Jetzt dann bitte alle mal nett sein

Obwohl in Anspruch und Gestaltung eher schlicht, schafft es der von Taufkirchens Bürgermeister Dr. Jörg Pötke in Verkehr gebrachte „Gruß-Button“ doch, die Gemüter der Gemeinderatsmitglieder zu erhitzen.Foto: privat

Trotz gegenteiligen Gemeinderatsbeschlusses hat Taufkirchens Bürgermeister Jörg Pötke im Ortszentrum „Gruß-Buttons“ verteilt. Die Mandatsträger empörten sich wegen der Aufmachung der Anstecker: Orange ist die Farbe der Freien-Gruppierung ILT. Was der Rathauschef unter dem Deckmantel der Bürgernähe betreibe, sei in Wirklichkeit eine politische Instrumentalisierung, lautet der Vorwurf der Taufkirchener CSU.

Wer gestern früh zwischen sechs und neun Uhr früh in Taufkirchen in die S-Bahn steigen wollte oder sich am Einkaufscenter aufhielt, wurde am Bahnsteig von der Lokalprominenz überrascht: Bürgermeister Dr. Jörg Pötke (ILT) und Rathaus-Mitarbeiter begrüßten die Taufkirchener per Handschlag und überreichten ihnen so genannte „Gruß-Buttons“ mit der Aufschrift „Hallo“. Die Aktion ist Teil der Initiative „Taufkirchens Bürger grüßen sich“, mit der der Rathauschef frischen Wind ins Gemeindeleben bringen will. Der Anonymität des Großstadt-Lebens soll damit der Kampf angesagt werden: „Wir sind 19.000 Bürger, wohnen alle nah beieinander und begegnen uns laufend“, umreißt er das Projektziel. „Es kostet keine Zeit, sich zu grüßen und es ist bereichernd, wenn man zurückgegrüßt wird. Probieren wir es doch einfach – jeder wie er mag!“ Zwar stehen auch die Gemeinderatsmitglieder dem Vorhaben grundsätzlich positiv gegenüber. Eines aber wollte die Mehrheit in der jüngsten öffentlichen Sitzung nicht dulden: die orangene Farbe der Sticker mit einem Durchmesser von fünf Zentimetern. Denn diese nutzt die Freien-Gruppierung „Initiative lebenswertes Taufkirchen“ (ILT), der auch Pötke angehört, für ihr Partei-Logo. Auf Antrag der CSU sollte das Projekt deswegen abgebrochen und die Sticker „umweltverträglich entsorgt“ werden, wie es Paul Haberl forderte. Auch die Mehrheit schloss sich an: Mit 14:10 Stimmen forderte das Gremium den Rathauschef auf, den mit Dringlichkeit zustande gekommenen Antrag zu genehmigen – was de facto den Abbruch der Aktion bedeutet hätte. Pötke lehnte es jedoch ab, den Beschluss umzusetzen: „Weinen Sie jetzt keine Tränen, aber alles wird genauso durchgeführt, wie geplant“, schoss er den Pfeil zurück. Er berief sich darauf, dass es sich um eine „laufende Angelegenheit ohne grundlegende Bedeutung“ handle, für die der Bürgermeister zuständig sei. Der Gemeinderat habe hier kein Weisungsrecht. Das sah die CSU anders. Gegen die Aktion könne man zwar nichts sagen, „da wir uns alles grundsätzlich einig sind, dass wir uns grüßen sollten“, hielt Zweite Bürgermeisterin Angelika Steidle fest. Wogegen sie sich aber verwahre, sei deren politische Instrumentalisierung zugunsten der ILT: „Was mich aber ganz entscheidend stört, ist die Farbe, die eindeutig einer Partei zuzuordnen ist“. Man hätte ohne Weiteres die gemeindlichen Farben schwarz-gelb wählen können. Pötke begründete die Wahl der Farbe alleine mit deren „Signalwirkung“: Schwarz-gelb sei „nicht lebendig“, zudem sei orange „die Farbe der Dienstleistung“. Rafael Sala

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