„Raumfahrt kann zu Sicherheit, Umwelt- und Klimaschutz beitragen“

CSU-Zukunftsdialog Raumfahrt bei der IABG in Ottobrunn/Taufkirchen

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Die Mondlandung: Buzz Aldrin war mit Neil Armstrong am 21. Juli 1969 als erster Mensch auf dem Mond.

Viele Menschen können sich noch daran erinnern, was sie getan haben, als im Fernsehen – damals noch in schwarz-weiß – die ersten Schritte eines Menschen auf dem Mond gezeigt wurden. Ein einschneidendes Erlebnis im Bewusstsein der Menschheit.

Zum 50. Jahrestag der Mondlandung organisierte jetzt der CSU-Kreisverband München-Land einen Zukunftsdia­log unter dem Motto „Raumfahrt – Innovation made in bavaria“ in den Räumlichkeiten der Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft mbH (IABG) Ottobrunn/Taufkirchen. Seit Franz-Josef Strauß 1961 der Gründung des Unternehmens als Verteidigungsminister zustimmte, bestehen dessen Aufgaben in Tests und Analysen für die Auto-, Luft- und Raumfahrtindustrie, ebenso in den Bereichen Verteidigung und Sicherheit. Und diese Industrie soll sich nun mit der neu gegründeten Fakultät Luftfahrt, Raumfahrt und Geodäsie an der Technischen Universität München (TUM) mit Sitz in der Willy-Messerschmitt-Straße 1 in Taufkirchen syn­ergetisch befruchten.

Campus und Industrie oder auch „space valley“ 

Hausherr und Geschäftsführer der IABG, Rudolf F. Schwarz erinnerte daran, mit wie wenig Computerleistung Neil Armstrong damals unterwegs war. „Die Raumfahrt heute kann einen Beitrag zu Sicherheit, Umwelt- und Klimaschutz leisten“, so seine Vision. In der Zusammenarbeit mit der neuen Fakultät in nächster Nähe, die zum Wintersemester ihren Betrieb aufnehmen soll und mit weiteren 30 Professuren ausgestattet wird, sieht er große Chancen, den „Zukunftsmarkt Weltraum“ zu nutzen. Die Raumfahrt sei in den letzten Jahren einem tief greifenden Wandlungsprozess unterzogen: Sie sei kommerzieller geworden und habe mit neuen Anwendungen und Start-Ups einen weltweiten Etat von über 260 Milliarden Dollar zu verzeichnen.

Prominente Unterstützer im Bundestag Unterstützung für das Projekt bekommt Bayerns Bundestagsmitglied Florian Hahn aus Putzbrunn auch von Thomas Jarzombek, dem Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt. Man kenne sich noch aus Junge-Unions Zeiten, so Hahn. Jeder Bürger nutze 50 Mal am Tag einen Satelliten und er sehe in der Zukunft Umsätze von 500 Milliarden Dollar pro Jahr, so der stellvertretende Generalsekretär der CSU. Hier wolle Bayern und Deutschland mit vorne dabei sein. „Es liegt Zukunft in der Luft – es liegt Bayerns Zukunft in der Luft“, schloss er seine Rede.

Neue junge Unternehmen sind am Start

IABG-Geschäftsführer Rudolf F. Schwarz (l.), Thomas Jarzombek, Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt (4. v.l.), Bundestagsmitglied Florian Hahn (5.v.l.) und Moderatorin Caroline Voit (3.v.r.) mit Wissenschaftlern und Start-up Vertretern.

 Im folgenden „science slam“ gab es fünfminütige Kurzvorträge zu verschiedenen Themen in den Bereichen Raumfahrt, Technologie und Anwendungen. So will die Isar Aerospace Technologies in Gilching Nutzlasten im Weltall absetzen. In der IABG wird geforscht zum Thema Hitze- und Thermalschutzsysteme, damit die Raketen und Shuttles nicht beim Aus- oder Wiedereintritt aufgrund der hohen Geschwindigkeiten verglühen. Die Ariane works, die sich eine wiederverwertbare Trägerrakete zum Ziel gesetzt haben, wurden von Alexander Plebuch präsentiert. Außerdem entwirft an der TU München jedes Jahr eine Gruppe junger Forscher eine verbesserte Kapsel, die im Hyperloop – ein Hochgeschwindigkeitssystem von Elon Musk in Amerika – dann ausprobiert wird. Um die mögliche Abwehr von Asteroiden kümmern sich die OHB Systems AG (Sitz in Weßling) und hochkomplexe Carbonstrukturen für den Leichtbau unter anderem auch für die Europäische Weltraum­organisation ESA entwickelt Blackwave.

Thema Weltraum „erwecken“ 

„Das Thema Weltraum lag so ein bisschen im Dornröschenschlaf“ sagte Thomas Jarzombek, Bundestagsmitglied und Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrttechnik in der anschließenden Podiumsdiskussion. Doch die Anwendungen reichten von Erdbeobachtungen für die Deutsche Bundesbahn, um bei Unwettern umgestürzte Bäume auf Gleisen auszumachen, bis zu der Beobachtung von noch größeren Krisen. Insgesamt sehe er zehntausende Hightech-Arbeitsplätze in diesem Bereich in Deutschland. Man wolle in dem Gebiet für mehr Sichtbarkeit und mehr Begeisterung für die deutsche Technik sorgen.

Erste deutsche Frau soll ins All 

Dafür möchte auch die Initiative „Erste deutsche Astronautin im All“ insbesondere bei den Mädchen sorgen. Dr. Suzanna Randall, Astrophysikerin bei der ESO in Garching, einer europäischen Organisation für astronomische Forschung, ist zur Zeit „Astronautin in Ausbildung“ und will als erste deutsche Frau ins All, nachdem bereits elf Männer dort waren. Sie möchte damit insbesondere für Mädchen als Vorbild in technischen Berufen dienen. Derzeit suchen die Organisatoren um Claudia Kessler noch nach Finanziers. 50 Millionen würde das gesamte Projekte kosten, bei dem auch wissenschaftliche Experimente durchgeführt werden. Zur Anschubfinanzierung werden zunächst 5 Millionen Euro benötigt. Stefanie Herrmann vom Anwendungszentrum Oberpfaffenhofen und Gerald Hagemann, Standortleiter der Ariane Group, betonten in der abschließenden Gesprächsrunde noch einmal die Bedeutung des Forschungsdreiecks Oberpfaffenhofen, Garching und der neuen Fakultät in Ottobrunn/Taufkirchen: Der Nachwuchs mit Studenten und Start-Ups soll weiter gefördert werden. Dabei gehe es nicht unbedingt um die bemannte Raumfahrt oder darum, den Mars zu erreichen, sondern darum, Probleme auf der Erde zu lösen. 

Claudia Engmann

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