Einmal hochgeladen, schnell eskaliert

Eukitea-Theaterprojekt an der Mittelschule am Sportparkt – Prävention von Cybermobbing & Co.

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Hannes Langanky vom Theater Eukitea spielt den Jungen Luke (Grüne Jacke), der sich anonymen Angriffen aus dem Internet ausgesetzt sieht. Einer der Täter, hier symbolisch mit schwarzer Maske, ist Josephine Volk.

Mobbing per Internet, also Cybermobbing, hat für alle Beteiligten oft ganz unkon- trollierte Folgen. Was passieren kann, wenn unbedacht oder freilich mit Absicht ein kompromittierendes Foto hochgeladen wird, zeigte die Theatergruppe Eukitea an der Mittelschule am Sportpark in Unterhaching. „I Like You“ so der Titel des Stücks, dem etwa 130 Fünft- bis Siebtklässler gebannt zuschauten.

Mit einfachen Mitteln bringen die Akteure die Botschaft an die Schüler und machen sie umso nachdenklicher. Auf der einen Seite der Turnhalle sitzen Zehn- bis 15-jährigen Schüler auf Matten und Bänken. Ihnen gegenüber haben Michael Gleich, Hannes Langanky und Josephine Volk von Eukitea auf Schreibtischstühlen Platz genommen. In der Rolle von Schülern tippen sie lässig in imaginäre Smartphones. Eine weiße Leinwand begrenzt ihr Spielfeld. Coole Musik untermalt das Ganze. Im Verlauf des Spiels werden das gespielte Mädchen Samira und der Junge Luke ein Pärchen. Ein scheues Küsschen besiegelt das. Im jungen Publikum löst das einen Kicher-Sturm aus. 

Das Pärchen streitet schließlich. In ihrer Wut – Pling – lädt Samira ein gemeines Foto von Luke auf einer sozialen Plattform hoch. Sie hat keinen Schimmer, was sie ihm damit antut. Das Foto macht rasant die Runde, es eskaliert. Luke ist zutiefst verletzt. Verzweifelt suchen die Freunde nach einer Lösung. Das sei eine richtig miese Aktion gewesen, sagen sie am Ende. Und die zuschauenden Schüler wissen das jetzt auch. In Workshops wurde das Gesehene gemeinsam mit den Theaterleuten noch in der letzten Woche aufgearbeitet und besprochen. „I Like You“ spielt in den Lebenswelten der Jugendlichen, ist ein Stück über Reallife und Cyberspace, macht Chancen und Risiken der weltweiten Vernetzung erleb- und begreifbar.

Seit beinahe 30 Jahren gastiert Eukitea mit mehr als 80 Eigenproduktionen an Schulen und Kindergärten. Derzeit ist das mobile Theater mit etwa 20 Stücken unterwegs, zeigt rund 450 Aufführungen pro Jahr. Nach Unterhaching an die Mittelschule geholt hat das Theater die Sozialpädagogin Julia Wien von der Jugendsozialarbeit der Schule. „Es gibt bayernweit nur zehn Schulen, die die Förderung des Bayerischen Ministeriums für Unterricht und Kultus für das Theaterstück erhalten“, erzählt sie stolz. Vormittags gab es eine Aufführung für die Schüler, abends für Eltern und ältere Geschwisterkinder. „Ohne erhobenen Zeigefinger, das ist uns ganz wichtig“, betont Michael Gleich, einer der drei Akteure. Die Theatersituation sei ein Gesprächsöffner, hole die Jugendlichen auf einer für sie erlebbaren Weise ab. „Die Schüler verstehen so anschaulich die Entstehung der Probleme und werden motiviert, bei Konflikten friedvolle Lösungen zu suchen und sich auch rechtzeitig Hilfe zu holen“, ergänzt seine Kollegin Josephine Volk. Es ginge darum, zu zeigen, mit Daten vorsichtig umzugehen und sich stets der weitreichenden Folgen klar zu sein. Denn was einmal im Internet sei, bleibe.

KRB

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