Ehrentag

Zum 100. Geburtstag von Gustl Bayrhammer ‒ Familie und Weggefährten erinnern sich an den Volksschauspieler

Die wohl bekannteste Rolle Gustl Bayrhammers: als Meister Eder an der Seite des Pumuckl.
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Die wohl bekannteste Rolle Gustl Bayrhammers: als Meister Eder an der Seite des Pumuckl.
  • Sebastian Obermeir
    VonSebastian Obermeir
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Vor 100 Jahren wurde Gustl Bayrhammer geboren. Als Meister Eder spielte er sich in die Herzen aller Kinder, aber auch viele Erwachsene hat der Schauspieler berührt.

Geboren wurde Adolf Gustav Rupprecht Maximilian „Gustl“ Bayrhammer vor genau 100 Jahren, am 12. Februar 1922, in München. Der perfekte Zeitpunkt, um sich mit Familie und Weggefährten an den Volksschauspieler zu erinnern.

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Gustl Bayrhammer - Erinnerungen zum 100. Geburtstag des Volksschauspieler

Schon sein Vater Max Bayrhammer war Schauspieler – Unterricht erhielt Gustl aber nicht von seinem Vater, sondern von Heinrich George. 1944 wurde Bayrhammer am Hoftheater in Sigmaringen angestellt, zusammen mit seinem langjährigen Kollegen Toni Berger. In diesem Ensemble lernte er auch seine Frau Irmgard Henning kennen, wie sich sein Enkel Sebastian Bayrhammer heute erinnert. „Nach der Geburt unseres Vaters, Max Bayrhammer, fokussierte sich unsere Oma auf die Familie, trat aber hin und wieder vor der Kamera für kleinere Rollen auf. Dadurch konnte unser Opa seine Berufung weiterverfolgen.“

Diese Berufung führte den Volksschauspieler an die Münchner Kammerspiele, das Volkstheater und das Bayerische Staatsschauspiel. Zu den bekanntesten Rollen gehört der Petrus, den er im Stück „Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“ spielte. Der breiten Öffentlichkeit wurde Bayrhammer über das Fernsehen bekannt: als Tatort-Kommissar Melchior Veigl in den „Weißblauen Geschichten“ und als Schreinermeister Franz Eder in der Erfolgsserie „Meister Eder und sein Pumuckl“.

Ende der 80er-Jahre erlitt Bayrhammer während eines Bühnenauftritts einen Herzinfarkt. „Vielleicht hat er sich zum Ende hin zu viel zugemutet. Vielleicht war es zu viel Aufregung. Man weiß es nicht“, erzählt Enkel Fabian Bayrhammer. Am 24. April 1993 hatte Gustl Bayrhammer einen weiteren, tödlichen Infarkt. Mit seiner Frau Irmgard liegt er am Friedhof Krailling begraben.

„Unsere Großeltern werden uns stets in guter Erinnerung bleiben“, sagt Enkel Sebastian. Das gilt wohl auch für die zahlreichen Fans, für die der Meister Eder vielleicht auch so etwas wie ein Opa war.

Fabian (43) und Sebastian Bayrhammer (43) erzählen im Hallo-Interview von ihrem Großvater:

Gustl Bayrhammer mit seiner Schwiegertochter Astrid, den Enkeln Fabian, Sebastian und Florian sowie seinem Sohn Max Bayrhammer.
Wie haben Sie Ihren Großvater in Erinnerung?
Sebastian: Viele Freunde und Kollegen sagen ja: Zieht man dem Meister Eder die Arbeitsschürze aus und die Mütze ab, dann hat man den Gustl Bayrhammer so wie man ihn kannte. Für uns ist er der Opa.
Fabian: Wir besuchten fast jeden zweiten Sonntag unsere Oma und unseren Opa. Es ging immer direkt nach der „Sendung mit der Maus“ los und war immer eine sehr schöne Zeit bei den Großeltern. Unsere Oma hat immer mit großem Aufwand ein tolles Mittagessen zubereitet.
Sebastian: Heutzutage empfinde ich es so, als ob unser Opa von der Arbeit abschalten konnte, wenn wir zu Besuch waren.
Haben Sie mitbekommen, wie erfolgreich er war?
Fabian: Was für ein Ansehen er hatte, das haben wir kaum mitbekommen. Im Grundschulalter wussten wir nur, dass er Schauspieler war und den Meister Eder spielte.
Sebastian: Wir hatten irrsinnig viele Sachen vom Pumuckl: Stofftiere, Schneidebretter, Teller, Bademäntel und Sparschweine.

