Neuerungen in der Corona-Pandemie

Endet der Ärger über die Corona-Impfungen in München bald?

Dicht gedrängt standen die Menschen am Impfzentrum Riem in der prallen Sonne
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Dicht gedrängt standen die Menschen am Impfzentrum Riem in der prallen Sonne
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Münchnerin beklagt Zustände im Impfzentrum in Riem – nicht nur die drei neu geplanten Impfzentren der Stadt machen für die Corona-Pandemie Hoffnung

  • Münchner kritisiert Zustände am Impfzentrum Riem scharf
  • Stadtrat beschließt weitere Impfzentren in München
  • Neues Medikament und Luftdesinfektion-Gerät entwickelt

München - Fassungslos machten die Zustände am Impfzentrum in Riem Helga Roner. „Hunderte Menschen standen dicht beieinander in der prallen Sonne“, berichtet sie Hallo. Roner begleitete eine gehbehinderte Freundin zu deren Impftermin. Eineinhalb Stunden warteten die beiden vor dem Zentrum, ehe sie aufgaben. „Meiner Freundin ist schlecht geworden.“ Roner kritisiert, dass es für die Wartenden, überwiegend ältere und gebrechliche Menschen, weder Sitzgelegenheiten noch Sonnenschirme gab. Auch Abstandhalten sei nicht möglich gewesen.

Längere Wartezeiten am Impfzentrum in Riem wegen Astrazeneca

Das Gesundheitsreferat nennt als Grund für die langen Wartezeiten, dass nun auch Jüngere mit Astrazeneca geimpft werden, die dafür aber eine Bescheinigung ihres Arbeitgebers brauchen. Diese hatten viele nicht und mussten weggeschickt werden. Das habe zu Diskussionen geführt.

Stadtrat will drei zusätzliche Impfzentren in München

Die Situation könnte sich bald bessern, denn der Stadtrat will drei neue Impfzentren eröffnen. Zahlreiche Bürger und Politiker hatten bereits bemängelt, dass ein Impfzentrum im Osten der Stadt zu wenig sei. Außerdem soll ab Mitte März ein Pilotprojekt starten, in dessen Rahmen drei Hausarztpraxen gegen Corona impfen, ehe das ab Anfang April flächendeckend eingeführt werden soll.

Der Bezirksausschuss Pasing-Obermenzing hofft, dass die Hausärzte bald flächendeckend mit eingebunden werden. „Wir müssen unbedingt die Hausärzte ins Boot holen. Sie impfen seit Jahren und haben die nötige Infrastruktur. Die Leute wissen, wie sie dort hinkommen und die Impfstoffe - auch der von Biontech - können bis zu vier Tage im Kühlschrank gelagert werden“, sagte auch Constanze Söllner-Schaar (SPD) bei der jüngsten Sitzung.

Neues Medikament gegen Corona

An einem anderen Weg, das Coronavirus unschädlich zu machen, arbeitet das Unternehmen Formycon aus Martinsried (Landkreis. München). Der Hersteller von biopharmazeutischen Arzneimitteln forscht seit einem Jahr zusammen mit der Technischen Universität München (TUM) an einem Medikament.

Impfstoffe sind eine wichtige Säule, aber wir werden mit dem Virus noch eine Weile leben müssen. Deswegen brauchen wir Medikamente“, sagt Formycon-Geschäftsführer Dr. Carsten Brockmeyer. TUM-Virologin Ulrike Protzer ergänzt: „Einmal impfen reicht ja nicht für immer. Spätestens im kommenden Herbst muss geklärt werden, wie wir weiter mit dem Coronavirus umgehen wollen.“ Dabei werden Arzneimittel eine Rolle spielen, so Protzer.

Eiweißverbindung verhindert Vermehrung von Coronavirus

Bei dem von Formycon entwickelten Medikament sorgt eine Verbindung aus Eiweiß und Antikörper – ein sogenanntes Fusionsprotein - dafür, dass sich das Virus im Körper nicht weiter vermehrt. Das Fusionsprotein ahmt dabei ein menschliches Eiweiß nach, das auf Zellen im Rachen- und Lungenraum sitzt und als Andockstation für das Coronavirus dient. Indem sehr große Mengen des Fusionsproteins in den Körper injiziert werden, verbindet sich das Virus mit diesen und nicht mit den Körperzellen.

Das Unternehmen Formycon aus Martinsried entwickelt ein Medikament gegen Corona.

Ende 2021 soll das Arzneimittel in die klinische Prüfung gehen. Dafür fehlen aber noch die finanziellen Mittel: „Wir gehen davon aus, dass wir allein dafür Entwicklungskosten von 25 Millionen Euro haben“, so Brockmeyer. Formycon hat sich daher sowohl für eine Förderung durch den Freistaat als auch den Bund beworben. Davon soll zumindest ein Teil der Kosten gedeckt werden. Eine bedingte Zulassung des Medikaments wäre dann Ende 2022 möglich.

Desinfektionsgerät tötet Coronaviren in der Luft ab

Der Physik-Doktorand Christian Gebhardt hat an der LMU ein Desinfektionsgerät entwickelt, das Coronaviren in der Luft abtötet. Ein Ventilator zieht die Raumluft ins Innere des Geräts. Dort werden mehr als 99,9 Prozent der Viren mithilfe von UV-Licht eliminiert.

Der Sendlinger Christian Gebhardt hat an der LMU ein Desinfektionsgerät entwickelt, das Coronaviren in der Luft abtötet.

Zwar gibt es bereits einige solcher Geräte. Diese seien aber entweder mit 2500 bis 4000 Euro relativ teuer oder „in Sachen Wirksamkeit und Strahlungssicherheit etwas skeptisch zu sehen“ meint Gebhardt. Sein Ziel war es, eine sichere, wissenschaftlich geprüfte und relativ kostengünstige Alternative zu entwickeln. Die größte Herausforderung sei dabei gewesen, die UV-Strahlung so sicher abzuschirmen, dass nichts nach davon außen gelangt. Dies gelang ihm mit speziellen Schrauben, auf die er inzwischen ein Patent angemeldet hat.

Sein „Uvid Tower Desinfektionssystem“ ist relativ leise, für einen Raum mit 30 bis 60 Quadratmetern geeignet und kostet rund 1500 Euro. Gebhardt hat ein eigenes Unternehmen gegründet und fertig die Geräte gemeinsam mit einer Heidenheimer Firma in einer Kleinserie. Ein ideales Einsatzgebiet wären Gebardts Ansicht nach Schulen. „Da die Stadt München, wie auch viele andere Städte, allerdings zögerlich beim Einsatz in Schulen ist, wollen wir inzwischen hauptsächlich Arztpraxen, Gastronomie oder Frisörsalons damit versorgen“, sagt er. Es gebe bereits Anfragen und die ersten Geräte seien schon ausgeliefert worden.

Diese Lockerungen wurden in Bayern beschlossen.

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