Das Unterhachinger Heimatmuseum ist um eine informative Attraktion reicher

Der Hachinger Bach fließt jetzt durchs Museum

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Am Hachinger Bach entlang, ohne nasse Füße zu bekommen: Klaus-Peter Schubert (von links), Gertraud Schubert, Bürgermeister Wolfgang Panzer, Leiter des Heimatmuseums Harald Nottmeyer und Meike Gerchow.

Den gesamten Verlauf des Hachinger Bachs können Interessierte neuerdings im Unterhachinger Heimatmuseum abgehen. Gertraud und Klaus-Peter Schubert sowie weitere Mitglieder des Fördervereins haben eine besondere Karte gestaltet, die seit einigen Wochen am Boden des Museums angebracht ist. Und nun erscheint zudem eine 72-seitige Broschüre mit Informationen rund um den Bach.

Er ist 44 Kilometer lang und wirkt mal stark, dann wieder eher schwach. Mal führt eine Brücke über ihn, mal taucht er ab ins Unterirdische. Wer in Oberhaching, Taufkirchen, Unterhaching oder Perlach wohnt, der ist im schon begegnet. Doch nicht jedem ist klar, wo genau seine Quelle ist und dass er im Grunde genommen ins Schwarze Meer fließt. Rund um den Hachinger Bach gibt es viel zu entdecken und zu erforschen. Gertraud Schubert und ihr Mann Klaus-Peter sammeln seit 30 Jahren alle möglichen Informationen rund um das Gewässer, das eben durch ihren Heimatort Unterhaching fließt. „Mein Wissen gebe ich seit Jahren in Führungen am Hachinger Bach weiter“, erzählt Gertraud Schubert. Neuerdings gehen die Schuberts gemeinsam mit Interessierten den Bachverlauf ab, ohne nasse Füße zu bekommen und ohne viele Kilometer zurückzulegen. Seit diesem Sommer gibt es im Unterhachinger Heimatmuseum eine begehbare Hachinger-Bach- Karte. „Immer wieder hörte ich aus den Fragen der Mitläufer bei meinen Führungen heraus, dass sie genau wissen wollten, wo er denn herkommt und wo er genau hin fließt“, so die Bach-Expertin. Auf gewöhnlichen Karten sei der Verlauf schwer nachzuvollziehen, erzählt sie weiter. Karten bilden ja vor allem Wohngebiete und Straßen ab. „Bei unserer Karte steht der Bach im Mittelpunkt. Um sich besser orientieren zu können, kennzeichnen jeweils nur die Kirchen die einzelnen Orte“, so Schubert. Als das Unterhachinger Ehepaar begann, den Verlauf „ihres Baches“ abzubilden, rollten sie zunächst eine Tapetenrolle auf dem Boden aus. „Meike Gerchow, Mitglied des Förderkreises vom Heimatmuseum, hatte dann die geniale Idee, dass wir die Karte nicht an die Wand hängen, sondern am Boden befestigen könnten“, so Schubert. Für die Wand sei sie ja wohl zu lang. Denn: Die oberste Quelle des Hachinger Baches ist bereits in Aufhofen. In Berg am Laim versickert er nicht, sondern fließt mal unter-, mal oberirdisch weiter bis nach Finsing, wo er in den Isarkanal mündet. Im Maßstab 1:3300 fließt der Hachinger Bach nun durchs Unterhachinger Heimatmuseum, auf einer am Boden befestigten, neun Meter langen Karte. „Wir haben uns auf wenige Angaben auf der Karte beschränkt, also nur die Verläufe der Waldgebiete, der S-Bahnen und Autobahnen eingezeichnet.“ Die Kirchtürme zeichnete die Unterhachingerin selbst. Ihr Mann Klaus-Peter verbrachte mit der technischen Umsetzung viele Stunden am Computer. „In drei Teilen musste unsere Karte gedruckt werden“, erzählt Schubert. „Da hatte ich dann bis zuletzt doch Herzklopfen, ob die Anschlussstellen der Kartenteile jeweils passen oder ob es irgendwo zu weit über den Rand hinaus geht.“ Ein Fachmann, ein Bodenleger, indes verlegte den sogenannten Fotoboden. „Der Druck ist toll“, schwärmt Schubert. Doch mit Verlegung des Baches mitten ins Herzen des Museums war der Wissensdurst der Besucher nicht gestillt. Wo versickert der Bach genau? Wohin wird er umgeleitet? An welcher Stelle verliert er Wasser? Wo gewinnt er welches hinzu? „Wir fertigten also noch 60 weitere Einzelkarten mit sämtlichen Informationen an. Und mein Mann und ich führten abwechselnd so viele Besucher durchs Museum, bis wir heiser wurden.“ So war auch schon die nächste Idee geboren: Die Einzelkarten zu einer Broschüre zusammenfassen, die man kaufen kann. „Wir haben nochmal einiges aussortiert und uns auf 72 Seiten beschränkt. Aus Kostengründen ist diese auch nur spiralisiert.“ Bereits 2013 hätte sie mit Gedanken gespielt, ihr Wissen festzuhalten und als Buch weiterzugeben. „So haben wir schon vor ein paar Jahren viel Vorarbeit geleistet, als wir vom Aufhofener Weiher bis zum Ismaninger Speichersee den Bach abgeradelt sind“, erzählt sie und fügt lachend hinzu: „Wir waren überall!“ Ob am Deininger Weiher, im Truderinger Gleisbereich, in Daglfing oder im Johanneskirchner Moos. „Damals schon haben wir heftigst an allen möglichen Stellen fotografiert, so haben wir viel Bildmaterial.“ Doch man ahnt es, die Broschüre ist noch druckfrisch, da denkt Gertraud Schubert bereits an ein weiteres Projekt. „Wir wollen einen Audio-Guide für das Museum erstellen, den mein Mann und ich besprechen“, kündigt die Hachinger-Bach-Expertin an. Denn eines ist klar: In das Thema Hachinger Bach immer tiefer und tiefer einzusteigen, bereitet dem Ehepaar Schubert eine Freude, die nicht versickert. Verena Rudolf

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