Dimitrios Nikolaidis von den Isarwerke

Wo Ökostrom fließt

MÜNCHEN Wasserkraftwerke liefern Energie für 140 000 Münchner Haushalte

Wasser liegt ihm im Blut. Seit über 30 Jahren arbeitet Dimitrios Nikolaidis (49) für die Isarwerke, 2007 wurde er Chef aller Wasserkraftanlagen der Stadtwerke München (SWM). 13 Werke – von Moosburg bis Feldkirchen – hat er unter sich, sechs davon in München. Die Anlagen in der Isar reichen vom 120 Jahre alten Maxwerk bis zum modernsten, was Europa zu bieten hat, dem unterirdischen Praterkraftwerk. Gemeinsam produzieren sie 350 Millionen Kilowattstunden Strom. „Das reicht für ungefähr 140 000 Münchner Haushalte“, erklärt Nikolaidis. Damit leisten die Wasserkraftanlagen einen erheblichen Beitrag zu dem Ziel der Stadtwerke, bis 2025 ganz München mit Ökostrom zu versorgen. Die erste Etappe ist erreicht: 2,5 Milliarden Kilowattstunden gewinnen die Stadtwerke aktuell aus erneuerbaren Energien, genügend für alle privaten Münchner Haushalte sowie U-Bahn und Tram. Dieser Meilenstein wird jetzt am 8. Mai im Alten Rathaus gefeiert – mit hochkarätigen Gästen, einer Podiumsdiskussion und einem Festakt. Nikolaidis ist stolz auf das Erreichte. „Bei unseren Mitarbeitern ist neben der Fachausbildung eine hohe Sensibilität, vor allem für Umweltaspekte, besonders wichtig“, erklärt der gelernte Elektromeister. Maren Kowitz

Für Hallo-Leser öffnet Nikolaidis jetzt exklusiv die Schleusen: In Kooperation mit den Stadtwerken verlosen wir fünfmal zwei Plätze für eine Führung hinter die Kulissen des Wasserkraftwerks Isarwerk 2 (Foto unten), das in den 20er-Jahren gebaut und 2010 komplett modernisiert wurde. Einblicke gibt es anschließend auch in das unterirdische Praterkraftwerk. Termin ist Freitag, 19. Juni, um 15 Uhr. Um zu gewinnen, schreiben Sie eine e-Mail mit dem Stichwort „Isarwerk“ an aktion@hallo-muenchen.de.

Dimitrios Nikolaidis (49), Chef aller Wasserkraftanlagen der Stadtwerke München, von A bis Z

Ausbildung: Ich bin gelernter Elektromeister und habe viele Zusatzausbildungen rund um die Wasserkraft abgeschlossen. In unseren Wasserkraftwerken gibt’s viele Berufe wie Bauingenieure, Elektrofachkräfte und Maschinentechniker.

BoB steht für Betrieb ohne Beaufsichtigung. Unsere Wasserkraftwerke sind nicht personell besetzt, sie werden quasi aus einer zentralen Leitwarte gesteuert.

Chronik: Seit jeher wird die Kraft der Isar und der Stadtbäche genutzt: Zuerst waren es Mühlen, seit 1895 wird damit Strom erzeugt.

Denkmalschutz: Unser Isarwerk 1 ist seit 1908 ununterbrochen in Betrieb. Es steht unter Denkmalschutz. Die Turbinen und Generatoren sind original, die Leittechnik, die die Anlagen steuert, ist Hightech.

Eitelkeit: Vor allem bei älteren Kraftwerken haben die Erbauer ihren Stolz auf die damals neue Technologie zum Ausdruck gebracht und teils prachtvolle Gebäude errichtet.

Fische: Bei Neubauten, aber auch bei der Sanierung von Anlagen bemühen wir uns immer, die Eingriffe in die Natur so gering wie möglich zu halten. Und wir rüsten Fisch- treppen nach.

Green City: einer unserer Partner im Bereich der regenerativen Energien. Mit Green City Energy arbeiten wir beim Praterkraftwerk zusammen.

Hochwasser: Bei Hochwasser wird nicht automatisch mehr Strom erzeugt. Im Gegenteil, dann sammelt sich oft Treibgut an den Rechen der Kraftwerke. Bei zu viel Wasser öffnen wir den „Leerschuss“ daneben und das Wasser fließt wie ein kleiner Wasserfall am Kraftwerk vorbei.

Isar: Die Isar ist auf weiten Strecken ein alpiner Wildfluss – dank der Renaturierung auch wieder im Stadtgebiet. Das macht die Nutzung zur Ökostromerzeugung natürlich schwieriger.

