„Jedes Team braucht einen Motor“

Es ist guter Brauch

Wer denn nach der Verleihung von Ehrennadel und „Unterhaching dankt“-Urkunde trotz der mittlerweile schon vorgerückten Uhrzeit noch geblieben und zudem Liebhaber von „exakten und punktgenauen Sprachen“ und der abendländischen Kultur war und ist, der dürfte sein Bleiben gewiss nicht bereut haben. Denn Alfons Hofstetter begann seine Laudatio zu Dr. Rudolf Pesl mit den Worten: „Moris est ut ii qui in splendore animi et vitae praestantem collationem ad evolvendas humanas litteras artesque valuerant civitate donatum declarantur“. Mit dem Asterix-Latein kommt man da natürlich nicht wirklich weiter und wenn dann das kleine Latinum noch fast 30 Jahre zurückliegt, dann wird es im Hinblick auf die Übersetzung richtig happig. Aber da Alfons Hofstetter netterweise davon ausgeht, dass nicht alle im Großen Sitzungssaal des Rathauses Anwesenden über das Große Latinum verfügen oder der jüngsten Papst-Messe in lateinischer Sprache beigewohnt haben, liefert er die Übersetzung gleich mit, die wie folgt lautet: „Ja, es ist guter Brauch, auch diejenigen zu Ehrenbürgern zu ernennen, die einen hervorragenden Beitrag zur Entwicklung der menschlichen Kunst und Kultur geleistet haben“. Ein Ausspruch oder Satz, der wohl nicht nur dem Laudator zufolge „im besonderen Maße auf Dr. h. c. Rudolf Pesl“ zutrifft. Der vor fast 90 Jahren in München geborene studierte Mediziner und „Bauherr“ war und ist wohl einer der größten und bedeutendsten Kunst- und Büchersammler und Mäzene im Freistaat. In diesem Zusammenhang erwähnte Hofstetter die drei wichtigsten Stiftungen von Dr. Pesl: Zum einen die Pesl-Stiftung Unterhaching (1989 gegründet), dann die Pesl-Stiftung Bayern (1991) und nicht zuletzt die Pesl-Alzheimer-Stiftung (2006). Die Ehrenbürgerwürde der Gemeinde Unterhaching wurde Pesl vor allem deshalb zuteil, weil er der Unterhachinger Stiftung unter anderem ein Grundstück mit Wohnmuseum in der Wallbergstraße, Kunstgegenstände sowie einen Buchbestand mit einem Wert von rund 30 Millionen Euro und ein Haus in Oberammergau im Wert von zwei Millionen Euro zuführte und zudem der Gemeinde seit Anfang der 90er-Jahre jährlich 2000 Euro für kulturelle Aufwendungen stiftet. Da sich sein Mäzenatentum nicht nur auf Unterhaching beschränkte, ist Rudolf Pesl seit 1991 einer der Träger des Bayerischen Verdienstordens sowie seit 2002 Bundesverdienstkreuzträger Erster Klasse. Der 2. Bürgermeister Hof-stetter wäre allerdings nicht der alte Lateiner Hofstetter, wenn er seine Laudatio nicht auch noch mit einem weiteren lateinischen Spruch beendet hätte; da wir aber heute schon genügend Latein gepaukt haben, folgt an dieser Stelle „nur“ die deutsche Übersetzung: „Ich hoffe, dass diese Feierstunde, mit der man nicht mehr rechnete, dankbar und versöhnlich stimmt.“ Motor und Motivator Und weil eine Ehrenbürgerwürde für 2011 nicht genug ist, kam in der Gemeinderatssitzung noch ein weiterer Unterhachinger zu großer Ehre: Klaus Westmar, der erst am 12. Dezember seinen 75. Geburtstag gefeiert hatte, war schon ganz, ganz oben, bevor er sich 1967 sozusagen in die Niederungen des Hachinger Tals begab. Hierzu muss man allerdings wissen beziehungsweise es über seinen Laudator Bürgermeister Wolfgang Panzer in Erfahrung bringen, dass Klaus Westmar nach seiner Ausbildung zum Hotelkaufmann in diversen Hotels als Geschäftsführer fungierte und in Bayern dann erstmals als Geschäftsführer des Schneefernerhauses auf der Zugspitze in Erscheinung trat. 1967 zog der im oberschlesischen Gleiwitz geborene Westmar mit seiner in München geborenen Ehefrau Margarethe dann in die damals gerade mal rund 7000 Seelen zählende Gemeinde Unterhaching. Und legte dann später in Sachen Ehrenamt so richtig los, obgleich der gelernte Hotelkaufmann hauptberuflich als Einkaufschef, Einkaufskoordinator und nicht zuletzt als Chefeinkäufer für den Kasinobetrieb der größten deutschen Siemensniederlassung in der Münchner Hofmannstraße stets stark gefordert war. So stand er beispielsweise der Industrie- und Handelskammer (IHK) seit 1981 als Prüfer und Korrektor für angehende Hotelkaufleute zur Verfügung und gründete 1983 zusammen mit seiner Frau die Multiple Sklerose Selbsthilfegruppe in Unterhaching. Zudem war Westmar von 1997 bis 2001 Vorsitzender des Städtepartnerschaftskreises Unterhaching und hat sich hierbei aktiv für die Völkerverständigung in Europa eingesetzt. 2004 übernahm der mittlerweile verwitwete Klaus Westmar den Vorsitz der Nachbarschaftshilfe. In seine Amtszeit fällt unter anderem die Erweiterung um ein Tagesmutterprojekt mit Kleinkinderbetreuung in der Nachbargemeinde Taufkirchen. Wolfgang Panzer vergaß schließlich auch nicht zu erwähnen, dass Klaus Westmar auch für das KWA Wohnstift am Parksee als Hausseelsorger fungierte und langjähriges Mitglied im Trachtenverein „D’Hachingertaler“ ist. Für Klaus Westmar, auch das lässt Panzer nicht unerwähnt, ist Bescheidenheit und Zurückhaltung eine Zier. Der Geehrte, so der Bürgermeister, habe immer sehr großen Wert darauf gelegt, dass seine zu würdigenden Leistungen nur deshalb möglich gewesen seien, weil er immer „auf ein bewährtes und engagiertes Team“ zurückgreifen konnte. Aber Bürgermeister Panzer wäre nicht der Laudator Wolfgang Panzer, wenn ihm nicht dennoch noch ein paar würdigende und wertschätzende Worte zu Westmar eingefallen wären: „Jedes Team braucht einen Motor, einen Antreiber und einen Motivator. Du bist dieses zentrale Element und deshalb hast du wesentlich dazu beigetragen, dass das soziale Netz in Unterhaching ein ganzes Stück dichter gewebt ist als anderswo. Es ist mit dein Verdienst, dass alte und kranke Mitbürger und solche, die aus anderen Gründen Unterstützung brauchen, einen Anlaufpunkt für Hilfe und Rat haben. Dafür ist dir die Gemeinde zu sehr großem Dank verpflichtet“. Um schließlich noch mit einem um einen eigenen Satz ergänzten Bonmot von Wilhelm Raabe zu enden: „Die meisten Menschen sind Münzen, nur wenige sind Prägestöcke. Du bist einer dieser wenigen Menschen!“. – ja –

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