Hochansteckendende Variante

Neue Corona-Mutation aus Großbritannien: Wirkt der Impfstoff von Biontech überhaupt noch?

Ein Mitarbeiter arbeitet in einem Labor an Organismen im Hochsicherheitsbereich des Instituts für Virologie der Philipps-Universität Marburg. Hessens Wissenschaftsministerium stellt Neuerungen bei der Forschungsförderung vor.
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Wirkt der Corona-Impfstoff von Biontech gegen die Virus-Mutation aus Großbritannien? (Symbolbild)

Eine Corona-Mutation wurde in Großbritannien entdeckt - Die Variante ist hochansteckend. Jetzt soll untersuchtwerden, ob der Impfstoff von Biontech dagegen wirkt.

  • In Großbritannien wurde eine hochansteckende Corona-Mutation entdeckt.
  • Virologe Drosten geht von Virus-Variation in Deutschland aus.
  • Am Flughafen München dürfen keine Flüge aus UK mehr landen.
  • Wirksamkeit des Biontech-Impfstoff gegen Virus-Mutation wird untersucht.

Update: 28. Dezember 2020

Baldige Klarheit über Impfstoff-Wirkung gegen Corona-Mutation

In ein bis zwei Wochen sollen verlässliche Daten vorliegen, ob der derzeit in Deutschland verteilte Impfstoff auch gegen die in Großbritannien aufgetauchte Mutation des Corona-Virus wirkt.

„Nach den bisher vorliegenden Daten scheint es so zu sein, dass der Impfstoff noch wirken sollte“, sagte Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (Stiko) beim Robert Koch-Institut (RKI), am Montag im ZDF-„Morgenmagazin“.

Es seien aber noch Untersuchungen nötig, die derzeit unter anderem Biontech durchführe, der Hersteller des Impfstoffs. „Wir denken und hoffen, dass wir in etwa ein bis zwei Wochen die Ergebnisse haben werden, so dass man dann ganz sicher sagen kann, wie er wirkt“, sagte Mertens weiter.

In Großbritannien war zuletzt eine neue Variante des Corona-Virus aufgetaucht, die möglicherweise deutlich ansteckender als die bisher bekannte Form ist. Die meisten EU-Staaten hatten daraufhin entschieden, Reisen aus und nach Großbritannien vorübergehend weitgehend einzuschränken.

Stiko-Chef Mertens wies am Montag außerdem darauf hin, dass der von Biontech entwickelte mRNA-Impfstoff auch in „relativ kurzer Zeit“ nachjustiert werden könnte.

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Neue Corona-Mutation: Drosten geht von Virus in Deutschland aus ‒ Flughafen München stoppt Flüge aus UK

Erstmeldung: 21. Dezember 2020

Wegen der in Großbritannien entdeckten Variante des Corona-Virus schottet sich Europa zum Wochenbeginn zunehmend vom
Vereinigten Königreich ab. Zum Schutz vor der Mutation dürfen in Deutschland seit Montag bis zunächst 31. Dezember keine aus Großbritannien kommenden Flugzeuge mehr landen. Das hatte das Bundesverkehrsministerium am Sonntag verfügt.

Auch der Flughafen München meldet das Verbot von Flügen aus Großbritannien und Nordirland nach Deutschland wegen der Corona-Mutation.

Rund 50 Passagiere aus Großbritannien mussten nach Angaben der Bundespolizei die Nacht zum Montag im Transitbereich des Münchner Flughafens verbringen. 

Wie ein Sprecher der Bundespolizei am Montag sagte, mussten die betroffenen Passagiere ihr Testergebnis abwarten, bevor sie nach Deutschland einreisen durften.

„Ein Großteil“ der 50 Fluggäste habe aber bis zum Montagvormittag das Ergebnis erhalten und den Transitbereich verlassen können, betonte der Sprecher.

Corona-Mutation in Großbritannien entdeckt - Auch Flughafen München von Verbot betroffen

Grund für die Reisebeschränkungen ist eine kürzlich entdeckte Mutation des Corona-Virus in Großbritannien, die nach ersten Erkenntnissen britischer Wissenschaftler um bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form sein soll.

