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Auf dem Weg zur Klimaneutralität

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Von: Verena Rudolf

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Das Fernwärmenetz im Unterhachinger Gemeindegebiet wird vollausgebaut.
Das Fernwärmenetz im Unterhachinger Gemeindegebiet wird vollausgebaut. © oh

Es sei ein Privileg, Fernwärme aus einer einheimischen Quelle nutzen zu können. Einstimmig, fraktionsübergreifend stimmte der Unterhachinger Gemeinderat vergangene Woche zum Vollausbau des geothermischen Wärme­netzes.

Da kommt einiges auf Unterhaching in den kommenden Jahren zu. Es wird Baulärm und aufgerissene Straßen geben, das lasse sich nicht verhindern, gibt Wolfgang Geisinger, Geschäftsführer der Geothermie Unterhaching, beim Pressegespräch am vergangenen Freitag zu. Doch mit dem einstimmigen, fraktionsübergreifenden Beschluss des Gemeinderats Unterhaching vergangene Woche zum Vollausbau des geothermischen Wärmenetztes kann nun das Fernwärme-Leitungsnetz bis zum Jahr 2027 vollständig ausgebaut werden. Jeder interessierte Unterhachinger sollen ab spätestens 2028 Fernwärme aus der heimischen Quelle nutzen können. „Wir haben das Riesenglück, eine geothermische Quelle unter unseren Füßen zu haben, mit der wir tatsächlich die gesamte Gemeinde versorgen können“, sagt Geisinger.

„Mit der Geothermie sind wir in Unterhaching seit 20 Jahren am Start“, so der Geschäftsführer der Geothermie Unterhaching. „Bisher haben wir alles so ausgebaut, wie es die Rahmenbedingungen zuließen. Unser Vorankommen ist geprägt von den Förderbedingungen.“ Lange benachteiligt, drehe sich nun die Stimmung und auch die Förder-Bereitschaft seitens des Bundes. „Der erste wichtige Schritt ist nun, dass das Bundes-Förderprogramm für effiziente Gebäude (BEG) und für effiziente Wärmenetze (BEW) in Kraft gesetzt wird“, sagt Geisinger. Von der Verabschiedung des Förderprogramms hänge der Vollausbau in Unterhaching ab. Doch Geisinger zeigt sich zuversichtlich, dass es dazu kommt. Endlich seien dann die Erneuerbaren Energien gleichgestellt mit Förderungen im fossilen Bereich. Und somit sei auch die Geothermie Unterhaching in der Lage, ganz Unterhaching an die Fernwärme anzuschließen.

Die Geothermie als großer Hebel auf dem Weg zur Klimaneutralität, das befürworten auch die Unterhachinger Grünen: „Die geplanten Zuschüsse vom Bund und die derzeit explodierenden Preise für fossile Energien sind zur Chance für den raschen Ausbau der Geothermie geworden“, teilt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen in Unterhaching, Claudia Köhler, zugleich Landtagsabgeordnete und Kreisrätin, mit.

Mit vielen Reihenhäusern gehört Unterhaching zu den am dichtesten besiedelte Gemeinden im Landkreis München. „Von 4000 beheizbaren Objekten werden wir mit Abschluss des Jahres 2022 bereits 1600 bis 1700 versorgt haben“, fährt Geisinger mit seinen Ausführungen fort. Da man nicht alle Objekte erreichen werde, rechnet er mit weiteren 1800 Anschlüssen.

Wichtig ist Geisinger hervorzuheben, dass es keinen Anschlusszwang gebe. „Als Schmankerl sehe ich aber unsere Plug&Play-Vorsorgeanschlüsse, das ist eine kostenlose Anbindungs-

leitung im Grundstück. Der Eigentümer kann sich dann innerhalb von zehn Jahren für die Geothermie entscheiden.“ Wann der einzelne Bürger sich zu diesem Schritt bewegt, sei ihm überlassen. Doch Geisinger weiß auch: „Seit drei Monaten rennen uns die Bürger die Tür ein, es gibt viele Anfragen. Wir nehmen einen massiven Druck wahr, das jetzt möglichst schnell zu machen.“ Um alle Neuanschlüsse schaffen zu können, muss die Geothermie Unterhaching ihre Geschwindigkeit beim Ausbau vervierfachen.
Dankbar ist Geisinger für die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Unterhaching, mit der man den Geothermie-Ausbau gemeinsam nun nach vorne bringen wolle. Bei den Kosten in Höhe von 70 Millionen Euro kommen 30 Millionen Euro aus kommunalen Bürgschaften. Der Geschäftsführer setzt dabei auch auf Transparenz. Ihm schwebt vor, die Bürger und den Gemeinderat halbjährlich über den aktuellen Stand zu informieren.

Personell allerdings sei der Ausbau eine Herausforderung. Doch nun könne die Geothermie endlich auch mehr Arbeitsplätze schaffen. Es sei „gut und wichtig“, dass auch die Geothermie eine „Jobmaschine“ darstelle. Weitere Mitarbeiter und Kooperationen mit Subunternehmen braucht der Geschäftsführer dringend, denn um den Ausbau durchzuziehen und den Fahrplan einhalten zu können, muss Personal aufgestockt werden.

Geisinger und sein Team wollen auf die sogenannte Einfachstrategie setzen, die eine Entscheidung für die Geothermie „so einfach wie einen Küchen-Kauf bei Ikea“ macht. Sie organisieren vom Energieberater über den Notar bis zum Heizungsbauer alle Ansprechpartner. Für den einzelnen Objekteigentümer bedeute dies einen „hohen Komfort“ mit der Entscheidung der Geothermie Unterhaching, „alles zu bündeln und für den Kunden vorzubereiten“. Ein Konzept, das auch die Unterhachinger Grünen begrüßen: „Besonders wichtig ist der Vorschlag, alle Unterstützung aus einer Hand anzubieten, die Handwerks- und Dienstleistungen zu vermitteln und damit lästige Bürokratie zu vermeiden. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass bisher viele unterschiedliche Stellen zu kontaktieren und mehrere Anträge zu stellen sind, bis endlich ein Geothermieanschluss im Haus liegt“, so Fraktionsvorsitzende Evi Karbaumer.

Der Ausbau des Fernwärmenetzes in Unterhaching wird überdies „portioniert“ ablaufen, um den Ort nicht lahmzulegen. Und Geisinger erwägt, Teams durch die Gemeinde während der Arbeiten zu schicken, die zum Beispiel Sorge dafür tragen sollen, dass die Abholung des Mülls trotz aufgerissener Straßen nicht behindert werde.

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