„Das ist doch Wahnsinn!“

Kiga Sternschnuppe erhitzt Gemüter 

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Durch die undichten Fenster im Unterhachinger Kindergarten kann die kalte Winterluft auf Bodenhöhe — wo die Kinder spielen — hineinziehen. Das monierten die Eltern.

Zunächst war die Stimmung feierlich in der jüngsten Sitzung des Unterhachinger Gemeinderats am vergangen Donnerstag. Gemäß des Weiberfaschings lagen Krapfen auf den Tischen und Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD, Foto) ließ sich von Grünen-Rätin Christine Helming bereitwillig die Krawatte abschneiden. Doch dann wurde der Ton rauer im normalerweise doch so friedlichen Unterhachinger Gemeinderat.

Grund für den Ärger: der Kindergarten Sternschnuppe an der Robert-Koch-Straße. Drei Eltern waren in die Bürgerfrage-Viertelstunde gekommen, um das Gremium auf Mängel in der Einrichtung aufmerksam zu machen. Eines der Probleme: die Kälte. Zwar sei die Heizung vergangenes Jahr saniert worden, doch würde die Wärme im hintersten Gruppenraum nicht ankommen, monierten die Eltern. Grund hierfür sei ihrer Meinung nach die mangelnde Isolation der Rohre. „Dort ist es oftmals so kalt, dass die Kinder auf die anderen Gruppen aufgeteilt werden müssen“, berichtete ein Vater. Hinzu komme der Umstand, dass viele der alten Fenster undicht seien und die kalte Winterluft hereinziehen würde. „Genau auf Bodenhöhe, wo die Kinder spielen“, ergänzte eine der Mütter.

Außerdem monierten die Eltern, dass es auf den Toiletten keine Klobrillen gebe. „Die Kinder sitzen direkt auf dem kalten Porzellan!“ Dieser Umstand sei zwar nicht bedrohlich, dennoch sei der Krankenstand bei den Kindern sehr hoch. Die Eltern fragten, wie der Zeitplan für die Generalsanierung aussehe und welche Auswirkungen diese auf den Betrieb habe. „Diese Frage kann ich nicht in drei Sätzen beantworten“, erwiderte daraufhin Bürgermeister Panzer. Derzeit plane die Gemeinde nämlich den Bau eines „Kinderhaus plus“ am Oberweg, weswegen der genaue Bedarf für Kindergartenplätze in der „Sternschnuppe“ noch unklar sei. „Alles weitere läuft derzeit noch an, der Kindergarten selbst ist allerdings technisch überprüft“, so Panzer weiter. Zwar gab der Bürgermeister zu, dass es sich um ein altes Gebäude handle, das allerdings „in einem Zustand ist, in dem ein Kindergarten betrieben werden kann“. Außerdem werde die Gemeinde die sanitären Anlangen noch in diesem Jahr sanieren — 68.000 Euro seien hierfür in den Haushalt eingestellt. „Von Mängeln an der Heizung ist mir nichts bekannt“, fügte Panzer etwas harscher hinzu. Keiner habe ihn oder seine Mitarbeiter im Rathaus bisher darauf angesprochen. Da könne er dann auch nichts machen. „Wenn Sie das wollen, schließen wir den Kindergarten für eine Grundsanierung, aber wo bringen sie dann Ihre Kinder unter?“, fragte Panzer die Eltern.

Diese Aussage empfand eine der Mütter offenbar als Drohung, ihr platzte der Kragen: „Das ist doch alles Wahnsinn!“ In den unverputzten Wänden würden Löcher klaffen, Nägel schauten raus, an denen sich die Kinder verletzten könnten. „Dafür sind Sie verantwortlich Herr Bürgermeister“, echauffierte sich die Mutter.

Daraufhin wurde auch der Tonfall des Bürgermeisters etwas lauter: „Ich kenne nicht jeden Nagel und jedes Loch in der Einrichtung persönlich“, erwiderte er sichtlich verärgert. Zudem sei es Aufgabe der Kindergartenleitung, die Gemeinde auf derlei Mängel hinzuweisen. „Sonst haben wir ein personal-rechtliches Problem“, so Panzer.

Indes sprang CSU-Rätin Julia Mittermeier den Eltern zur Seite: „Ihnen dürfte das Problem nicht ganz unbekannt sein“, sagte sie an Panzer gewandt. „Ich habe es bereits in der November-Sitzung des Gemeinderats angesprochen.“ Des Weiteren finde sie es unangebracht, mit einer Schließung zu drohen und der Kindergartenleitung den Schwarzen Peter zuzuschieben.

Grünen-Rätin Claudia Köhler versuchte die Gemüter mit dem Vorschlag „gemeinsam mit Eltern und Leitung den Kindergarten anschauen“ zu beruhigen. Mit Bürgermeister Panzers Antwort, man könne gemeinsam mit dem Bauausschuss — dem laut Panzer zuständigen Gremiums — einen Außentermin veranlassen, war die Diskussion vorerst beendet. Doch wenig später, bei der Besprechung des Haushalts, kam das Thema einmal mehr zur Sprache. Diesmal ergriff Peter Wöstenbrink das Wort: „Wir beschäftigen uns ordentlich mit der Kinderbetreuung, unseren Kindern soll es gut gehen“, so der SPD-Rat. Dies sehe man an den Ausgaben, die in die Versorgung der kleinsten Unterhachinger fließe. In Zahlen sind es knapp 1,7 Millionen Euro, die heuer in den Ausbau der Kinderbetreuung fließen. Doch von all dem bekamen die Eltern nichts mehr mit — sie hatten den Saal bereits nach der Bürgerfrage-Viertelstunde verlassen. Das bedauerte Christine Helmig (Grüne): „Ich finde es schade, dass die Eltern schon weg sind“, sagte sie. „Sonst würden sie sehen, was wir im Bereich Kinderbetreuung alles tun!“

tb

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