„Wir wollen da sein und helfen“

Unterhachingerin zaubert Klinikpatienten ein Lächeln ins Gesicht

Hannelore Botzenhardt hilft ehrenamtlich Patienten bei großen und kleinen Dingen.
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Hannelore Botzenhardt hilft ehrenamtlich Patienten bei großen und kleinen Dingen.

Unterhaching – Durch ihre Arbeit als grüne Dame, einem Besuchsdienst für Patienten die kurz- oder längerfristig im Krankenhaus liegen, ist Hannelore Botzenhardt für all diejenigen da, die jemanden um sich herum brauchen. Während ihres Besuchsdienstes hört sie zu, verteilt Liebe, Lebensfreude und Fröhlichkeit. Und das nun schon seit fast 17 Jahren. „Ich hatte immer schon gerne mit Menschen zu tun“, sagt die 71-Jährige mit einem Lächeln im Gesicht. Das war aber nicht immer so. Ihre Eltern waren beide berufstätig, hatten wenig Zeit für sie. „Ich war ein sehr ernstes Kind“, erinnert sich die fröhliche Dame von heute zurück. 

Erst als ihre Schwester acht Jahre nach ihr geboren wurde und ein Kindermädchen in die Familie kam, verschwand die Ernsthaftigkeit und verwandelte Botzenhardt in die ansteckende Frohnatur von heute. Lacht die Großmutter von zwei Enkeln, ist es, als würde all die Dunkelheit und Traurigkeit verschwinden. Eine Gabe, mit der sie für ihre Arbeit mit Krankheit und Leid besonders gesegnet ist. Ihre soziale Ader war früher schon sehr stark ausgeprägt. So kümmerte sich das Mädchen Hannelore gerne um ihre Schwester, sofern dies mit der Schule zu vereinen war. 

In ihrer Jugend rief sie einen Kummerkasten ins Leben und in der Kirche brachte sie Kindern die Losung des Tages kindgerecht nahe. Später leitete Botzenhardt sogar eine Turnriege. Sie lacht, legt den Kopf schief und erinnert sich. „Ich war keine besonders gute Turnerin, aber ich habe kleinen Kindern halt den Spaß daran beigebracht.“ Botzenhardts Jugend war also sehr geprägt von einem großen, sozialen Engagement. Als sie älter wurde, wollte sie eigentlich Kindergärtnerin werden „aber das hat meine Mutter nicht erlaubt. Früher war man ja erst mit 21 volljährig. Und meine Mutter wollte lieber, dass ich eine höhere Handelsschule besuche.“ Sie ging dem Wunsch ihrer Mutter nach, arbeitete als Sekretärin bei der Bank und zog dann aber, als junge Frau mit 23 Jahren, in die Schweiz, um dort als Arztsekretärin zu arbeiten.

In einem Sanatorium. Dort verbrachte sie anderthalb sehr schöne Jahre. „Diese kranken Patienten aber waren jahrelang in der Isolation. Die zum Großteil jungen Menschen wussten dann auch nichts mit ihrer Freizeit anzufangen und lagen teilweise betrunken im Straßengraben“, erzählt Hannelore Botzenhardt.

Die junge Dame von damals wollte helfen.

„Daraufhin habe ich den Entschluss gefasst, in die Beschäftigungstherapie zu gehen.“ Sie zog nach München, denn schon immer fühlte sie sich Bayern verbunden und erfüllte sich damit auch einen Lebenstraum. Auf ihre Wunschausbildung in der Beschäftigungstherapie hätte die junge Frau jedoch noch drei Jahre warten müssen. „Damals war ich schon 25, da habe ich gesagt: ‚Nein das dauert mir zu lange.‘ Dann habe ich die Unterlagen einer Krankenschwester bekommen. Und kam so zu der Ausbildung als Krankenschwester, in diesen medizinischen Bereich und in den Helferkreis.“ 

Drei Jahre ging ihre Ausbildung und drei weitere Jahre arbeitete sie als Krankenschwester, bis sie ihren Mann kennenlernte, mit dem sie dieses Jahr 40 Jahre verheiratet ist. Als ihre Kinder auf die Welt kamen, hörte Botzenhardt mit ihrer Arbeit als Krankenschwester auf. Sie entschied sich ganz bewusst dafür, „weil ich eine berufstätige Mutter hatte.“ Stolz sagt sie, sie hätte ihre Kinder dennoch nicht verwöhnt und sie zur Selbstständigkeit erzogen. Es war ihr jedoch wichtig, für ihre Kinder da zu sein. Obwohl sie nicht arbeitete, war sie trotzdem allemal sozial engagiert: Als Schulweghelferin. Bis dann ihr Ehemann vor über sechzehn Jahren ins Krankenhaus musste. 

