Grüne Sauerlach kritisieren Energievergeudung beim veralteten Container des Jugendzentrums

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Der Verein Integra in Taufkirchen und Unterhaching zeigt, wie Inklusion bereits seit 1991 gelebt wird

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34.000 Quadratmeter Shanghai

High-Tech-Konzern „Phicomm“ baut Europazentrale

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200 Meter lang, 15 Meter hoch, 40 Meter breit: So wird die Europa-Zentrale von Phicomm an der Gauss-Allee entstehen, hier vom Infineon-Gelände aus gesehen. Das Gebäude ist ein Kamm mit fünf Zinken, links der Kreis für das Rechenzentrum.

Der 13. Juli war für die Gemeinde Unterhaching ein vorgezogener 24. Dezember: Ein Tag der Bescherung – oder ein Sechser im Lotto, mit Superzahl. Rund eineinhalb Stunden lang präsentierten Bauherr und Architekten ihr Geschenk: Den Neubau der Europazentrale des chinesischen High-Tech-Konzerns Phicomm (sprich: Feikomm), der in den nächsten Jahren am Nordrand der Gemeinde entstehen soll.

Geschätzte 100 Millionen Euro wird das Unternehmen am Nordrand Unterhachings verbauen, damit 1200 Arbeitsplätze schaffen und der größte wirtschaftliche Faktor und Steuerzahler im Ort werden.

Klar, dass der Vortrag am Ende mit Applaus quittiert und die beantragten elf Änderungen des Bebauungsplans ohne Gegenstimmen genehmigt wurden. Im Gebäude sollen sich auch fremde Firmen ansiedeln, es wird eine Kantine, eine Küche und einen Speisesaal enthalten, jedoch keine Kinderbetreuungseinrichtung. Wirtschaftsreferent Simon Hötzl, der den weißen Elefanten in die Gemeinde gelotst hat, stellte den Tagesordnungspunkt unter Hinweis darauf vor, dass es sich bei Phicomm gar nicht um einen Konzern aus Shanghai, sondern eine GmbH aus Unterhaching handele. Denn das Unternehmen führt seine Europa-Zentrale bereits seit 2012 in der Landkreis-Gemeinde und macht jetzt Ernst mit deren Ausbau. Diesen Punkt betonte auch Geschäftsführer Jie Lin, der persönlich eng mit der Gemeinde verbunden ist, hat er doch zehn Jahre in Unterhaching gelebt. Und noch eine vermutete Angst wollte er den Gemeinderäten nehmen: „Es werden keine 800 Chinesen aus Shanghai kommen.“ Dabei ist die Angst, dass die chinesische Firmenzentrale in Wahrheit nur ein heruntergekommener Reifenhandel ist, aktuell wohl viel virulenter, wie der Fall des Flughafens Frankfurt-Hahn zeigt, der immerhin zu einem Misstrauensantrag gegen die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz führte.

Doch Unterhaching hat Frankfurt, genauer die hessische Stadt Eschborn, ausgestochen, das ebenfalls als Phicomm-Europa-Standort im Gespräch war. Ausschlaggebend dafür war, so Lin, in erster Linie die „wunderbare Forschungslandschaft“ in der Umgebung. LMU, TU, Max-Planck-Institut, Fraunhofer-Gesellschaft und Europäisches Patentamt sind High-Tech-Einrichtungen, die das nötige Personal für ein Unternehmen wie Phicomm ausbilden und bereithalten; der Vorteil gegenüber München ist die niedrigere Gewerbesteuer und „die unkomplizierte, verlässliche Arbeitsweise der Kommunalverwaltung“. Das verband Lin mit einem dicken Lob für Simon Hötzl, er sei „Schuld daran, dass wir nach Unterhaching gehen“. Lin: „Hier werden einmalige Voraussetzungen geboten.“ Er vergaß auch nicht, die Schönheit der oberbayerischen Landschaft zu erwähnen – und berührte den einzigen Punkt, der leisen Widerspruch hervorrief. Gertraud Schubert von den Grünen fürchtete: „Wir bauen sie zu, die schöne Landschaft. Wir sind hier nicht in Shanghai.“

Doch Projektleiter Jens Haake vom Dortmunder Architekturbüro Gerber prophezeite beinahe poetisch, die Landschaft werde in einen Dialog mit dem Gebäude treten, was die komplette Glasfassade ermögliche, aber Gertraud Schubert meinte: „Ich möchte lieber durchgehen als nur durchsehen können.“ Eine wichtige Frage jedoch wurde nicht ausgesprochen: Zwar will Phicomm die 1200 Arbeitsplätze in den kommenden fünf Jahren mit Personal aus der Umgebung besetzen – doch ziemlich sicher werden einige Hundert neu nach Unterhaching ziehen und dort Wohnraum brauchen. Das wird die exorbitanten Mieten in der Gemeinde nicht gerade drücken. Bürgermeister Panzer meint zwar: „Wohnungen gibt es genug in Unterhaching“, doch schränkt er gleichzeitig ein: „Natürlich hochpreisige, aber die können sich Mitarbeiter aus der IT-Branche leisten.“

Susanne Röder, Immobilienexpertin und neue Vorsitzende des Gewerbeverbands, warnt jedoch: „Die Gemeinde wird sich etwas einfallen lassen müssen.“ Viel Zeit hat sie nicht dafür…

rh

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