Braucht es denn wirklich die Luxusversion?

Bürger geben Anregungen für Radschnellverbindung

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Planerin Caroline Huth (r.) notierte sich die Vorschläge der Bürger.

Bei einer Veranstaltung zur Machbarkeitsstudie einer Radschnellverbindung von Oberhaching zum Münchner Altstadtring konnten Bürger ihre Ideen einbringen. Das Projekt warf aber auch einige Fragen auf.

„Ein Radschnellweg ist der Mercedes unter den Radwegen“ – meinte Johannes Ertl (WGO), Zweiter Bürgermeister von Oberhaching. Dieser Eindruck entstand nach dem Vortrag des Planerteams zur Machbarkeitsstudie für einen Radschnellweg von Oberhaching nach München. Am 3. Juni waren zwei Mitarbeiter der Dortmunder Firma Planer­societät, Caroline Huth und Dennis Stocksmeier, sowie Lena Erler, Planerin beim Kölner Planungsbüro VIA, in den Oberhachinger Bürgersaal gekommen, um das Projekt vorzustellen. Viel wichtiger als die Präsentation war ihnen aber, sich Ideen von den Bürgern einzuholen, wie man einen solchen Weg im Speziellen für die Gemeinde gestalten könnte.

Den zirca 30 Besuchern wurden die hohen Anforderungen an einen Radschnellweg und Möglichkeiten, wie man diese im allgemeinen umsetzen kann, vorgestellt. „Ein Radschnellweg ist keine Radautobahn“, erklärte Erler. Anders als Autobahnen, die Ortschaften weit umfahren, soll der Schnellweg Gemeinden direkt verbinden. Die Wege müssen möglichst eine geradlinige Führung mit wenig Beeinträchtigungen haben, steigungsarm sein und klar vom Fußverkehr getrennt werden. Außerdem muss die Breite der Trasse zirca vier Meter betragen. Um eine Geschwindigkeit von bis zu 20 Stundenkilometern für die Radfahrer zu ermöglichen, werden für die Weg unter anderem Brücken oder Tunnel gebaut, Grünzeiten von Ampeln beeinflusst sowie Vorfahrregeln entsprechend verändert. Dieser Streckenstandard muss auf mindestens 90 Prozent der Trasse erfüllt werden. Der Projektablauf der Machbarkeitsstudie gestaltet sich so, dass nach der Grundlagen­ermittlung eine Bestandsanalyse erfolgt, danach werde ein Konzept und eine Kosten/Nutzen-Analyse erstellt. Erst da­raufhin wird eine Bestvariante ausgewählt und ausgearbeitet. Dieser letzte Schritt soll, so Stocksmeier, Mitte bis Ende 2020 abgeschlossen sein.

Der an die Präsentation angeschlossenen Fragerunde wurde von den Bürgern rege nachgegangen. Eine Zuhörerin wollte wissen, bis wann der Weg tatsächlich umgesetzt werden könne. Stocksmeier erklärte, dass das nicht leicht vorherzusagen sei, da nicht der komplette Weg auf einmal gebaut wird. In den nächsten zwei bis drei Jahren sei allerdings nicht damit zu rechnen. Auf eine weitere Nachfrage erklärte der Planer später, dass eine vollständige Fertigstellung eine Radschnellwegs schon zehn Jahre dauern könne. Auch kam die Frage auf, an welchem Schritt des Projekt­ablaufs die Planer momentan stehen. Stocksmeier machte deutlich, dass das Projekt erst starte, und sie noch vor der Grundlagenermittlung den Bürgern Raum geben wollten, ihre eigenen Ideen einzubringen. Einer der Besucher fragte außerdem, ob die Machbarkeitsstudie dann wirklich zu Ergebnissen führen werde oder am Ende im Sand verlaufe. Alle Beteiligten seien bemüht, das Projekt umzusetzen, auch weitere Fördergelder sollen eingeholt werden, versicherten die Planer.