Jahreszeiten: Strömendes Wasser gefriert in der Regel nicht. Die Wasserkraftwerke funktionieren also im Winter genauso. Nur kommt im Winter das meiste Wasser nicht als Regen, sondern als Schnee herunter, das mindert die Strom- erzeugung etwas.

Konkurrenz: Der Vorteil der Wasserkraft ist, dass sie im Großen und Ganzen immer da ist und permanent genutzt werden kann. Mit unseren Wasserkraftwerken produzieren wir genug Strom für 140 000 Münchner Haushalte.

Laufwasserkraftwerk: Unsere Isarkraftwerke sind Laufwasserkraftwerke. Das bedeutet, die Turbinen nutzen die natürliche Strömung und treiben den Generator an.

Maxwerk: Dieses – fast wie ein neubarockes Schlösschen anmutende – Kraftwerk in den Maximiliansanlagen unterhalb des Landtags feiert gerade seinen 120. Geburtstag. Es ist unser ältestes Wasserkraftwerk.

Neu: Auch unsere „historischen Anlagen“ sind immer auf dem Stand der Technik.

O effentlich: Die SWM ermöglichen immer wieder Führungen in ihren Anlagen, Vorrang haben dabei Schüler und Studierende.

Pumpspeicherwerk: Die Leitzachwerke der SWM bei Feldkirchen-Westerham sind etwas ganz Besonderes: Bei Stromüberschuss wird Wasser aus den Staubecken in den höher gelegenen Seehamer See gepumpt, bei hohem Strombedarf wird es durch die Turbinen abgelassen – und so Ökostrom erzeugt.

Q: Die elektrische Ladung oder Elektrizitätsmenge ist eine grundlegende Größe der Physik. Sie wird in der Einheit Coulomb angegeben und mit dem Formelzeichen Q ausgedrückt.

Renaturierung: Beim Betrieb der Isarkraftwerke wird der Bedarf der renaturierten Isar berücksichtigt. Wir stellen sicher, dass im Jahresmittel mindestens zwölf Kubikmeter pro Sekunde in der Isar verbleiben, den Rest nutzen wir zur Stromerzeugung.

Schnecke: Die Wasserkraftschnecke am Roeckl- platz arbeitet nach dem Prinzip der „Archimedischen Schraube“. Das herablaufende Wasser dreht die Schnecke und nutzt so das kleine Gefälle der Stadtbachstufe.

Turbine: An den Schaufeln einer Turbine wird die Kraft des fließenden Wassers aufgenommen und von dort an den Generator zur Strom- erzeugung weitergegeben.

Unterirdisch: Das Praterkraftwerk – unser jüngstes Kraftwerk – arbeitet seit 2010 unsichtbar im Flussbett der Münchner Isar auf Höhe der Praterinsel. Es liefert Ökostrom für mehr als 4000 Münchner Haushalte und gehört zu den modernsten Kleinwasserkraftwerken in Europa.

Vollautomatisch: An den Wasserkraftwerken der Isar befinden sich vollautomatische Rechenanlagen.Sie sorgen in regelmäßigen Abständen dafür, dass der Zulauf zu den Turbinen frei von Treibgut bleibt.

Werkkanal: Der Werkkanal der SWM ist ein Seitenkanal der Isar, der unterhalb von Baierbrunn abzweigt und dann etwa zwölf Kilometer lang durch München fließt. Angelegt wurde er Anfang des 20. Jahrhunderts zum Betrieb der Isarkraftwerke. Der Werkkanal mündet kurz hinter der Braunauer Eisenbahnbrücke wieder in die Isar. Ein Teil des Wassers wird abgezweigt und fließt als Westermühlbach weiter durch die Isarvorstadt.

X-fach: Im Rahmen unserer Ausbauoffensive Erneuerbare Energien hat sich unsere Ökostromerzeugung bereits vervielfacht: Wenn alle bislang angestoßenen Projekte realisiert und vollständig in Betrieb sind, verfügen die SWM über eine Erzeugungskapazität von über 3,5 Milliarden Kilowattstunden Ökostrom in eigenen Anlagen.

Yoga: Das, was ich bei den SWM Wasserkraftwerken mache, mache ich gerne und aus Überzeugung. Mein Job selbst ist nicht entspannt, es gibt aber durchaus auch positiven Stress.

Zukunft: Aktuell planen die SWM ein ökologisch vorbildliches, bewegliches Wasserkraftwerk bei Wang nördlich von München. Die kleine Anlage nutzt das natürliche Gefälle an der Mündung der Amper in die Isar.

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