In der Kantine

Gegen Verschwendung, für Geschmack: Krumme Dinger bei der Polizei in München – Ein Küchenchef packt aus

Küchenchef Wiesenhofer ist gegen Verschwendung von Lebensmitteln.
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Küchenchef Wiesenhofer ist gegen Verschwendung von Lebensmitteln.

In der Polizeikantine wird krummes Gemüse serviert. Küchenchef Wiesenhofer ist gegen Verschwendung von Lebensmittel - und bietet auch einen Service zur Selbstversorgung an.

  • Bei der Polizeikantine in München kommt krummes Gemüse auf den Teller.
  • In der Kantine sorgt Küchenchef Wiesenhofer dafür, dass keine Verschwendung entsteht..
  • Mitarbeiter, städtischen Angestellten und Beamten können die Lebensmittel auch nach Hause mitnehmen.

Klein, krumm, angeschlagen und schief gewachsen – mit solchen Gestalten hat es Jürgen Wiesenhofer (46), Betreiber der Münchner Polizeikantine im Präsidium in der Ettstraße, jeden Tag zu tun. Der Küchenchef meint aber nicht die Ganoven, die dort in Schubhaft sitzen. Es geht um Karotten, Zucchini, Kürbisse, Tomaten, Äpfel, BirnenObst und Gemüse, das er täglich für bis zu 650 Essen in der Kantinenküche verarbeitet. 

Das Polizeipräsidium München in der Ettstraße.

In der Polizeikantine von Küchenchef Wiesenhofer kommt krummes Gemüse auf den Tisch

„Ich hasse es, Lebensmittel wegzuwerfen, ihre Verschwendung jeder Art!“ Deshalb hat der Koch begonnen, die Einkäufe für die Großküche komplett umzustellen. Was an Gärtnerware auf dem Speiseplan fehlt, bestellt Wiesenhofer bei „Querfeld“. Das Berliner Unternehmen rettet Obst und Gemüse, mit Schönheitsfehlern, das deshalb nicht der Din-Norm entspricht. 

Krummes Gemüse ist nicht minderwertig, sondern lecker und nachhaltig.

Knapp 500 Kilo davon hat Wiesenhofer im Juli verbraucht, allein 96 Kilo Zucchini waren dabei. Nicht nur deutsche, sondern auch Ware aus dem südlichen Spanien und Frankreich ist darunter. „Gerade dort wird viel produziert und was nicht für den 1A-Verkauf geeignet ist, wird weggeworfen. Rund 30 Prozent der Ernte!“ 

Der gebürtige Österreicher verwendet diese Lebensmittel gerne

„Es ist alles bereits aufwendig hergestellt, hat Wasser verbraucht, wurde geerntet – und landet doch im Müll.“ Zur Zubereitung brauche es oft nur wenige Handgriffe mehr und in der unansehnlichen Schale stecken die meisten Nährstoffe. So ist die Gemeinschaftsverpflegung der Münchner Polizeibeamten nicht nur abwechslungsreich und lecker, sondern auch nachhaltig. 

„Eine Karotte muss ja nicht schön sein, damit sie gut schmeckt.“ Und weil jeder noch lieber isst, was er selbst gesät hat, baut der Vater einer Tochter bei einer Langwieder Gärtnerei jetzt sogar eigenes Gemüse für das Polizeipräsidium an: „Gedüngt wird dort nur mit dem Kaffeesatz der Münchner Siko. Das gibt riesige Süßkartoffeln!“ 

Krummes Gemüse auch für Zuhause

Neu hat der Kantinen-Chef für seine Mitarbeiter, städtischen Angestellten und alle Beamten ins Leben gerufen, krummes Querfeld-Gemüse auch mit nach Hause zur Selbstversorgung zu nehmen: Wer fünf Kilo vorab bestellt, kann sie direkt in der Kantine abholen – in einer mehrfach nutzbaren Papiertüte, denn seit Juli arbeitet der Wahlmünchner in seinen Betrieben „verpackungsfrei“. 

Marie-Julie Hlawica

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