„Nicht blauäugig durch die digitale Welt laufen“

Joachim Herrmann spricht in Oberhaching über Cyberkriminalität

Innenminister Joachim Herrmann beim Wirtschaftsforum in Oberhaching.
+
Innenminister Joachim Herrmann beim Wirtschaftsforum in Oberhaching.

Der Gewerbeverband Oberhaching (GVO) hat am vergangenen Dienstag sein sechstes Wirtschaftsforum veranstaltet und Oberhachinger Unternehmer eingeladen, sich mit dem Thema Cyberkriminalität und Sicherheit im Internet auseinanderzusetzen. Als Gastredner trat unter anderem der bayerische Staatsminister des Inneren, für Bau und Verkehr, Joachim Herrmann, auf.

„Cyberkriminalität ist ein wichtiges aber unterschätztes Thema“, begründete der Vorsitzende des GVO, Christoph Müller-Brandt, die Wahl des diesjährigen Themas für das Wirtschaftsforum. „Die Gefahr, die im Netz lauert, ist im unternehmerischen Alltag kaum präsent, kann jedoch einen existentiellen Schaden anrichten“, so Müller-Brandt. Letzteres bewies der IT-Spezialist und Comedy-Hacker Tobias Schrödel auf eindrucksvolle Weise. Unterhaltsam zeigte er die Gefahren im Netz nicht nur theoretisch auf, sondern demonstrierte durch Live-Hackings, wie schnell und einfach Passwörter geknackt oder Smartphones gehackt werden können. Der Erwerb eines Datensatzes, beispielsweise eines Online-Shop-Kunden, sei im sogenannten Darknet quasi ein Kinderspiel. Seine eindeutige Botschaft an die Zuhörer: „Überlegen Sie sich gute Passwörter, schalten Sie Bluetooth und WLAN häufiger mal aus und schalten Sie Ihr Hirn ein, wenn Sie E-Mails beantworten oder im Netz unterwegs sind!“ Mit diesen Worten übergab er dem bayerischen Staatsminister Joachim Herrmann ein begeistertes, aber auch nachdenklich gestimmtes Publikum.

Herrmann indes griff die Botschaft seines Vorredners auf und bat das Auditorium, „nicht vollkommen blauäugig durch die digitale Welt zu laufen“. Obwohl die Digitalisierung riesige Chancen biete und aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken sei, seien die Gefahren gerade für Unternehmer erheblich. Im vergangen Jahr seien 25.000 Delikte im „Tatort Internet“ gemeldet worden, so der Minister. Der entstandene Schaden belaufe sich auf 17,5 Millionen Euro. Herrmann geht davon aus, dass die Dunkelziffer in beiden Fällen um ein Vielfaches höher sei. Kurz beschrieb er, was sich hinter den Schlagwörtern Cyber-Spionage beziehungsweise Cyber-Sabotage verbirgt. Im ersten Fall handele es sich um Industriespionage. Hierfür werde eine Schadsoftware illegal auf die Rechner eines Unternehmens installiert. Diese Software ermögliche es zum Beispiel, einen kompletten Entwicklungszyklus eines Produktes zu verfolgen. Das Produkt könne dann ganz einfach nachgebaut und günstiger angeboten werden, da die Entwicklungskosten entfallen.

Im zweiten Fall, der Cyber-Sabotage, gehe es darum, ebenfalls durch illegale Software, einen empfindlichen Teil eines Unternehmens, zum Beispiel die Produktion, stillzulegen und das Unternehmen zu erpressen. „In erster Linie ist Cybersicherheit ein gesellschaftliches Problem“, mahnte Herrmann. „Dennoch nimmt der Staat seine Verantwortung sehr ernst“ und biete Hilfestellung für einen besseren Schutz, betonte der Politiker. Der Innenminister nahm in diesem Zusammenhang auch Bezug auf das IT-Sicherheitsgesetz, das kritische Infrastruktur wie beispielsweise Kraftwerke, Trinkwasserversorgung oder Elektrizitätswerke – also die „zentralen Nervensysteme unserer hochentwickelten Gesellschaft“ – besonders schütze. Er verwies zudem auf das Cyber-Allianz-Zentrum Bayern, das Unternehmern mit Rat und Tat zur Seite stehe. Zudem würden derzeit Informatiker in den Polizeidienst aufgenommen, um bessere Ermittlungserfolge zu gewährleisten.

Trotz all dieser Maßnahmen, die der Staat für die IT-Nutzer trifft, blieb dem aufmerksamen Zuhörer die unausgesprochene Wahrheit der Veranstaltung nicht verborgen: Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht. Immer wieder gelingt es Hackern, Firewalls und Sicherheitssysteme zu durchbrechen und Schaden anzurichten. Dann gilt es, Schadensbegrenzung zu betreiben und zu hoffen, den nächsten Hackerangriff besser abwehren zu können. 

san

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Kommentare