Höhe dieser Kosten berechne sich aus einem Lärmschutzgutachten. „Ich gebe alles nur so weiter, wie es aus dem Gutachten ersichtlich ist“, erklärt der Bürgermeister. Laut Panzer fehlten in der Kostenaufstellung von Catia Hilgart unter anderem der Posten für die Grundstücksprüfung sowie die Unterhaltskosten, die die Gemeinde 30 Jahre für den Bau zahlen müsste. Er wolle den Bürgern nicht das Blaue vom Himmel erzählen, sondern nach umsetzbaren Lösungen suchen. Für ihn wäre das an erster Stelle eine Senkung des Tempolimits auf 80 Stundenkilometer. Allerdings hänge diese Entscheidung vom Innenministerium ab, das aktuell eine solche Begrenzung nicht für notwendig erachtet. Dafür seien die Unfallzahlen sowie die Schadstoffemissionen auf dem Autobahnabschnitt zu gering. Anders als Elias und Jakob behaupten, sei auch ein Flüster­asphalt auf der Fahrbahn aufgebracht. Dieser sei aber nur effektiv, wenn die Autos langsamer fahren.

Was Panzer außerdem vorantreiben möchte, ist die Aufforstung des Bereichs. „Mit dem Staatsforst stehe ich in Kontakt, habe aber leider noch nichts Schriftliches dazu gekriegt.“ Die Kosten für diese Maßnahme – die sich im überschaubaren Rahmen bewegen – würde er auch übernehmen. Er ist sich sicher, dass die Aufforstung ihre Wirkung zeigen wird. „Früher war der Wald dichter, dadurch war es von der gefühlten Lärmemission deutlich leiser.“ Und Panzer macht deutlich: Man werde mit keinem Bauwerk erreichen, dass in Unterhaching eine idyllische Ruhe herrsche.

Seine Argumente hat der Bürgermeister bereits an die engagierten Schüler zugesendet. Doch diese sind mit der Antwort nicht zufrieden: „Aber Bäume – vor allem im Winter – bieten doch keinen Lärmschutz. Der will doch nur verhindern, dass eine Lärmschutzwand gebaut wird!“ Für Elias und Jakob ist der Kampf damit nicht beendet: Sie haben sich überlegt, mit den Kindern aus ihrer Nachbarschaft eine Demonstration vor dem Rathaus zu organisieren – nach dem Motto: „Irgendwie immer weiter kämpfen“. 

Iris Janda

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