Im Zuge der Fragerunde meldete sich Alexander Maierhöfer, Referent von Bürgermeister Stefan Schelle (CSU), zu Wort. Er wies darauf hin, dass Oberhaching in einem Zusammenschluss mit Sauerlach, Taufkirchen und Unterhaching bereits seit 2015 versuche, die Radverbindungen auf den gemeindeverbindenden Forstwegen sicherer und allwettertauglich zu machen. Das soll durch ein Asphaltieren der zentralen Verbindungswegen im Forst und entlang der Bahnstrecke ermöglicht werden. Mittlerweile sei das Projekt weit fortgeschritten, der Abschnitt von Deisenhofen bis Sauerlach soll noch 2019 realisiert werden. Er verstehe nicht, warum man sich nicht darauf konzentriere, mit wenig Aufwand bestehende Wege auszubauen. Auf Maierhöfers Anmerkung hin zeigten sich einige Bürger verwundert. Sei dann ein Radschnellweg überhaupt noch nötig?

Die Planer und auch die anwesende Radverkehrsbeauftrage des Landkreises, Martina Reece, betonten, dass die interkommunalen Radverbindungen und ein Radschnellweg zum einen an einer anderen Strecke entlang führen würden, und zum anderen sehr unterschiedliche Qualitätsansprüche hätten. Später erklärte Reece, dass der Landkreis sich einstimmig für eine Machbarkeitsstudie zu Radschnellwegen ausgesprochen habe und dies daher nun auch umgesetzt werde. „Wir wollten, dass die Bürger unbefangen an das Thema rangehen“, betonte Reece. Deshalb habe man die interkommunalen Verbindungen in dem Vortrag nicht erwähnt. Natürlich werden diese bei der Planung beachtet. „Jeder Radweg, der die Situation verbessert, ist hilfreich“, ergänzte sie.

Nachdem sich die Bürger bereits mit ihren Nachfragen beteiligt hatten, wurden sie an drei verschiedene Stellwände gebeten, die mit Karten des zu planenden Gebiets ausgestattet waren. Dort konnten sie aktiv ihre Ideen einbringen, die eingezeichnet und auf Karteikarten notiert wurden. Es entstanden rege Diskussionen, etwa um unfallanfällige Punkte wie an Nußbaum-Ranch und Anwohner, die sich an einer solchen Trasse stören könnten. Das Planerteam hörte aufmerksam zu, machte sich Notizen und stellte Nachfragen.

„Die Planer fangen bei Null an“, kritisierte Johannes Ertl allerdings später. Er hätte sich gewünscht, dass sie beim Vortrag schon konkreter auf die speziellen Anforderungen für Oberhaching eingegangen wären. Auch Maierhöfer ging das Konkrete in der Präsentation komplett ab. Etwa müssten für den Ausbau solcher breiter Straßen im Forst große Ausgleichsflächen geschaffen werden. In diesem Zuge sehe er auch den Punkt Kosten und Nutzen bei der Frage nach der Umsetzbarkeit kritisch.

Wie teuer ist so eine Radschnellverbindung eigentlich? Stocksmeier erläutert, dass der RS1 im Ruhrgebiet eine Millionen Euro pro Kilometer gekostet habe, man aber von einem Preisrahmen zwischen 250.000 und 500.000 pro Kilometer ausgehen könne. „Damit ist man aber noch deutlich unter den Kosten als zum Beispiel für einen Autobahnbau“, so Stocksmeier weiter.

Auch Erich Wittmann, Schatzmeister beim ADFC München, besuchte die Veranstaltung. Seiner Meinung nach sei der Zeit- und Planungshorizont viel zu lang: „Da muss man viel Geduld haben.“ Gerade wenn die Trasse durch besiedeltes Gebiet laufen soll, sei es kaum möglich, auf 90 Prozent der Strecke die Qualitätsstandards zu erfüllen. Sein Fazit zum Projekt bleibt dennoch optimistisch: „Alles ist möglich und nur eine Frage von Willen und Prioritäten.“

Iris Janda

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