Tauschaktion für Flüchtlinge

Dosentelefon soll helfen

MÜNCHEN Am Anfang stand ein Dosentelefon: Tauschaktion für Münchner Flüchtlinge

Ein Baby-Gipsabruck-Set, ein Friseur-Gutschein, ein Instagram „Shoutout“ und ein Rucksack – diese Dinge haben eines gemeinsam: Philipp Christov (Foto) hat sie für sein Flüchtlings-Hilfsprojekt ertauscht. Der 23-Jährige tauscht ausgehend von einem Dosentelefon, bestehend aus zwei Büchsen verbunden mit einer Schnur, Gegenstände mit einem jeweils höheren Wert ein. Das Ziel: Bis April 2016 will der Maxvorstädter ein Haus oder eine Wohnung für Kriegsflüchtlinge ertauscht haben.

Dass dieses Telefon Ausgangspunkt einer groß angelegten sozialen Tauschaktion werden könnte, sei ihm in den Sinn gekommen, als er über sein Leben nach dem Studium nachgedacht habe, sagt Christov. Wenn alles glatt geht, ist der BWL-Student im August mit dem Studium fertig und möchte ins Berufsleben starten. „Ich bin gerade an einem Punkt in meinem Leben angelangt, an dem ich mich frage: Wie möchte ich mein weiteres Leben gestalten und wo werde ich in fünf Jahren stehen?“, so Christov. Am Computer habe er seine Lebenspläne in verschiedene Kategorien eingeteilt – soziales Leben, beruflicher Erfolg, Reisen, et cetera. „Als er über die Kategorie „Soziales“ nachgedacht habe, sei ihm die Idee mit dem Tauschprojekt gekommen. „Ich finde, das Dosentelefon ist ein schönes Symbol für Kommunikation. Denn für die Hilfsaktion braucht es die Unterstützung von seinen Mitmenschen. Allein kann man so ein Projekt nicht stemmen“, erklärt Christov, der das Dosentelefon ursprünglich benutzt hat, um mit einer Kommilitonin zu kommunizieren, die in ihrem Wohnheim ihr Zimmer genau unter seinem Balkon hat.

Am Anfang sei es ihm noch schwer gefallen, Tauschpartner zu finden. Er habe erst lernen müssen auf fremde Leute zuzugehen und zu fragen, ob sie mit ihm Tauschen möchten. „Hinzu kommt natürlich auch, dass ich die Sachen so tauschen möchte, dass eine Wertsteigerung entsteht und ich am Schluss eine Wohnung oder ein Haus ertauscht habe.“ Um Tauschpartner zu finden, hat der Student eine eigene Website angelegt und eine Facebook-Seite erstellt. „Ich hoffe, dass ich auf diesem Weg noch mehr Menschen erreiche, die meine Sache unterstützen wollen, ich bin grundsätzlich für alle Angebote offen.“ Momentan ertauschter Gegensand: ein Designer-Rucksack im Wert von knapp 800 Euro. Beenden will Christov die Aktion genau nach einem Jahr im April 2016 – hoffentlich dann mit ertauschtem Haus. brc

Weitere Infos gibt es auf www.dasdosentelefon.de oder auf www.facebook.com/dasdosentelefon

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