„Kein Platz für unsere Kinder!“

Gemeinde Unterhaching hat Probleme mit Mittagsbetreuungs- und Hortplätzen

Für Nelson (links) und die kleine Elisa haben Sonja Seet (2.v.l.) und Pia D‘Amico (rechts) einen Betreuungsplatz bekommen. Die Geschwister der beiden, Marlon und Luca, kommen im Herbst in die erste Klasse. Von der Betreuungsstätte „Freiraum“ bekamen die Mütter aber eine Absage.
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Für Nelson (links) und die kleine Elisa haben Sonja Seet (2.v.l.) und Pia D‘Amico (rechts) einen Betreuungsplatz bekommen. Die Geschwister der beiden, Marlon und Luca, kommen im Herbst in die erste Klasse. Von der Betreuungsstätte „Freiraum“ bekamen die Mütter aber eine Absage.

Sonja Seet und Pia D‘Amico sind verzweifelt. Die beiden berufstätigen Mütter haben bisher keinen Mittagsbetreuungsplatz für ihre Kinder bekommen, die ab September die erste Klasse der Unterhachinger Sportparkgrundschule besuchen werden. Müssen sie ihren Beruf deswegen aufgeben? Rathaussprecher Simon Hötzl versucht zu beruhigen.

Im April hat Pia D‘Amico wieder angefangen zu arbeiten. Nachdem ihre dreijährige Tochter Elisa einen Kindergartenplatz bekommen hatte, entschied sich die Unterhachingerin, wieder als Grundschullehrerin tätig zu sein. „Ich habe nicht geahnt, dass das Drama um die Nachmittagsbetreuungsplätze wieder von vorne losgehen würde“, sagt die Mutter. Denn: Ihr sechsjähriger Sohn Luca wird im September eingeschult – und müsste nach der Schule betreut werden. „Doch wir haben eine Absage von der Nachmittagsbetreuungseinrichtung ‚Freiraum‘ bekommen“, beklagt D‘Amico. Viermal so viele Anmeldungen seien bei der Einrichtung eingegangen als Plätze vorhanden sind.

Genau wie D‘Amico geht es der 35-jährigen Sonja Seet. Ihr jüngster Sohn Marlon wird ebenfalls ab Herbst die Grundschule am Sportpark besuchen. Der Schultag von Erstklässlern endet in der Regel um 11.15 Uhr, spätestens gegen 12 Uhr. Seet arbeitet allerdings bis 14 oder 15 Uhr. „Ich kann einen Sechsjährigen doch nicht allein zu Hause lassen“, sagt die Unterhachingerin. Ohne einen Betreuungsplatz müsse sie ihren Job bei einer Steuerberatungsgesellschaft wieder aufgeben. Die beiden Mütter sind sich daher einig: „Es herrscht ein Mangel an Mittagsbetreuungsplätzen in Unterhaching!“ Das belegen die Zahlen: Allein an der Grund- und Mittelschule am Sportpark fehlen rund 40 Plätze, nicht viel besser sieht es an der Jahnschule aus.

Die beiden Mütter ärgern sich über die Gemeinde. „Vergangenes Jahr war es ganz genauso“, schimpft Seet. Unterhaching habe auf einen Notfall-Plan zurückgreifen müssen. „Es wurden Container in der Jugendkulturwerkstatt aufgestellt“, erinnert sie sich. Man habe ein Jahr Zeit gehabt, die Situation zu entspannen, doch nichts sei passiert, im Gegenteil: Neue Wohnungen würden gebaut, viele Familien zögen in die Gemeinde. „Man weiß, es ist Not am Mann“, beklagt die 35-Jährige und will wissen: „Was passiert nun mit uns Eltern, die keinen Betreuungsplatz bekommen haben?“

Rathaussprecher Simon Hötzl versucht auf HALLO-Anfrage zu beruhigen: Durch den Neubau des Erweiterungsbaus der Jahnschule, den sogenannten Satelliten, würden dort drei Gruppen Nachmittagsbetreuung untergebracht. „Somit wird der Container in der Jugendkulturwerkstatt JKW wieder frei und könnte für eine Hortgruppe des ‚Freiraumes‘ zur Verfügung stehen.“ Allerdings müsse noch Personal gesucht und gefunden werden. Auch möchte die Gemeinde nochmals alle Eltern, die eine Zusage bekommen haben, anschreiben, ob der Betreuungsplatz auch wirklich benötigt wird. „Für manche kommt gegebenenfalls ja auch eine zeitliche Teilung in Frage“, hofft Hötzl. „So können wir vielleicht noch den ein oder an deren Platz dazubekommen.“ Zudem sei die Notwendigkeit eines Betreuungsplatzes durch eine Arbeitgeberbescheinigung in jedem Jahr nachzuweisen. „Alleinerziehende werden hierbei bevorzugt“, sagt Hötzl. Das verstehen natürlich auch Seet und D‘Amico.

Hötzl wiederum kann auch die Sorgen der Eltern gut nachvollziehen: „Wir sind uns darüber im Klaren, dass die Situation für Eltern und Alleinerziehende, die bisher keinen Platz bekommen haben, durchaus dramatisch sein kann.“ Trotzdem bittet er um Geduld: „Es ist uns in den letzten Jahren hin zum Schulstart immer noch gelungen, nahezu alle Kinder unterzubringen.“

Die Wurzel der Schwierigkeiten sieht Hötzl bei der Schulpolitik. „Der Schwerpunkt wird immer mehr auf Ganztagsklassen gelegt.“ In der Praxis sehe man in Unterhaching allerdings, dass die Ganztagesklassen nicht so gut angenommen werden. „Der Trend geht vielmehr zur Hort- und Mittagsbetreuung.“ Allerdings sei die Gemeinde – was die Schulpolitik betrifft – vom Freistaat Bayern abhängig. „Wir können lediglich die baulichen Voraussetzungen für zusätzliche Hortplätze schaffen“, sagt Hötzl. Der Kultur- und Sozialausschuss des Gemeinderats werde sich damit im Juni befassen. tb

Betreuung in Zahlen

In Unterhaching gibt es: 

• 859 Grundschüler (Jahnschule: 400, Sportparkschule: 459) 

• 212 neue Erstklässler ab September (Jahnschule: 99, Sportparkschule: 113) 

• drei Horte mit 152 Plätzen 

• 250 Plätze in der Mittagsbetreuung 

• 150 Plätze im Freiraum

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