Dort lernte Hannelore Botzenhardt die grünen Damen und Herren kennen. Botzenhardt wollte nie festangestellt sein, sich ihre Zeit selbst einteilen. Dass die grünen Damen und Herren ausgerechnet im neurologischen Bereich, in dem sie zuvor als Krankenschwester tätig war, noch jemanden suchten, war deshalb ein Wink des Schicksals für Botzenhardt, die mittlerweile mit dem Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten für Verdienst von im Ehrenamt tätigen Frauen und Männern ausgezeichnet wurde.

Seit beinahe zwei Jahrzehnten verrichtet sie ihr Ehrenamt 

An einem Morgen in der Woche trifft sich Botzenhardt mit ihrem Kollegen und streift sich den grünen Kittel über. Dieser wird vor allem aus hygienischen Gründen getragen, doch findet hier auch der Name „grüne Damen und Herren“ seinen Ursprung. Von Zimmer zu Zimmer geht Botzenhardt dann an einem Tag in der Woche und erkundigt sich nach dem Befinden der Patienten. Eine wichtige Arbeit, die den Patienten Mut und Hoffnung schenkt. „Wir gehören zur EKH. Das evangelische und ökomenische Kranken- und Alten Hilfe.“ Brigitte Schröder, die Gründerin des EKHs entdeckte damals in Amerika die „Pink ladies“, die sie inspiriert haben, die grünen Damen ins Leben zu rufen. 

Das war vor nunmehr 50 Jahren. Später kamen auch die grünen Herren dazu, was „die weiblichen Patienten gerne angenommen haben“, sagt Hannelore Botzenhardt mit einem Schmunzeln. Aber auch die männlichen Patienten begrüßen dies, denn zwischen Männern finden einfach andere Gespräche statt. Hannelore Botzenhardt geht in ihrer Arbeit als grüne Dame auf. Auch wenn es nicht immer einfach ist: „Momentan haben wir viele schwer kranke Patienten. Das ist natürlich nicht immer einfach. Nach unserem Besuchsdienst sprechen wir deshalb immer über das Erlebte, um es zu verarbeiten und nicht mit nach Hause zu nehmen“, eklärt sie. „Das alles funktioniert aber ganz gut. 

Und so bleibt das, was im Krankenhaus passiert, auch dort, weil wir außerdem natürlich auch der Schweigepflicht unterliegen.“ Botzenhardt bereitet die Arbeit mit den Patienten große Freude, was mit jeder Anekdote die sie erzählt, spürbar wird. „Eine der nettesten Episoden meiner Arbeit ist, dass ein Patient einmal keine Batterien mehr für sein Hörgerät hatte. Meine Kollegin trug selbst ein Hörgerät, nahm ihre Batterien raus und übergab sie dem Patienten, der dann wieder hören konnte und natürlich sehr glücklich darüber war.“ Das letzte Jahr sei für sie besonders toll gewesen. 

Fünf neue Damen durfte sie einlernen. So besonders ist das für Botzenhardt, weil der Nachwuchs bei den grünen Damen dringend notwendig ist. Viele Damen, die schon seit einigen Jahren ihren Dienst verrichten, müssen nun aufhören, weil sie über das 80. Lebensjahr hinaus sind. Botzenhardt, die Leiterin der grünen Damen der Münchner Schönklinik, freut sich auf so wichtige neue Damen, die Freude daran haben, Freude zu teilen. „Unser Credo ist: Wir schenken Zeit“. Letztendlich geht es darum, durch unsere Besuche, den Patienten wieder mehr Lebensqualität zu ermöglichen.

Melanie Schröpfer

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