Fabian: Beeindruckend war sein Büro im ersten Stock des Hauses. Hier bereitete er sich auf seine Rollen vor. Ich erinnere mich an einen schönen Schreibtisch im Zimmer und ein Gemälde von seinem Vater dem Staatsschauspieler und Schriftsteller Max Bayr­hammer. Immer wenn wir ihn um Autogrammkarten für Klassenkameraden baten, nahm er sich die Zeit und signierte diese an seinem Schreibtisch. Jedes Mal, wenn wir uns auf den Heimweg machten, standen Oma und Opa so lange winkend auf der Straße, bis unser Auto um die Kurve abgebogen war. Dieses Bild werde ich nie vergessen.
Wollten Sie nie in seine Fußstapfen treten?
Sebastian: Opa meinte: Ihr könnt alles werden, was ihr wollt. Aber bedenkt, es gibt momentan in München 2000 arbeitslose Schauspieler, die Taxi fahren müssen, um Geld zu verdienen.
Fabian: An sein Talent würden wir nicht rankommen. Außerdem würden wir oft verglichen werden. Statist könnte ich mir noch vorstellen, aber Text lernen? Ich möchte nicht mit jemanden verglichen werden, der das in Perfektion beherrschte. Da kann man nur verlieren (lacht).

Erinnerungen an Gustl Bayrhammer zu seinem 100. Geburtstag

„Für mich lebt er weiter“

Michael Lerchenberg, Schauspieler

Als ich den Gustl zum ersten Mal getroffen habe, war ich noch ein junger Schauspieler und sollte mein erstes Hörspiel aufnehmen. Ich wusste, dass ich da den großen Star treffen werde und hatte weiche Knie. Er sieht mich dann, stellt sich vor und sagt: „Ich habe Sie schon im Fernsehen gesehen und da haben Sie mir hervorragend gefallen!“ Diese spontane Herzlichkeit war typisch für ihn. Und er war auch ein Komödiant! Wir haben über 50 Vorstellungen vom „Zerbrochenen Krug“ zusammengespielt und ich vergesse nie: Er trug in seiner Rolle den gleichen Mantel wie der Gerichtsschreiber, der aber versehentlich den Mantel vom Gustl anzog. Wir sahen das und dachten uns, was wird der Gustl jetzt machen? Und er zieht ihn nicht nur an, sondern knöpft diesen Mantel, der ihm ja viel zu klein war, auch noch zu. Wie eine abgebundene Wurst! Er wusste genau, dass er uns so zum Lachen brachte.

Ich denke heute noch oft an ihn, besonders bei „Opern auf Bayerisch“. Wir sind damit schon gemeinsam aufgetreten und inzwischen habe ich seine Position übernommen. Immer noch habe ich Stellen, wie er sie gespielt hat, im Ohr. Ich versuche es dann so rüberzubringen wie Gustl – und so lebt er auf der Bühne weiter.

Viele Geschichten

Seit zehn Jahren veranstaltet Sebastian Kuboth Pumuckl-Führungen.

Sebastian Kuboth, bietet Pumuckl-Führungen an: Bei einer meiner Stadtführungen hat mir eine Frau erzählt, dass sie als Dreijährige Gustl Bayrhammer im Biergarten gesehen hatte. Sie ist zu ihm hin und meinte: „Wo ist denn der Pumuckl?“ Er hat sein Weißbier abgesetzt und gesagt: „Weißt, der sitzt in der Werkstatt in der Schaukel und schaukelt.“ Ein Komparse erzählte, dass Gustl Bayrhammer unbedingt wollte, dass auch die Komparsen zum Catering durften. Und sich zu den Schauspielern setzen durften. Solche Geschichten habe ich schon sehr, sehr oft gehört.

Gemeinsam mit den Enkeln von Gustl Bayrhammer und Paddy Kroetz drehte Kuboth eine Dokumentation anlässlich des 100. Geburtstags, die auf dem Youtube-Kanal „Paddys Mikrokosmos“ zu sehen sein wird.

Vater-Sohn-Beziehung am Set

Ulrich König in der Doku „Der Pumuckl ist zurück“ – zu sehen in der BR-Mediathek.

