Viel Lärm um den Verkehr!

Bürgerversammlung der Gemeinde Unterhaching im Kubiz

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Bei der Bürgerversammlung in Unterhaching sprachen der Bürgermeister Wolfgang Panzer (2.v.l), Landrat Christoph Göbel (3.v.l) und Polizeichef Stefan Schraut (4.v.l) vor 160 Bürgern im Kubiz

Hitzige Diskussionen rief das Thema Lärmschutz bei der jüngsten Bürgerversammlung in Unterhaching hervor. Eine Lärmschutzwand an der A995 sowie der A8 wird es so schnell nicht geben. Immerhin konnte Bürgermeister Wolfgang Panzer der Bürgerinitiative „80/80“ leise Hoffnung machen.

Die Bürgerversammlung in Unterhaching war heuer gut besucht. Vor zirka 160 Bürgern sprachen der Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD), Polizeichef Stefan Schraut und Landrat Christoph Göbel (CSU) im Kubiz an der Jahnstraße 1 – und hatten damit ein fast volles Haus. „Dieses Jahr kamen deutlich mehr Leute als in den vergangenen beiden“, sagte Rathaus-Pressesprecher Simon Hötzl auf HALLO-Anfrage. Da seien es in der Regel knapp 100 Gäste gewesen. Ein Grund für die hohe Teilnehmerzahl könnte die derzeitige Debatte um das Thema Lärmschutz sein, das auf der Versammlung teilweise für hitzige Diskussionen sorgte. Generell habe die Gemeinde bei der Bürgerversammlung deutlich gesehen, wie sehr das Thema Verkehr die Bürger berühre, lautete das Fazit des Pressesprechers.

Im Zentrum der Diskussion stand der Lärmschutz an der Autobahn A995 sowie der A8. „Das ist ein Problem, das wir nicht lösen können“, sagte der Bürgermeister dazu und machte damit klar, dass es zunächst keine Lärmschutzwand an dieser Stelle geben werde. „Wir leben nun mal zwischen zwei Autobahnen“, sagte er. Laut Gutachten seien die Grenzwerte an Lärm nicht überschritten. Das sieht Bürgerin Catia Hilgart anders. Sie wohnt an der A995 und setzt sich seit längerem für eine Lärmschutzwand ein. (HALLO berichtete) Zur Versammlung brachte sie sogar eine Hörprobe des Autoverkehrs auf ihrem Handy mit, die mangels akustischer Verstärkung leider nicht von allen Bürgern im Raum gehört werden konnte. „Nichtsdestotrotz, ist der Lärm unerträglich“, beklagte sie. Darum wolle sie sich auch weiterhin dafür engagieren, dass eine Lösung für das Problem gefunden wird. Derzeit sammelt sie Unterschriften für eine Lärmschutzwand.

Zumindest für die Unterschriftenaktion „80/80“, die ein durchgehendes Tempolimit für die beiden Autobahnen auf 80 Stundenkilometer vorsieht, gebe es allerdings Hoffnung, meinte Bürgermeister Wolfgang Panzer. „Ein paar Verkehrsschilder aufzustellen, ist eine vergleichsweise kostengünstige Alternative zu einer Lärmschutzwand, deren Kosten sich für die Gemeinde auf bis zu 15.000 Euro belaufen könnten.“ Panzer hofft, dass bis zum nächsten Jahr genug Unterschriften zusammenkommen, um zumindest das Tempolimit auf jeden Fall durchzusetzen.

