Fahrlehrer rät zu Auffrischungskursen

Immer mehr ältere Autofahrer unterwegs

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Wenn ein Autofahrer in ein Geschäft fährt, hat dies nicht zwangsläufig etwas mit dem Alter zu tun. Bei dem Unfall Mitte Januar in einer Haarer Bäckerei war der Fahrer 66 Jahre alt. Fahrlehrer Udo Wagner rät Älteren dennoch zu freiwilligen Auffrischungskursen.

Deutschland wird älter, entsprechend sind immer mehr ältere Autofahrer auch auf den Straßen unterwegs. Immer wieder passiert es, dass Senioren Unfälle verursachen, und wie zum Beispiel vergangene Woche in Unterhaching, in ein Geschäft fahren. HALLO hat sich bei der Polizei und beim Landesverband der Fahrschullehrer erkundigt, wie man derartige Unglücke verhindern könnte.

„Der Unterhachinger, der in das Schaufenster gefahren ist, ist noch topfit“, davon hat sich Sven Müller, Pressesprecher des Polizeipräsidiums München, überzeugt. Weshalb der Autofahrer gleich zweimal in das Schaufenster eines Schuhfachgeschäfts gefahren ist, kann er jedoch noch nicht beantworten. Zumindest werde sich in nächster Zeit ein Kontaktbeamter mit dem Fahrer in Verbindung setzen und ein Gespräch führen.

Mitte Januar fuhr ein 66-jähriger Münchner mit seinem Geländewagen in eine Bäckerei in Haar (HALLO berichtete). Statistische Aussagen zu erhöhten Unfallzahlen älterer Autofahrer kann Pressesprecher Müller nicht machen. „Letztlich kommt es auf den Gesundheitszustand des jeweiligen Fahrers an.“ Es gebe Jüngere, die nicht mehr in der Lage seien, ein Auto zu fahren, wohingegen Ältere noch topfit sein könnten. Durchaus erfolgreich sei es, wenn die Verwandtschaft einen älteren Autofahrer auf ein Problem hinweist: „Es gibt immer wieder Fälle, in denen Ältere ihren Führerschein abgeben.“

Sicher ist aus Sicht der Polizei aber, dass immer mehr ältere Autofahrer auf Deutschlands Straßen unterwegs sind. Müller: „Der demografische Wandel macht sich bemerkbar.“ Ob die Gesetzeslage ausreichend sei, das wollte der Polizeisprecher nicht kommentieren.

Untersuchungen zur Fahrtauglichkeit – wie in vielen EU-Ländern längst vorgeschrieben – gibt es in Deutschland nicht. Ältere Autofahrer haben Angst, ihren Führerschein und somit einen wichtigen Teil ihrer Freiheit zu verlieren. „Wir bieten den Kurs ,Fahren im Alter‘ wieder forciert an“, erklärt daher Fahrlehrer Udo Wagner, Chef des bayerischen Landesverbandes der Fahrlehrer im Münchner Osten, auf HALLO-Nachfrage. Es meldeten sich durchaus ältere Autofahrer, die an einem solchen Kurs teilnehmen wollten. Oftmals gehe dies auf eine Empfehlung der eigenen Kinder zurück.

Vor allem will Wagner „Überzeugungsarbeit leisten und Verständnis wecken, selber aktiv zu werden“. Je früher man sich auf dem Laufenden halte, und so sein Fahren auf neue Situationen anpasse, um so besser könne man seine Fahrtüchtigkeit erhalten. Bei „Fahren im Alter“ werden Verkehrsregeln vermittelt, die sich im Laufe der Jahre verändert haben. Auch wird auf die sich verändernde Autotechnik eingegangen. Am Schluss erhalten die Teilnehmer eine „Fahren im Alter“-Urkunde. Außerdem bieten Fahrschulen sogenannte „Refreshment-Kurse“ an. An diesen könnten Jüngere und auch Ältere teilnehmen. Verbindendes Element ist, dass die Teilnehmer längere Zeit nicht gefahren sind.

„Nachdrücklich empfehlen“ kann Wagner den offiziellen Fahrkompetenztest der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände. Dabei könne man sich theoretisch und/oder praktisch auf die Probe stellen lassen. Dazu gehöre auch eine einstündige Fahrt. Jeder Teilnehmer bekomme vom Bundesverband dann eine schriftlich Stellungnahme. All diese Angebote sind Wagner zufolge freiwillig. Wer dagegen von der Polizei wegen zum Beispiel zu langsamen Fahrens angehalten und dann vielleicht der Führerscheinstelle gemeldet werde, der müsse einen Tauglichkeitstest machen.

eid

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