Ein Stück des Mittelalters steht in der Gegenwart

Dietrich Grund aus Taufkirchen veröffentlicht ein Buch seiner Forschungen 

Kirche St. Johannes.
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Die Kirche St. Johannes ist im wahrsten Sinne des Wortes „steinalt“. Das Bild zeigt die heutige Ansicht der Pfarrkirche St. Johannes des Täufers.

Früher war Taufkirchen ein Dorf mit wenigen Einwohnern, die um die St. Johannes Kirche lebten. Heimatforscher Dietrich Grund beschreibt in seinem Buch die Entwicklung der Kirche vom Mittelalter bis zur Gegenwart.

Nach Johannes dem Täufer wurde die alte Kirche in Taufkirchen geweiht. Es heißt, Johannes der Täufer wurde auf Wunsch Salomes enthauptet. Unzählige Sagen ranken sich um die schöne Tochter Herodias. So geschichtsträchtig es um Johannes bestellt ist, so geschichtsträchtig ist auch die namenstragende Kirche an der Ritter-Hilprand-Straße.

Bis in das Mittelalter lassen sich die Spuren zurückverfolgen. Heimatforscher Dietrich Grund aus Taufkirchen wandelte auf diesen und veröffentlichte nun ein 136 Seiten umfassendes Buch mit spannenden Einblicken und einer kleinen Reise durch die Zeit. Dietrich Grund erzählt, er habe sich schon immer für Politik und Geschichte interessiert. „Das habe ich dann zu meinem Hobby gemacht. Ich forsche schon seit 30 Jahren hier im Hachinger Tal. Seit ich in Rente bin, habe ich das noch weiter verstärkt und habe angefangen, auch Büchlein zu schreiben.“

Grund steckte viel Zeit in die Recherche. Wie lange er insgesamt brauchte, wisse er nicht mehr genau. „Natürlich spielen in dieses Buch alle möglichen Aspekte, die ich schon viele Jahre vorher erkundet habe. Was ich da schon über die Geschichte gewusst habe, ist mir bei dem jetzigen Buch zunutze gekommen. Ich glaube, vor zwei Jahren habe ich mich entschlossen, diese Dinge niederzuschreiben.“

Grundlegend für seine Forschung im Hachinger Tal sei das ungefähr 40 Jahre alte Buch von Pfarrer Karl Hobmair aus Oberhaching. „Und dann bin ich natürlich in die verschiedenen Archive gegangen. Praktisch war, dass die Archive alle schön zentral in München sind und man keine Reisen machen muss.“ Besonders herausragend und in Grunds Buch einem eigenen Kapitel gewidmet ist, dass die Kirche St. Johannes nicht nur sehr alt, sondern auch ein Gesamtkunstwerk der Jesuiten darstelle. Im 12. Jahrhundert entstand die Kirche, so die Schätzung.

Es gibt keine Urkunden darüber, wann genau die Kirche erbaut wurde, mit einem Augenzwinkern im Unterton sagt der Forscher: „Man hat damals noch nicht viel geschrieben.“ Und um das Jahr 1737/1738 renovierten die Jesuiten die Kirche von Grund auf und gestalteten sie im Stil des Barock um. „Das scheint mir schon ein besonderes Highlight“, so der Hobby-Forscher. „Die haben also die Sakristei verlegt, haben den Eingangsbereich neu gestaltet, also verlegt, der Kirche einen neuen Verputz und Anstrich gegeben und sie haben dann ein neues Dachwerk aufgerichtet.“

Weil das Alte morsch war, sollen die Jesuiten ein sogenanntes Scheingewölbe eingezogen haben. Scheingewölbe, das heißt, es handelt sich um kein tatsächliches Gewölbe. Dietrich Grund sagt, im Barrock habe man viel mit Tricks und optischen Täuschungen gearbeitet. „Es ist also mehr oder weniger eine flache Decke, aber man gibt ihr den Anschein, als ob sie gewölbt sei. Und dieses Scheingewölbe ist dann mit vielen Gemälden verziert worden.“

Für diese Arbeit griffen die Jesuiten tief in die Tasche. Laut dem Hachinger Heimatbuch betrugen die Gesamtausgaben 2261 Gulden, 16 Kreuzer und drei Heller.

Ebenfalls auf die Jesuiten zurückzuführen sei, dass diese ein zweites Patrozinium eingeführt haben. Was das bedeutet, erklärt Grund so: „Also die Kirche St. Johannes ist ja Johannes dem Täufer geweiht und um aber größere Möglichkeiten des Bildprogrammes zu haben, haben die Jesuiten ein zweites Patrozinium, nämlich des Johannes des Evangelisten eingeführt und haben dann zum Beispiel zentral ein Gemälde anbringen lassen, auf dem die beiden Johannes gemeinsam mit der Gottesmutter zu sehen sind.“

Eine weitere Besonderheit ist der Kirchturm, denn die Kirche hatte zunächst nur einen Kirchturmstumpf und erst 200 Jahre später ist dann der Turm auf seine jetzige Höhe aufgerichtet worden. Mehrere Male untersuchte Grund gemeinsam mit einem Bauspezialisten vom Landesamt für Denkmalpflege das Dachgeschoss und den Kirchturm.

„So habe ich etliche Besonderheiten kennenlernen können. Unter anderem, dass im Jahr 1999 das Dachwerk, das die Jesuiten im Jahr 1737/38 gebaut hatten, wieder schlecht war. Man hatte schon beschlossen, das Dachwerk ganz abzureißen und zu erneuern.“ Dann aber habe man festgestellt, dass eben dieses Dachwerk eine Besonderheit hatte – nämlich: „Balken aus einem Vorgängerdachwerk der Jesuiten, aus dem Jahr 1333.“ Die Balken waren darin verbaut. So habe man sich zur Renovierung entschlossen, die sehr aufwendig war. Doch so konnte das jesuitische Dachwerk, einschließlich der alten Balken von 1333, gerettet werden. Außerdem stellte Grund mit dem Bauspezialisten fest, dass der Turm im Wesentlichen aus Ziegelsteinen besteht und eindeutig in der Backsteingotik entstanden ist.

Der St. Johannes Kirche verdankt die Gemeinde im Übrigen auch ihren Namen, denn die Kirche ist als Eigenkirche des Bischofs entstanden und war insbesondere dafür bestimmt, als Taufkirche für das gesamte Hachinger Tal zu dienen, um dort die Leute taufen zu können.

In seinem jüngst veröffentlichten Buch geht Heimatforscher Dietrich Grund nicht nur auf außergewöhnliche Bauelemente ein. Er erzählt auch die Entwicklung der Pfarrgemeinde.

Spannend sei laut Grund daran besonders: „Die St. Johannes Kirche war zunächst mal eine eigenständige Pfarrei und ist dann aber Filialkirche von der Kirche in Oberhaching geworden. Das blieb sie auch – Jahrhunderte lang Filialkirche. Erst 1919 ist sie wieder eine selbstständige Pfarrei geworden.“ Das Mittelalter und hunderte Jahre alte Geschichte steht also in Mitten der Gemeinde Taufkirchen.

Wer mehr über die Kirche St. Johannes erfahren möchte, findet weitere Informationen in dem im November erschienenen Buch von Dietrich Grund: „Kirche und Gemeinde St. Johannes in Taufkirchen – Gesamtkunstwerk der Jesuiten“. Erwerben kann man es in der Buchhandlung oder aber auch in einschlägigen Online- Versandbuchhandlungen.

Melanie Schröpfer

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