Ulrich König, Regisseur: Wenn ich an Gustl Bayrhammer denke, dann vor allem an eine tolle, gemeinsame Zeit. Beim Pumuckl haben wir zwei Mal neun Monate quasi in einem Raum verbracht. Die einzige Schwierigkeit beim Dreh war, ihn nicht zu überbeanspruchen – er war ja oft allein vor der Kamera. Aber auch das hat ihm Spaß gemacht. Vielleicht, weil er dann eine gewisse Souveränität an den Tag legen konnte. Damit die Szenen, in denen er alleine spielt, einfacher werden, haben wir ihm einen Pumuckl in Kopfhöhe hingestellt. Nach ein paar Tagen hat er gesagt: „Na, lass weg, des brauch i nicht!“ Während unserer Arbeit – die übrigens über den Pumuckl hinausging – hat sich eine Freundschaft entwickelt und vielleicht auch so etwas eine Vater-Sohn-Beziehung. 

Ein herzensguter Kollege

Monika Baumgartner, Schauspielerin

Ich hatte das Glück, dass ich mit dem Gustl doch ein paar Mal arbeiten durfte. Nie hat man ihn grantig oder verärgert erlebt. Er war ein herzensguter Mensch. Und er hat so viele tolle Sachen gedreht! Er hat das immer total lässig und locker gemacht, mit Spaß an der Freude. Im Garten des Schwabinger Krankenhauses haben wir zwei Wochen lang den Film „Besuchszeiten“ gedreht. Daran erinnere ich mich noch, als ob es heute wäre. Und außerdem: Das Tolle in unserem Beruf ist ja, dass es die Möglichkeit gibt, die Menschen im Fernsehen immer wiederzusehen.

„Er hatte immer Rat für mich“

Michaela May, Schauspielerin

Der Gustl war ein bayerisches Urgestein, wobei Stein ist ja zu kalt für ihn. Er war ein warmer Mensch, aber auch ein ehrlicher, kritischer Bayer. Nachdem wir uns kennengelernt haben, hat er mich unter die Fittiche genommen. Er hat mich angerufen. „Das hast du gut gemacht. Das machst nimmer.“ Er hatte immer Rat und ich habe viel von ihm gelernt. Zum Beispiel, immer kritisch zu sein und das, was einen an der Rolle oder am Kostüm stört, auch zu sagen, damit man sich wohlfühlt. Als er gestorben ist, hörte ich es im Radio und abends musste ich eine Komödie spielen. Nachdem er für mich so eine Art Pate war, schauspielerisch und menschlich, war es mir so nah und so schwer, dass ich kaum spielen konnte. Dann schickte ich ein Stoßgebet in den Himmel und hab gesagt: „Heut spiel ich für dich, Gustl.“

Eine Inspiration

Ferdinand Dörfler, Schauspieler

Ferdinand Dörfler, Schauspieler: Die Eder-Darstellung von Gustl Bayrhammer ist großartig. Ich wollte den Meister Eder am Gärtnerplatztheater aber nicht genauso spielen wie er – das Musical und die Fernsehsendung kann nämlich nicht ganz verglichen werden. Deshalb wollte ich versuchen, meinen eigenen Weg zu gehen. Und dabei war seine Darstellung sehr inspirierend für mich.

Ein Dackel zu Ehren 

Luise Kinseher, Kabarettistin

Gustl Bayrhammer hat mit jeder seiner Rollen mein Herz berührt. Niemand konnte die warme bayerische Seele so gut zum Ausdruck bringen. Ich kannte Gustl Bayrhammer nicht persönlich, aber er fehlt mir! Und weil ich ihn so sehr verehre, habe ich meinen Dackel ebenfalls Gustl genannt. So ein bisschen Sehnsucht nach der guten alten Zeit, nach Kommissar Veigl und seinem Dackel Oswald, als der Tatort noch gemütlich war, schwingt da natürlich auch mit.

Gustl Bayrhammer im BR

Anlässlich seines Ehrentags zeigt das BR Fernsehen am Samstag, 12. Februar, ab 20.15 Uhr drei neu restaurierte Bayrhammer-Tatorte sowie den Kurzfilm „Der letzte Stammtisch“ von Rainer Erler, in dem er einen grantigen Taxler spielt. Am Sonntag, 13. Februar, 20.15 Uhr ist der „Der Komödienstadel: Die drei Dorfheiligen“ zu sehen. Zudem jeden Sonntag im BR Fernsehen und anschließend in der Mediathek: zwei Folgen von „Meister Eder und sein Pumuckl“.

Quelle: www.hallo-muenchen.de

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