Zwischen Partynächten und großen Gefühlen

Taufkirchner Band „Twiceasmad“ im Porträt

Fabian Fremuth (l.) und Vitus Lindbüchl wollen mit ihrer Band Twice­asmad durchstarten.
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Fabian Fremuth (l.) und Vitus Lindbüchl wollen mit ihrer Band Twice­asmad durchstarten.

Taufkirchen – Nach einer durchfeierten Nacht am Ostbahnhof stranden und zwischen Rausch und Müdigkeit auf die erste S-Bahn warten – wer aus München und dem Umland kommt, kennt diese Situation nur zu gut. Der Song „Raucherbereich“ der Taufkirchner Band Twiceasmad handelt genau davon und transportiert damit das Gefühl einer ganzen Generation. Hinter der Band stecken der 21-jährige Fabian Fremuth und der 20-jährige Vitus Lindbüchl. Ihre Kennenlern-Geschichte klingt ein wenig wie der Beginn einer Beziehung. Zwar waren sie auf der Walter-Klingenbeck-Realschule Taufkirchen in der selben Klasse, hatten dort aber kaum Kontakt miteinander. Musikalisch ernst wurde es erst später. „Wir waren auf der gleichen Party und ich habe Gitarre gespielt“, erinnert sich Vitus. „Danach hat mich Fabian gefragt, ob wir zusammen Musik machen wollen.“ 

Aus der musikalischen Beziehung ist mit der Zeit eine immer engere Freundschaft gewachsen. Auch bei ihrer Musik war es ein längere Findungsphase zu ihrem eigenen Stil, die noch immer nicht ganz abgeschlossen ist. Los ging es für die beiden 2017 zunächst nur instrumentalistisch. Vitus ist durch seinen Vater schon als Kind zur Blasmusik gekommen und ging in den Chor. Mit 16 hat er sich das Gitarre Spielen selbst beigebracht. Diesen Part übernimmt er jetzt auch bei Twiceasmad. Sein Bandkollege Fabian hatte früher Klavier-Unterricht, steht jetzt aber meistens am Bass oder spielt Ukulele.

Zurück zur Muttersprache 

Wer die tiefen, melodischen Stimmen der beiden hört, mag nicht glauben, dass sie zunächst gar nicht selbst singen wollten. „Da haben wir uns irgendwie gedrückt. Anfangs hatten wir eine Sängerin dabei“, meint Vitus. Erst Ende 2018 haben sie angefangen, voreinander zu singen. Mit diesem Schritt habe es für sie auch angefangen, immer ernster mit ihrer Band zu werden. Ein weiterer wichtiger Schritt hin zu ihrem eigenen Sound war der Wechsel von englischen Texten zu ihrer Muttersprache. „Ich habe letztes Jahr einfach eine Demo auf deutsch aufgenommen, aber es hat mir gar nicht so gefallen“, erzählt Fabian. „Ich habe sie dann Vitus vorgespielt, und er meinte sofort ,Wir müssen diesen Song machen!‘“ Daraus entstanden ist der Song „Raucherbereich“. 

Dabei hätten sie gemerkt, dass Deutsch das richtige für ihre Musik ist. „Das kommt bei den Leuten besser an und wir können uns besser ausdrücken“, erklärt Vitus.

Texte aus dem Leben 

Das Lied sei auch das erste gewesen, bei dem sie gemerkt haben, dass deutlich mehr Menschen als zuvor ihre Musik gehört haben. „Die Leute konnten sich mit dem Text identifizieren“, erklärt sich Fabian das positive Feedback. Auch bei live-Auftritten hätten sie gemerkt, wie die Stimmung bei „Raucherbereich“ viel besser als bei den englischen Liedern war. Inspiration für ihre Texte finden Fabian und Vitus in ihrem Leben. „Wir schreiben über das, was uns bewegt“, meint Fabian. Raucherbereich und Schwarzlicht handeln über das Partyleben junger Erwachsener. Aber es gehe nicht nur um Gute-Laune-Lieder, sie wollen die gesamte emotionale Palette junger Heranwachsender zwischen Partys, erster Liebe und beruflicher Weichenstellung abbilden. 

