Auswirkungen der Ausgangsbeschränkungen

Hotels und Gastronomie in München: Ein Drittel bangt wegen Corona um Existenz - Experte im Interview

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In der Münchner Innenstadt bleiben die Stühle von Restaurants und Cafés derzeit leer. Denn wegen der Corona-Pandemie musste das gesamte Gastgewerbe schließen. 

Experte erklärt im Interview, welche Münchner Gastro-Betriebe durch die Corona-Pandemie in ihrer Existenz bedroht sind – und wie es weitergehen könnte. 

  • Unter der Corona-Pandemie leidet vor allem das Gastgewerbe. 
  • Ein konkretes Datum für eine Öffnung von Hotels und Restaurants in München gibt es noch nicht. 
  • Der Experte Burkhard von Freyberg im Interview über die Zukunft des Münchner Gastgewerbes. 

München - Ministerpräsident Markus Söder hat diese Woche eine Öffnung des bayerischen Gastgewerbes nach Pfingsten in Aussicht gestellt. Hallo hat mit Professor Dr. Burkhard von Freyberg von der Hochschule München über die Zukunft der Münchner Betriebe in der Corona-Pandemie gesprochen. Der 46-jährige Schwabinger hat selbst bereits viel in der Gastronomie gearbeitet - und im Hotel Bayerischer Hof gelernt. 

Corona in München: Experte über die Zukunft von Hotels und Restaurants 

Herr von Freyberg, fast alles fährt langsam wieder hoch, das Gastgewerbe muss sich jedoch weiterhin gedulden. Ist das richtig?

Es ist eine Gratwanderung. Ich verstehe, dass die Politik vorsichtig agiert. Wir brauchen zeitnah eine Taskforce, die einen klaren Maßnahmenkatalog entwickelt.

Wie sieht eine realistische Öffnung für das Gastgewerbe aus?

Es kursieren ja schon verschiedene Ideen: Mindestabstände, weniger Tische im Gastraum, Schutzmasken für Mitarbeiter, keine Buffetangebote mehr...

Burkhard von Freyberg ist Professor für Hospitality Management an der Fakultät für Tourismus an der Hochschule München.

Welche Betriebe leiden am meisten unter der Zwangsschließung?

Probleme haben die, die keine Rücklagen haben. Die großen Verlierer sind Clubs, Bars und Diskotheken. Insgesamt alle Betriebe, die von größeren Menschenansammlungen auf begrenztem Raum leben, werden es schwer haben. Doch auch Gourmetrestaurants leiden besonders, denn wer wirklich Geld machen will, geht in der Regel nicht in die Sternegastronomie.

Sie haben im Bayerischen Hof gelernt. Wie einfach steckt ein solches Traditionsunternehmen die Corona-Krise weg?

Der Bayerische Hof ist seit vielen Jahre eines der umsatzreichsten Hotels Deutschlands. Natürlich ist dieser Umsatz massiv eingebrochen, aber Frau Volkhardt ist eine erfolgreiche Unternehmerin, die sehr nachhaltig und konzentriert agiert. Ich bin sehr sicher, dass sie gut durch die Krise kommt. Wenn es solche Unternehmen nicht schaffen, dann haben wir ein richtiges Problem.

Wie steht es um die Münchner Biergärten?

Man muss ein komplett anderes Tisch- und Bestuhlungssystem wählen, dann könnte ich es mir schon vorstellen. Trotzdem wird es auch dann nur bei einem Bruchteil des eigentlichen Umsatzes bleiben.

Auch Biergärten in München  haben wegen der Corona-Pandemie geschlossen. 

Es kursiert derzeit auch die Idee, dass man Öffnungen der Gastronomie mit einem Alkoholverbot verbindet...

Ich denke, sinnvoller wäre eine Limitierung des Alkohols, etwa eine Maß und die genießt man dann aber. Ein kompletter Verzicht wäre merkwürdig.

Wie viele Betriebe aus dem Gastgewerbe werden die Corona-Krise nicht überleben?

Laut Deutschem Hotel- und Gaststättenverband wird ein Drittel massive Probleme haben – und das ist auch meine Prognose.

Könnte man Preise verdoppeln, um das aufzufangen?

Aktuell verdienen viele Menschen weniger und müssen sparen. Deshalb werden die Preise nicht massiv erhöht werden können.

Wo muss jetzt die Politik eingreifen?

Die geplante Mehrwertsteuersenkung für Speisen ist prinzipiell ein gutes Zeichen. Dass es nur auf ein Jahr befristet wird, ist definitiv zu wenig. Außerdem ist es nicht plausibel, dass es nicht auch für Getränke gilt. In jedem Fall muss man irgendwie auch weitere finanzielle  Entlastungslösungen für Bars entwickeln.

"Wir werden unseren Mitmenschen mit mehr Vorsicht begegnen"

Muss Urlaub im Sommer 2020 ausfallen?

Ich sehe auf jeden Fall Möglichkeiten. Man muss dafür klare Konzepte erarbeiten, beispielsweise keine volle Auslastung, Abstände oder Check-In Automaten, um Schlangen zu vermeiden - dann ist Urlaub im eigenen Land wieder denkbar und sollte auch erlaubt sein. Ich gehe allerdings davon aus, dass es im Sommer immer noch Probleme gibt in andere Länder zu reisen, dadurch kann man aber gut die eigene Wirtschaft unterstützen.

Was glauben Sie, wie verändert sich das Gastgewerbe durch Corona langfristig?

Meine Prognose ist, dass die Mehrwertsteuer in der Gastronomie dauerhaft bleibt. Außerdem glaube ich, dass ein anderes Gästeverhalten an den Tag gelegt wird. Wir werden unseren Mitmenschen mit mehr Vorsicht begegnen. Insgesamt das Bewusstsein für mehr Hygiene und die damit verbundenen Themen wie beispielsweise das vermehrte bargeldlose Bezahlen werden bleiben.

Viele gehen jetzt neue Wege und bieten Essen to-go oder Onlinebestellungen. Wird sich so etwas auch nach Corona halten?

Ich bin mir sicher, dass Menschen, die davor kritisch waren, gelernt haben, wie einfach das ist und auch dabei bleiben. Solche Angebote werden weiterhin einen Anklang finden und deutlich stabiler sein als davor.

Kassandra Fischer

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