Aber auch an der Lärmschutzwand will die Gemeinde dran bleiben. „Es muss ein neues Gutachten her“, sagte Panzer dazu. „In diesem müssen Kosten und Nutzen einer Lärmschutzwand berechnet werden.“ Dieses Gutachten könne nach einer gewissen Vorlaufzeit im Juli beantragt werden, dann erst könne man in neue Verhandlungen gehen. Sowohl die Aktion „80/80“ als auch dieses Gutachten sollen der Gemeinde Rückenwind für die Verhandlungen mit der Autobahndirektion und dem Innenministerium geben. „In diesem Gutachten gehen wir den praktischen Frage nach: Was bringt eine Lärmschutzwand an der Stelle wirklich? Und was würde sie konkret kosten“, erklärte Pressesprecher Hötzl gegenüber HALLO. „Auf dieser Basis können wir ab Juli dann weiter reden.“

Auch Landrat Christoph Göbel hat eingesehen, dass der Lärm an den Autobahnen ein Problem darstellt. „Wir hatten immer das Ansinnen, hier durchgehend Tempo 80 anzuordnen“, sagte er. Das Innenministerium würde das nur eben anders sehen. Sein Fazit lautet ebenso: „Wir bleiben im Gespräch!“

Doch davon ließen sich einige Bürger nicht beschwichtigen. „Was wollen Sie mit der Aktion ‚80/80‘ erreichen“, fragte Andreas Ammersbach den Bürgermeister. „Die Leute wollen eine Lärmschutzwand“, betonte er. Seiner Meinung nach würden sich die meisten Auto- oder Motorradfahrer sowieso nicht an das Tempolimit halten. Somit sei das ganze Unterfangen sinnlos. „Da braucht nur einmal in der Nacht ein Motorradfahrer durch zu rasen und schon stehe ich senkrecht im Bett“, schimpfte er. Der Bürgermeister konnte Ammersbach nur wiederholt auf das kommende Gutachten im Juli vertrösten.

Fehlender Radweg und Parkplatz-Ärger

Auch die weiteren Wortmeldungen der Bürger drehten sich bei der jüngsten Bürgerversammlung rund um das Thema Verkehr. 

So beschwerte sich Hartmut Joithe darüber, dass der Parkplatz an der Albert-Schweitzer-Straße regelmäßig mit Anhängern und Wohnmobilen zugeparkt werde. „Auf einem öffentlichen Parkplatz dürfen alle Fahrgeräte parken, die für den Verkehr zugelassen sind“, antwortete Bürgermeister Wolfgang Panzer. Für Anhänger gebe es zwar die Regelung, nach zwei Wochen umzuparken, allerdings reiche es schon, wenn sie daraufhin den Anhänger um ein paar Meter verschieben würden, ergänzte Polizeichef Stefan Schraut. Das Problem sei dort die Rechtsgrundlage, die sich ändern müsste, um dagegen effektiv vorgehen zu können. „Ich schicke allerdings die Verkehrswache dorthin“, sagte Panzer abschließend. So könne man zumindest schon mal diejenigen aus dem Verkehr ziehen, die tatsächlich illegal dort parkten.

Auch die Oskar-von-Miller-Straße gab Anlass für eine Beschwerde an dem Abend. Der Verkehr hätte dort laut Peter Stocker deutlich zugenommen. Die einzige Möglichkeit, die Panzer dort sieht, sei ein Tempolimit von zehn Kilometer pro Stunde anzuordnen. Da es sich bei der Oskar-von-Miller-Straße um eine sogenannte Fahrradstraße handelt, wäre das zwar grundsätzlich möglich, aber realistisch gesehen schwer durchzusetzen, gab der Bürgermeister allerdings zu bedenken.

Josef Raufer monierte, dass es keinen richtigen Fahrradweg von Unterhaching nach Sauerlach gebe. Außerdem sei es ein Problem, dass die Kunden der Kaffeerösterei „Supremo“ an der Kapellenstraße regelmäßig den Gehweg zuparken würden. „Ein Fahrradweg nach Sauerlach wird kommen“, antwortete Panzer. Bei den Kunden der Kaffeerösterei könne nur die Verkehrswache Abhilfe verschaffen. Franziska Kindsmüller sprach an, dass der Trampelpfad zwischen der Kapellenstraße und der Hachinger Haid ein einziger Sumpf sei. Leider sei dieser Teil Privatgrundstück, antwortete Panzer hierzu. Aus diesem Grund könne er diesen Weg nicht auf Kosten der Gemeinde herrichten. 

Lydia Wünsch

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