„Ich schreibe die Songs wie ich mich fühle, und ich fühle mich nicht immer gleich“, verdeutlicht Vitus. Meistens habe einer von beiden eine Idee und einen halbfertigen Song, der dann gemeinsam fertiggestellt wird. Entsprechend ihrer Texte sind auch ihre Hörer größtenteils zwischen 18 und 27 Jahre alt. Ein paar Ausreißer gebe es sogar, die deutlich älter sind. „Das sind aber dann hauptsächlich die Freundinnen unserer Mütter“, meint Vitus lachend. Doch wie kommen Texte über Alkohol und Cannabis durchzechte Nächte bei der Eltern-Generation an? „Das Lied hat meine Mutter glaub ich mit nichts überrascht“, erklärt Vitus grinsend. Auch wenn sie es sicherlich schön gefunden hätte, wenn über etwas anderes gesungen werde. 

Aber ihre Familien stehen voll hinter ihnen und unterstützen sie. Bei Fabians Mutter sorgte stattdessen sogar der neue Song „Fühlst du nichts“ für mehr Interesse, wie der 21-jährige Abiturient erzählt: „Meine Mum wollte gleich wissen ,Um wen geht es? Was ist das für eine Beziehung?‘“ Mit „Fühlst du nichts“, der erst am 26. Juni veröffentlicht wurde, haben sich Twiceasmad erstmals an einen emotionaleren Song herangewagt. „Die Idee dazu kommt von mir“, erzählt Vitus. „Ich habe Eindrücke aus verschiedenen Beziehungen zusammengepackt.“ Das Lied ist aus zwei Perspektiven geschrieben, ein Dialog zwischen Liebenden am Ende einer Beziehung. „Deshalb wechseln wir uns mit den Stimmen ab“, verdeutlicht Fabian. Sie wollten mit dem Lied ausprobieren, wie ihre Fans auf gefühlvolleren Stoff als bisher reagieren. „,Schwarzlicht‘ hat zwar auch etwas emotionales, aber ist nicht so nah dran an uns wie ,Fühlst du nichts‘“, meint Fabian. 

Ob die neue Facette gut ankommt, wird sich erst in den nächsten Tagen und Wochen herausstellen. Bislang sei die Resonanz positiv. „München auf die musikalische Landkarte bringen“ – das hat sich Twiceasmad zum Ziel erklärt. Es gebe zwar eine sehr gute Musikszene in der Stadt, aber niemanden, der landesweit bekannt ist. „Es wäre schon cool, wenn die Leute mit unserer Musik München in Verbindung bringen und andersrum“, erklärt Fabian. Bislang haben die beiden Jung-Musiker hauptsächlich bei Open Stages gespielt. Auch ein Auftritt in der Minna Thiel und beim österreichischen Radiosender FM4 waren schon dabei.

Auftritt ohne Mitsingen 

Dieses Frühjahr wollten sie richtig durchstarten. Geplant waren fünf Auftritte an verschiedenen Locations kurz nacheinander. „Zwei haben wir geschafft, dann kam Corona dazwischen“, bedauert Vitus die Veranstaltungsabsagen. Über Instagram haben sie mehrere Livestreams gemacht. Da sei eine ungewöhnliche Erfahrung gewesen, erklärt Fabian: „Man bekommt keine direkt Resonanz, erst später in den Kommentaren. Und es entfallen ein paar Möglichkeiten.“ Vitus ergänzt: „Ja, den Mitsingen-Part kann man weglassen.“ Sie hoffen in den nächsten Wochen einige Auftritte in Biergärten zu bekommen, mit den Organisatoren bei der Minna Thiel sind sie derzeit im Gespräch. Allerdings: „Zusagen sind momentan schwierig. Keiner weiß genau, was in ein paar Wochen ist“, so Fabian. 

Die Veröffentlichung ihrer neusten Single ist erst zwei Wochen her, die Arbeit an neuen Liedern geht aber trotzdem weiter. Bis das nächste erscheint, wollen sie zunächst die Reaktionen auf den neuesten Song abwarten. Fest steht zumindest bereits, dass die nächste Single wieder an den Stil von Raucherbereich anknüpfen wird.

Iris Janda

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