Integration kann gelingen

Helferkreises Asyl: „Ein gewaltiger Kraftakt“

+
Koordinieren und helfen –  Irene Geiger-Schaller (v.l.), Anette von Jagow, Mia Friedinger, Peter Niedermeier, Julia Priestly, Nina Harmann, Anja Gemmer, Isabell Trapp und Joanna Nibler Mar.

Derzeit leben 252 Menschen in der Traglufthalle Oberhaching, davon ungefähr 40 Kinder. Der Helferkreis Asyl unterstützt die Caritas vor Ort tatkräftig.

Der Helferkreis Asyl hatte nicht wirklich viel Zeit sich zu organisieren. Klar war nur, die Traglufthalle kommt, die Flüchtlinge auch. Aber wer, erfuhren die freiwilligen Helfer erst, als die Flüchtlinge tatsächlich da waren. Wie geht man nun mit 252 Menschen um, die geflohen sind, kein Hab und Gut besitzen und meist schwer traumatisiert sind? Da heißt es, mit viel Einfühlungsvermögen und Sensibilität den Bedarf der Asylbewerber herausfinden und möglichst schnell handeln. Doch zunächst wurden die Schutzsuchenden mit dem Nötigsten ausgestattet – Bekleidung. Es gab es schon zwei größere Verteil-Aktionen. Zu diesem Zweck wurden zwei Container eingerichtet, die als Ausgabestation dienten. Die Bewohner der Traglufthalle konnten eine Nummer ziehen und nach Aufruf ihren Bedarf an Kleidung kostenlos decken. Mittlerweile sind alle soweit versorgt, denn die Spendenbereitschaft ist sehr groß.

Was aktuell benötigt wird, steht auf der Homepage des Helferkreises. In kürzester Zeit stellte er unterschiedliche Teams zusammen. Jedes Team deckt einen Aufgabenbereich des täglichen Lebens ab. Es ist bemerkenswert, was die 170 freiwilligen Helfer in der relativ kurzen Zeit alles auf die Beine gestellt haben. Es werden regelmäßige Deutschkurse angeboten, die immer gut besucht sind. Die Schüler bilden keine homogene Einheit. Sie haben keine einheitliche Altersstruktur, kommen aus verschiedenen Kulturkreisen und besitzen unterschiedliche Sprachniveaus. „Es ist ein gewaltiger Kraftakt für die engagierten Helfer“, erzählt Isabell Trapp, erste Sprecherin des Helferkreises Asyl. Ein weiteres Team kümmert sich um die Freizeitgestaltung der Flüchtlinge.

Beschäftigung für die Bewohner

Ein wichtiger Baustein ist die Kinderbetreuung in der Traglufthalle, die als Kindergartenersatz dient. Jeden Vormittag und jeden Nachmittag besuchen motivierte Freiwillige die Traglufthalle, um mit den Kindern zu spielen oder zu malen. Samstags findet ein Lauftreff statt, der Tanz für Kinder und Mütter am Montag. Kinderfußball wird donnerstags angeboten, Spielmöglichkeiten für Erwachsene befinden sich noch im Aufbau.

Die erste Kochgruppe für Männer fand bereits statt und war ein voller Erfolg. In Planung sind noch eine Handarbeitsgruppe, ein wöchentlicher Frauentreff und ein Gesellschaftsspiele-Treffen. In enger Abstimmung mit den Sozialarbeitern der Caritas kommen die Helfer des Bereichs Begleitung/Dolmetscher zum Einsatz. Sie begleiten die Flüchtlinge zum Arzt oder zu Behördengängen. Mit ihrer Hilfe konnten ortsansässige Ärzte eine erfolgreiche Impfaktion durchführen.

Ortsführungen wurden vereinzelt angeboten. Jeder Flüchtling erhält einen kleinen Stadtplan, der von flowconcept zur Verfügung gestellt wird. Das hört sich fast nach einem Rund-um-sorglos-Paket an. Diese Aufgabe will und kann der Helferkreis, der die Sozialarbeiter der Caritas unterstützt, auf gar keinen Fall übernehmen. „Wir bieten keine permanente Hilfe, sondern Hilfe zur Selbsthilfe. Unser Ziel ist es, die Asylbewerber zur Selbständigkeit zu erziehen“, Klärt Trapp auf. Für die Aufgaben sind die freiwilligen Mitarbeiter gut gerüstet. Der Helferkreis setzt auf die kontinuierliche Fortbildung des Teams. Supervision und Mediation befinden sich noch im Aufbau. Die seelsorgerische Betreuung erfolgt durch die Pfarrer am Ort.

Große Herausforderung für Helfer

Das Engagement birgt eine große Herausforderung für jeden einzelnen Helfer. Trotz allem Mitgefühl ist es wichtig, eine gewisse Distanz zu wahren und die Schicksale nicht zu nah an sich herankommen zu lassen. Sicherlich sind die Helfer gut beraten, sich eine große Portion Gleichmut und Gelassenheit anzueignen. Es kann schon vorkommen, dass zur verabredeten Zeit zwar der Helfer, nicht aber der Flüchtling am vereinbarten Treffpunkt auftaucht, häufig mit unvollständigen Unterlagen, die dann erst zusammengesucht werden müssen. Dennoch wird die Arbeit mit den Asylbewerbern als sehr bereichernd empfunden. „Trotz aller Unwirtlichkeit ist die Traglufthalle für viele Flüchtlinge ein Ort der Verankerung“, berichtet Anette von Jagow, die dem Team Sport, Freizeit und Kinderbetreuung angehört. „Mich berührt es zutiefst, wenn mir eine Familie einen Stuhl anbietet und mich auf einen Tee oder Mandarinen einlädt“.

Auch interessant:

Meistgelesen

Oberhachinger Bäcker gewinnt Prozess um Verkauf von Semmeln am Sonntag
Oberhachinger Bäcker gewinnt Prozess um Verkauf von Semmeln am Sonntag

Kommentare