Laut werden gegen Lärm

Kinder demonstrieren in Unterhaching

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Die Kinder trafen sich für die Demo auf dem Rathausplatz.

„Lärm macht krank, wir wollen eine Lärmschutzwand“ – Mit diesem Motto ging es für rund elf Unterhachinger Kinder am vergangenen Donnerstag durch die Gemeinde. Sie fordern eine Lärmschutzwand an der A8 und der A995. Mit der Aktion wollten sie mehr Aufmerksamkeit für das Thema erregen. Initiatoren waren die Elfjährigen Elias Roßmüller und Jakob Volkmer, die sich bereits vor Kurzem in einem Brief an den Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) zu diesem Thema wandten (HALLO berichtete).

Das Wetter meinte es gut mit der engagierten Jugend, die sich auf dem Rathausplatz verabredet hatte. Nach und nach trafen die jungen Teilnehmer ein und berieten sich über das genaue Vorgehen. „Die Organisation hat über Whatsapp stattgefunden“, erzählt die elfjährige Madeleine, die eine Trommel um den Hals trägt. Darauf hat sie sich Parolen notiert, die sie im Chor rufen wollen. Die Kinder, die in der Nähe der Autobahnen wohnen, fühlen sich vor allem beim Schlafen von dem Lärm gestört. „Ich brauche abends wegen des Lärms zwei Stunden zum Einschlafen“, erklärt der neunjährige Paul Dickart, der am Perlacher Forst wohnt. Moritz Mühe hat sich direkt nach der Schule aufgemacht, um bei der Aktion mitzumachen. Auch er wünscht sich dringend eine Lärmschutzwand, um wieder besser schlafen zu können.

Moritz Mühe hat genug vom Lärm.

Nachdem Elias eine Runde Gummibärchen zur Stärkung verteilt hat, starteten die Kinder vom Rathausplatz in Richtung Kubiz. Mit Trommel, Trillerpfeife und einem kleinen Megaphon sowie selbstgemalten Plakaten ausgestattet, waren die Demonstranten gut gerüstet. Und dank des ­Geräuschpegels war ihnen die Aufmerksamkeit vieler Passanten sicher. Einige blickten interessiert und leicht amüsiert auf die Demon­stranten, der ein oder andere rief ihnen aber auch einen Spruch hinterher. „Wenn ihr gegen Lärm seid, müsst ihr leiser demonstrieren“, meinte etwa ein Jugendlicher. Auch ein Teil der Kinder stellte fest, dass es widersprüchlich sei, selbst so viel Krach zu erzeugen. „Aber damit machen wir den Menschen doch klar, dass Lärm blöd ist“, macht Madeleine deutlich. Das leuchtete bei den anderen ein und so hielten die Kinder an ihrer Taktik fest. Allerdings musste beim Stopp am Kubiz ein neuer Spruch her. Dort stieß auch das Ehepaar Irene und Paul Rottenwallner auf die Gruppe. „Eine schöne Aktion, nur schade, dass nicht so viele gekommen sind“, bedauert Irene Rottenwallner. Die Demonstration hätte noch besser beworben werden müssen. Auch sie ist überzeugt, dass eine Lärmschutzwand der einzige effektive Weg zur Problemlösung sei. Sie selbst wohne in der Waldstraße und je nach Windrichtung wären sie massiv vom Lärm betroffen. „Manchmal ist es auf der Terrasse wie auf einem Autobahn-Rastplatz“, kommentiert ihr Ehemann die Situation. Eine Aufforstung, wie sie Bürgermeister Panzer plane, habe ohne Lärmschutzwand keinen Nutzen. Früher gab es nur eine einfache Holzwand und diese habe schon viel geholfen.

Auch die Kinder knöpften sich beim Weitermarsch das Thema Aufforstung vor: „Nichts bringen Bäume, noch nicht mal schöne Träume“. So ging es weiter am Gymnasium vorbei Richtung Eisdiele. Danach liefen die Kinder wieder Richtung Kubiz. Dort fand am Abend eine Bürgerversammlung mit Bürgermeister Wolfgang Panzer statt. Auch dabei gab das Thema Lärmschutz erneut den Ton an.

Iris Janda

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