Premierminister Boris Johnson hatte betont, es gebe aber keine Hinweise darauf, dass Impfstoffe gegen die Mutation weniger effektiv seien. Die Form breitet sich vor allem in London und Südostengland rasant aus. Für die Region ordneten die Behörden einen Shutdown mit Ausgangs- und Reisesperren an.

Zum Schutz der Bevölkerung in Deutschland und „zur Limitierung des Eintrages und der schnellen Verbreitung der neuen Virusvarianten“ sei ein sofortiges, befristetes Verbot für Flüge aus dem Vereinigten Königreich und Nordirland geboten, erläuterte das Verkehrsministerium in der Verordnung.

Weitergehende Beschränkungen sollen noch per Rechtsverordnung festgelegt werden, wie es in Regierungskreisen hieß. Gesundheitsminister Jens Spahn erläuterte, an diesem Montag sei geplant, mit einer Verordnung „den gesamten Reiseverkehr“ mit Großbritannien und Südafrika einzuschränken.

Virus-Fälle in EU gemeldet - Drosten geht auch von Corona-Mutation in Deutschland aus

Einzelne Fälle der Corona-Mutation sind offenbar bereits in der EU aufgetreten, etwa in Italien. Spahn erwähnte im ZDF Fälle in Dänemark, die aber nach Angaben dänischer Behörden unter Kontrolle seien.

Der Europaabgeordnete Peter Liese sprach von nachgewiesenen Infektionen in Belgien und den Niederlanden. „Es wird ja erst seit Kurzem überhaupt auch diese neue Variante gezielt getestet. Man kann nicht ausschließen, dass es schon viele Infektionen auf dem Kontinent gibt“, sagte er der „Welt“.

Der Chef-Virologe der Berliner Charité, Christian Drosten, geht davon aus, dass die in Großbritannien entdeckte Coronavirus-Variante Deutschland schon erreicht hat. Die Mutation sei bereits in mehreren europäischen Ländern und sogar in Australien nachgewiesen worden, sagte Drosten am Montag im Deutschlandfunk. „Also warum sollte es nicht in Deutschland sein?“

Mit Blick auf die von der Virus-Variante ausgehende Gefahr zeigte Drosten sich angesichts der unklaren Informationslage zurückhaltend.

Er sei angesichts der bestehenden Informationen über die Corona-Mutation „nicht sehr besorgt“, sagte Drosten. Allerdings sei die Datenlage „noch sehr lückenhaft“. Britische Wissenschaftler hätten deutlich gemacht, dass es frühestens Mitte der Woche vorläufige Datenanalysen geben werde.

Für den von der Politik beschlossenen Stopp von Verkehrsverbindungen aus Großbritannien nach Deutschland und weitere Staaten zeigte Drosten angesichts der „äußerst erhitzten Nachrichtenlage“ Verständnis. „Im Moment ist das, was aus England kommt, mit einem ganz schönen Alarm versehen“, sagte er weiter.

Mit Blick auf die Angaben des britischen Premierministers Boris Johnson, wonach die neue Virus-Variante zu 70 Prozent ansteckender sei als die Ursprungsvariante, sagte Drosten, dies sei nur ein Schätzwert. Es sei noch unklar, ob die neue Variante tatsächlich stärker übertragbar sei.

Auch müsse geklärt werden, ob das mutierte Virus in Südostengland eine neue Infektionswelle ausgelöst habe oder es vielmehr im Zuge der allgemeinen Virus-Ausbreitung hochgespült worden sei.

Drosten betonte, dass die Mutation in Ländern wie Belgien, Dänemark, Italien und den Niederlanden zwar bereits nachgewiesen worden sei, aber bisher keine Entwicklung wie in Großbritannien erzeugt habe.

Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer wartet auf Zulassung in der EU

Unterdessen wird am Montag ein Gutachten der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA für den Corona-Impfstoff von Biontech und dessen US-Partner Pfizer erwartet. Die Behörde will ihre Beurteilung am Montag vorlegen - erwartet wird grünes Licht.

Formell muss dann noch die EU-Kommission zustimmen. Das gilt als Formsache und könnte nach früheren Angaben sogar innerhalb eines Tages erfolgen. Damit wäre noch vor Heiligabend der Weg frei für Massen-Impfungen in allen EU-Staaten. Experten zeigten sich zuversichtlich, dass der Impfstoff auch gegen die neue Variante wirkt.

dpa/afp/jh

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