Dreharbeiten in München

Hasenbergl mimt Bogenhausen

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Beim Dreh im Pfarrhaus: Kameramann Jochen Stäblein, Regisseur Sebastian Sorger (2. v. li.) und die beiden Hauptdarsteller Martin Gruber und Birge Schade.

BOGENHAUSEN ARD dreht im Viertel – und „versetzt“ die Nazarethkirche kurzerhand in den Münchner Norden

Wieviel Bogenhausen steckt im Hasenbergl? Mehr als der Münchner denkt, finden zumindest Sylvia Leuker und Benedikt Röskau. Das Autoren-Paar aus der Au (s. Kasten) hat für die ARD den Spielfilm „Frau Pfarrer und Herr Priester“ geschrieben. Darin spielt Birge Schade die moderne Pfarrerin Rieke Schmidt, die sich mit unkonventionellen Ideen und unermüdlichem Einsatz um ihre Gemeinde kümmert.

Schauplatz: die evangelische Nazarethkirche in Bogenhausen. Gedreht wird allerdings nicht an der tatsächlichen Nazarethkirche in der Barbarossastraße, sondern in der Evangeliumskirche im Hasenbergl. „Das hatte logistische Gründe. Bei der Evangeliumskirche ist nämlich auch gleich das Pfarrhaus nebendran“, erklärt Röskau. Er findet die Ersatz-Location am Stanigplatz aber sehr stimmig. „Dort passen auch die Wirklichkeiten – das Hasenbergl ist ein einfaches Viertel mit einfachen Leuten. So wie wir das einfache Bogenhausen zeigen wollen.“ Im Spielfilm müsse das Gefühl stimmen, nicht die Geographie.

Der 60er-Jahre-Backsteinbau sei auch ein guter Gegensatz zu der barocken Kirche von Riekes katholischem Kollegen Toni Seidel, die von Martin Gruber gespielt wird. Seine Filmkirche heißt St. Georg, gedreht wird dafür rund ums Pfarrheim und die alte Pfarrkirche St. Johann Baptist in Haidhausen.

Gegensätze – das große Thema des 90-Minüters, dessen Dreharbeiten voraussichtlich noch bis zum 8. Juli dauern. „Wir behandeln die wachsende Schere zwischen Arm und Reich und was sie mit einer Gesellschaft macht“, sagt Leuker. „In den vergangenen Jahren kann man das in München gut beobachten und nirgendwo so deutlich wie in Bogenhausen.“

Hier sei die Richard-Strauss-Straße eine Trennlinie. „Das reiche Bogenhausen mit seinen großen, kaum genutzten Gärten schottet sich ab. Dort stehen teilweise Autos, von deren Wert eine Familie im ,einfachen‘ Bogenhausen ein Jahr leben könnte.“ Und natürlich geben die Gegensätze zwischen den beiden Hauptfiguren der Geschichte ihren besonderen Reiz.

„Die evangelische Pfarrerin, die ,Zuagroaste‘ aus Thüringen, möchte immer etwas tun, etwas bewegen. Für den katholischen Pfarrer aus Bayern gibt es auch so was wie Schicksal“, verdeutlicht Röskau. „Dieses bairische ,Schau mer mal‘ und das ,Werd scho wern‘ hat auch etwas sehr Katholisches.“ Die Hakeleien der beiden unterschiedlichen Protagonisten begleiten die ernsten Handlungsstränge – die Leukämie-Erkrankung eines Mädchens und der drohende Abriss des Jugendheims – mit Humor und Charme und sind mit ein Grund, warum man die beiden Münchner Pfarrer wahrscheinlich noch öfter im TV sehen wird. „Die Idee ist, daraus eine Reihe zu machen“, verrät Röskau.

Die Autoren hoffen darauf. Denn die Münchner Gesellschaftswirklichkeit biete noch eine Menge anderer Themen, wie zum Beispiel die Wohnungsproblematik. Die beiden leben in der Au – aus Überzeugung. „Die Au ist noch bodenständiger, aber auch hier beobachtet man, wie die Immobilienpreise durch die Decke gehen.“ Außerdem würden weitere Teile den beiden die Chance geben, ihre Charaktere weiterzuentwickeln.

„Der Film ist bis in die Nebenrollen hochkarätig besetzt. Da gibt es viele Figuren, die man gerne wiedersehen will“, betont Leuker. Wenn das die Verantwortlichen auch so empfinden, dann gehen die Münchner Gegensätze bald in Serie. Und das Hasenbergl wird als Bogenhausen zum TV-Star. Maren Kowitz

Das Auer Autoren-Duo

„Frau Pfarrer und Herr Priester“ markiert die sechste Zusammenarbeit des Autoren-Paares Sylvia Leuker

und Benedikt Röskau (Foto). Ihr gemeinsames Drehbuch über Opfer eines Immobilienbetrugs, „Über den Tod hinaus“, war 2009 für den Grimme-Preis nominiert.

Besondere Aufmerksamkeit erregten sie 2013 mit dem Drama „DieAuserwählten“ über die Missbrauchsfälle an der Odenwaldschule. Die beiden haben in München studiert und leben in der Au.

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