archäologische Entdeckungen

„Der Hachinger Bach – ein Hotspot“

Das Grab einer Frau stammt aus dem achten Jahrhundertund wurde jüngst bei einem Erweiterungsbau des Hofquartiers in Taufkirchen entdeckt.
+
Das Grab einer Frau stammt aus dem achten Jahrhundertund wurde jüngst bei einem Erweiterungsbau des Hofquartiers in Taufkirchen entdeckt.

Durch den Bauboom im Großraum München finden sich oft archäologische Funde. Gerade im Münchner (Süd-)Osten werden menschliche Spuren von der Jungstein- und Bronzezeit bis heute entdeckt. Kelten, Römer und Bajuwaren lassen sich, nachweisen, doch wer davor siedelte, liegt im Dunklen. Aktuell wird in Taufkirchen gegraben. Größere Funde gab es die letzten Jahren entlang des Hachinger Bachs sowie in Trudering, Perlach und Heimstetten.

Mit einem „lachenden und einem tränenden Auge“ verfolgt Jochen Haberstroh, Referatsleiter des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege (BLfD), den „enormen Flächenverbrauch durch den Bauboom im Großraum München“. Zum einen können Haberstroh und seine Kollegen – alles Experten für Bodendenkmäler – zahlreiche archäologische Funde wissenschaftlich aufnehmen und vor allem auch für spätere Generationen sichern. „Zum anderen werden die Fundstellen natürlich dadurch auch zerstört.“ Allein im Münchner Ballungsraum sind die Denkmalschützer bis zu 150 Mal im Jahr bei echten Ausgrabungen gefordert. Eine beachtliche Zahl, wenn man bedenkt, dass in ganz Bayern nur zwischen 550 und 650 Ausgrabungen pro Jahr vorgenommen werden. „Der Hachinger Bach war ein Hotspot“, betont Haberstroh. „Hochspannend“ nennt er eine Siedlung der Spätantike, die im vergangenen Jahr in Taufkirchen-Potzham mit 30 bis 40 Gräbern entdeckt wurde. 400 nach Christus lebten dort noch keine Bajuwaren, aber Römer waren das auch nicht mehr.

„Wir wissen noch nicht so viel“, gesteht Haberstroh auch über den aktuellen Siedlungsfund auf dem Gelände des Hofquartiers an der Hochstraße in Taufkirchen. Dort wurde eine Frau ohne jegliche Grabbeigaben wohl um das achte Jahrhundert – also in der Bajuwarenzeit – in einer kleinen Siedlung mit Grubenhäusern bestattet. Besagte Häuser waren rund einen Meter im Erdreich eingegraben und dienten als Werkstätten. Was dort genau hergestellt wurde, werden die detallierten Analysen von 450 Funden aus dem Areal erst noch ergeben. Oftmals handelte es sich um eine Weberei oder um eine Knochen- und Beinverarbeitung. Haberstroh: „Aus Knochen wurden sehr aufwändig Kämme, aber auch Schmuck und Amulette gefertigt.“

In Unterhaching fand man vor drei Jahren eine kleine Siedlung – ebenfalls mit besagten Grubenhäusern. Auch dort war eine Frau bestattet worden, aber mit sehr reichhaltigen Grabbeigaben – wie zum Beispiel einem besonderen Goldohrring, der sogar im archäologischen Jahrbuch Bayerns abgebildet wurde. „Wir verstehen das noch nicht, wieso einmal eine Verstorbene ganz ohne Beigaben und einmal sehr reichhaltig beerdigt wurde.“ Zahlreiche Funde wurden in der Vergangenheit auch in Perlach, Berg am Laim und Trudering – immer entlang oder in der Nähe der Lebensader, des Hachinger Bachs – gemacht. Im vergangenen Jahr wurde im Rahmen der Erweiterung der Brauerei Hofbräu München in Riem sogar eine Hockerbestattung aus dem Anfang der Zeit der Glockenbecherkeramik – rund 2300 vor Christus – entdeckt. Nicht weit entfernt ist die „Heimstettner Gruppe“. Dabei handelte es sich um eine große keltische Siedlung, die sich sogar bis ins erste Jahrhundert nach Christus gehalten hatte. Auch für die nächsten Jahre rechnet Haberstroh mit zahlreichen Funden in und um München, die in ein in den 90er Jahren angelegtes Kataster einfließen. Letztlich geht es den Archäologen darum, möglichst viele Daten und Funde zu sammeln. Mit diesen Informationen könnte dann in Zukunft das eine oder andere Geheimnis gelüftet werden.

So hat man noch keine Siedlung in München entdeckt, die von der Zeit der römischen bis in die bajuwarische Zeit lückenlos besiedelt war – sprich Gräber über Generationen aufweist. Fest steht laut Ausgrabungsexperte Jochen Haberstroh, dass der Raum München schon seit der Steinzeit für den Menschen interessant war – „vor allem aufgrund seiner strategischen Lage zu den Alpenübergängen und zum Donauraum“. Diese Lage muss es gewesen sein, die schon steinzeitliche Jäger, Kelten, Römer und Bajuwaren angezogen hatte, und sich bis in die Jetztzeit mit eben jenem Bauboom auswirkt.

eid

Auch interessant:

Meistgelesen

Kommentare